Yoko Ono sagte einmal: „Ein Traum, den man alleine träumt, ist nur ein Traum. Ein Traum, den man zusammen träumt, wird Wirklichkeit.“ Was die Frau von John Lennon damit meinte, lässt sich auf verschiedene private und berufliche Bereiche übertragen – zum Beispiel auf Liebe, Partnerschaft sowie Familien; und auf die Zusammenarbeit bei Crowdsourcing-Projekten.

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Der Begriff „Crowdsourcing“ setzt sich aus den englischen Worten Crowd (= Masse, Menschenmenge, Schwarm) und Sourcing (= Herkunft, Bezugsquelle) zusammen. Das „Sourcing“ kann auch eine Abkürzung von Outsourcing (= Auslagerung) sein. Daher stammt die Übersetzung „Massenauslagerung“ oder „Schwarmauslagerung“.

Woher kommt die Bedeutung?

Der Begriff „Crowdsourcing“ stammt vom amerikanischen WIRED-Journalisten Jeff Howe, der ihn 2006 zum ersten Mal verwendete, als das sogenannte Web 2.0 aufblühte. YouTube, Blog-Systeme, Wikipedia und andere Plattformen konnten nur so erfolgreich werden, weil die Nutzer – also die „Crowd“ – sehr engagiert Inhalte erstellten und teilten. Und das passierte meist aus eigenem Antrieb, ohne Bezahlung.

Was gehört zum Crowdsourcing?

In den Bereich des Crowdsourcing fallen unterschiedliche Begriffe, deren Bedeutungen sich teilweise überschneiden. Zum Beispiel:

  • Crowdfunding: Das ist die finanzielle Unterstützung von Projekten (bspw. Umwelt- und Technologieprojekte) mit dem Risiko, dass es kein Ergebnis geben könnte.
  • Crowdinvesting: Zahlreiche Personen investieren Kleinbeträge, meist in Start-ups und Immobilien, und erhoffen sich davon hohe Renditen.
  • Crowdtesting: Eine große Masse testet unfertige Vorab-Versionen (Beta-Versionen) einer Software, zum Beispiel Online-Computerspiele, um Fehler zu finden.
  • Open Source: Mehrere (Hobby-)Programmierer entwickeln zusammen eine Software, die sie kostenlos vertreiben.
  • Open Innovation: Unternehmen bringen ihre Innovationsprozesse voran, indem sie externes Know-how zurate ziehen und/oder ihr Wissen nach außen geben.
  • Co-Creation: Kunden dürfen bei der Gestaltung von neuen Produkten mitwirken. 

Was bringt Crowdsourcing?

Wie es der Name schon besagt, geht es darum, eine große Anzahl an Menschen zu bewegen, an einer Idee mitzuwirken. Zum Beispiel, um Konzepte zu realisieren, die ein Freelancer oder ein Start-up niemals allein meistern könnte. Es wird die Power der Crowd genutzt, um ein Ziel zu erreichen. Das hat den Vorteil, dass das Unternehmen wichtige Assets „auslagern“ kann:

  • Know-how/Wissen

  • Manpower/Arbeitskraft

  • Geld/finanzielle Mittel

Wo es Licht gibt, fällt allerdings auch Schatten. Crowdsourcing bringt genauso ein paar Nachteile mit sich:

  • hoher Aufwand, um das Feedback der Crowd einzusammeln

  • Entscheidungsgewalt auf viele Schultern verteilt, was Prozesse langsam macht

  • finanzielle Unterstützung oft nicht ausreichend

  • Ergebnisse sind manipulierbar

  • Rechtslage (bspw. für Wiederverwertung) kann kompliziert ausfallen

Bekannte Beispiele für Crowdsourcing-Plattformen

Crowdsourcing klingt sperrig und fremd. Doch viele Projekte, die mit dieser Idee realisiert werden, sind namhaft und bekannt. Ein paar Beispiele:

Wikipedia

Die größte Online-Wissensdatenbank Wikipedia ist nur deswegen so erfolgreich, weil weltweit zigtausende ehrenamtliche Autoren kostenlos dafür schreiben. Die Anzahl an Wikipedia-Texten wächst jeden Tag an, bestehende erhalten ständig ein Update. Die Popularität von Wikipedia führte unter anderem dazu, dass Microsoft seine Multimedia-Enzyklopädie „Encarta“ 2009 einstellte. Und die „Encyclopædia Britannica“ erscheint seit 2012 nur noch digital.

ISPO Open Innovation

Aus der Internationalen Fachmesse für Sportartikel und Sportmode in München, kurz ISPO, entstand die ISPO Open Innovation. Die Plattform dient dazu, Sportler neue Produkte und Marken testen zu lassen. So arbeiten diese am Entwicklungsprozess mit und lassen ihre Ideen einfließen.

99designs

Selbstständige und Unternehmen, die ein Logo, Buchcover oder ein Webdesign benötigen, finden auf 99designs schnell und einfach den passenden Designer. Laut eigenen Angaben wurden über die global agierende Plattform schon rund 100 Millionen Design-Aufgaben vergeben.

Kickstarter, Indiegogo und Startnext

Kickstarter und Indiegogo sind weltweit bekannte Crowdfunding-Plattformen. Auf diesen stellen Kreative, Entrepreneure und Unternehmen besonders Games- und Tech-Projekte vor, für die sie finanzielle Unterstützung durch die Masse benötigen. Im deutschsprachigen Raum ist Startnext bekannt. Hier dominieren Kunstprojekte.

Google Maps und OpenStreetMap

Google Maps wird zwar von Google betrieben und entwickelt, doch der Kartendienst lebt von den Bewertungen, Rezensionen und Fotos der Community. Ähnlich sieht es beim Open-Source-Projekt OpenStreetMap aus.

Die Crowd für sich nutzen: Worauf sollten Unternehmen achten?

Beim Crowdsourcing steigt das sogenannte „Customer Empowerment“, das heißt, die Bindung von einem Kunden bzw. Konsumenten zu einem Produkt – und damit auch zu einem Unternehmen, da beide für ein gewisses Projekt an einem Strang ziehen.

Allerdings ist die Umsetzung eines Crowdsourcing-Projektes alles andere als einfach. Unternehmen müssen dafür unter anderem die Zuständigkeiten und die Rechtslage klären. Das ist besonders dann der Fall, wenn Gelder fließen oder es um kommerzielle Interessen geht.

Das Thema Transparenz ist bei Crowdsourcing wichtig. Ein gutes Vorbild dafür ist die „Über uns“-Seite von Wikimedia Deutschland (dem Verein hinter Wikipedia), auf der die Betreiber das Prinzip der Zusammenarbeit ganz genau erklären.

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Titelbild: nadia_bormotova / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 8. Juni 2020, aktualisiert am Juni 08 2020

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