47 Milliarden US-Dollar – so viel war das Start-up WeWork im Jahr 2019 wert. Nach seinem Börsengang und zwei Jahren Corona-Pandemie blieb davon im März 2022 nur noch eine Marktkapitalisierung von rund 3,5 Milliarden Dollar übrig.

Woher kam dieser Hype? Das lag unter anderem daran, dass viele Investoren und Investorinnen sowie Finanzexperten und Finanzexpertinnen dachten, das Thema Coworking wäre ein Mega-Trend. Ein Trend, der die Arbeitswelt umkrempelt und mit dem sich viel Geld verdienen lässt.

Stimmt das? Ist Coworking wirklich ein Trend, der die Arbeitswelt revolutioniert? Wir werfen einen Blick darauf.

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Wie funktioniert Coworking?

In der klassischen Arbeitswelt hat jeder Mitarbeiter beziehungsweise jede Mitarbeiterin einen zugewiesenen Arbeitsplatz. Dieser bleibt in der Regel über viele Jahre gleich: In einem Büroraum stehen dann zum Beispiel ein Schreibtisch, ein Stuhl, ein Computer und ein Aktenschrank. Alles hat seinen festen Platz.

Beim Coworking bietet ein Arbeitgeber seinen Angestellten zwar Zugang zu einem oder mehreren Räumen zum Arbeiten an, doch die Plätze sind flexibel. Das bedeutet, immer wenn sie im Büro sind, müssen sich die Mitarbeitenden einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Derart können sich beispielsweise Teammitglieder, die für einen Zeitraum zusammenarbeiten, so zusammensetzen, wie es für das Projekt am besten ist: Der Grafiker oder die Grafikerin tauscht sich für ein paar Tage eng mit dem Product Owner aus, dann für ein paar Tage mit dem Lead Developer und danach sitzt er oder sie mit anderen Personen aus der Design-Abteilung zusammen. Das fördert das „Coworking“ – eben das kooperative Arbeiten.

Ebenso kommt Coworking in Unternehmen zum Einsatz, in denen viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen remote arbeiten. Wenn beispielsweise die Hälfte der Belegschaft im Homeoffice ist, müssen nicht unnötig leere Büros am Standort bezahlt werden. Der Arbeitgeber reduziert die Fläche und schafft flexible Arbeitsplätze für die „Coworker“.

Was bedeutet Coworking Space?

Coworking Spaces denken die Idee des flexiblen Büros weiter: Unternehmen mieten nicht wie früher eigene Räume, Stockwerke oder Gebäude an. Stattdessen arbeiten die Angestellten hauptsächlich remote und treffen sich nur gelegentlich in einem büroartigen Raum (dem Coworking Space), um sich auszutauschen.

Die Coworking Spaces gehören Anbietern wie WeWork und nicht den Unternehmen selbst. Das heißt, Gründer und/oder Gründerinnen von Unternehmen, Start-ups wie auch mittelständische und große Firmen sparen sich die Verwaltung, die Pflege, die Wartung, den Ausbau und ähnliche Ausgaben für eigene Büros.

Was kostet ein Coworking Space?

Zugang zur Infrastruktur, zum Beispiel zu Schreibtischen, Druckern, Scannern und Whiteboards, stellt der Coworking-Space-Anbieter. Dafür verlangt er stündliche, tägliche, wöchentliche oder monatliche Gebühren, je nach Benutzung.

In vielen Regionen gibt es günstige Coworking-Space-Angebote für Selbstständige und Start-ups. Diese können einen simplen Arbeitsplatz für circa 20 bis 30 Euro am Tag mieten. Doch die Ausgaben für einen Coworking Space fallen sehr unterschiedlich aus und können auch weit über 100 Euro pro Tag kosten.

Zum einen kommt es auf den Standort an: In Metropolen wie München oder Düsseldorf fallen die Mieten in der Regel höher als in Randgebieten aus. Zum anderen hängen die Kosten von den Ansprüchen ab: Wie viele Raum mietet ein Unternehmen an, welches Equipment wird benötigt? Auch der Zeitraum stellt einen Faktor dar, da es meist Rabatte für mehrere Tage oder Wochen gibt.

Dazu spielt noch die Unterscheidung in Fix Desk und Flex Desk eine Rolle.

Fix Desk vs. Flex Desk: Was ist was?

Ein Flex Desk ist der typische Arbeitsplatz in einem Coworking Space oder in Unternehmen mit Coworking-Lösungen. In diesem Fall muss sich der Coworker bzw. die Coworkerin jeden Tag ganz flexibel aufs Neue einen Platz suchen.

Beim Fix Desk bekommt der Arbeitnehmer beziehungsweise die Arbeitnehmerin oder Coworking-Space-Buchende den Zugang zu einem festen Arbeitsplatz. Diesen kann er oder sie meist rund um die Uhr nutzen.

Was sind die Vorteile von Coworking?

Für Unternehmen liegen die Vorteile von Coworking auf der Hand: Sie können Ihre Ausgaben für Büromieten deutlich reduzieren. Das gilt besonders, wenn der Standort sehr teuer und die Mitarbeitenden lieber remote arbeiten möchten.

Auch der Management-Aufwand für die Beschaffung und Instandhaltung von Schreibtischen, Internetzugängen, Präsentationsmaterialien und dergleichen verringert sich, da derlei Dinge in den Fix- und Flex-Desk-Kosten enthalten sind.

Dazu kommt, dass sich Start-up-Teams und Projektteams flexibler und je nach Bedarf organisieren können. Das sorgt für mehr Motivation und meist auch für schnellere Ergebnisse. Und Mitarbeitende, die viel im Homeoffice sind, kommen durch Coworking Spaces zu den dringend benötigten, sozialen Kontakten. Ein kurzer Plausch in der Kaffeeküche kann wahre Wunder wirken.

Dadurch, dass Coworking Spaces eine Vielzahl von Unternehmern unterschiedlicher Branchen beherbergen, sind Coworking Spaces auch ein idealer Ort zum Networking.

Wo liegen die Nachteile im Coworking?

In vielen Kleinstädten und ländlichen Gegenden bestehen recht wenig Coworking-Angebote. Das bedeutet, Unternehmen bekommen nicht die Kapazitäten, die sie benötigen.

Coworking Spaces sind oft wie Großraumbüros konzipiert. Derart ist ein ruhiges, konzentriertes Arbeiten recht schwierig. Durch das ständige Kommen und Gehen von fremden Personen können nur schwer soziale Bindungen entstehen, was sich unter Umständen negativ auf die Produktivität auswirkt.

Und: In manchen Berufen ist es zwingend erforderlich, wichtige Arbeitsmittel immer griffbereit zu haben. Das kann eine Coworking-Umgebung nicht gewährleisten, ebenso das sichere Wegschließen von wichtigen Dokumenten.

Wie viele Coworking Spaces gibt es in Deutschland?

2018 bestanden weltweit rund 18.700 Coworking Spaces, davon nur rund 300 in Deutschland. In den darauffolgenden Jahren kam es zu einem Boom. Circa 1.300 Coworking Spaces zählte der BVCS (Bundesverband Coworking Spaces Deutschland e.V.) im Jahr 2020.

Die Corona-Krise gab dem Boom einen Dämpfer, einige Coworking-Anbieter mussten ihre Raumangebote schließen. Doch viele Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass der Trend neu aufleben wird, wenn das Homeoffice wieder dem Arbeiten in einem Büro oder büroartigen Raum weicht.

Coworking Spaces lohnen sich

Besonders für Start-ups und junge Unternehmen sind Coworking Spaces lukrativ. Attraktiv sind nicht nur die flexiblen Mietverträge, sondern auch die anpassbaren Arbeitsplätze sowie Büroflächen. Zudem können Unternehmen Kosten sparen, da die komplette Infrastruktur zum Arbeiten bereits vorhanden ist. Es gibt also viele gute Gründe, warum sich das geteilte Büro bzw. da gemeinsame Office auch in Zukunft bewähren wird.

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Titelbild: Vasyl Dolmatov / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 16. März 2022, aktualisiert am März 16 2022

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