Der ehemalige „Höhle der Löwen“-Juror und Gründer Frank Thelen sowie der deutsche High-Tech Gründerfonds und viele andere Investoren tun es: Sie stecken ihr Geld in sogenannte Deep Tech Companies. Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) wurden 2018 weltweit 18 Milliarden US-Dollar (umgerechnet ca. 16,2 Milliarden Euro) in derartige Unternehmen investiert – Tendenz stark steigend.

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Mit „tiefgreifend” ist gemeint, dass Deep-Tech-Unternehmen nur wenig auf bereits bestehende Technologien zurückgreifen, sondern stattdessen neue, meist digitale Lösungen erfinden. Diese fallen derart innovativ aus, dass sie ein sehr großes Potenzial für eine Disruption besitzen.

Deep Tech benötigt eine hohe Investition in Forschung, zudem viele Jahre bis zur Marktreife. Startups entwickeln die Ergebnisse meist für Unternehmen (Business-to-Business, B2B). Der Endkundenmarkt (Business-to-Customer, B2C) steht anfangs weniger im Fokus. Trotz des hohen Maßes an Innovation dürfen sich Deep Tech Companies nicht nur auf die Entwicklung konzentrieren, sondern müssen zudem unternehmerisch agieren. Dabei ist es wichtig, stets den Kunden im Blick zu haben und eine Marktlücke zu identifizieren.

Deep Tech: Bekannte und innovative Beispiele

Obwohl der Begriff „Deep Tech“ erst durch den aktuellen Startup-Hype bekannt wurde, gibt es das Konzept dahinter schon seit einigen Jahren. Denn nicht alle Technologien, die zu Deep Tech zählen, sind neu oder neuartig.

Länger bekannt sind unter anderem:

  • Roboter
  • Drohnen
  • 3D-Drucker
  • Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR)
  • Künstliche Intelligenz (KI)

In jüngster Zeit ist mehr über diese Deep Tech-Innovationen zu hören:

  • Blockchain
  • Quanten-Computing
  • Autonomes Fahren
  • Big Data
  • Internet of Things (IoT)
  • Biotech

Bekannte Ergebnisse aus der Deep-Tech-Forschung:

  • Bitcoin und andere Krypto-Währungen auf Basis der Blockchain.
  • Nahezu autonom fahrende Autos der Alphabet-Tochter Waymo.
  • Googles Quantencomputer, der im Herbst 2019 als Meilenstein gefeiert wurde.
  • Wearables, wie Fitness-Armbänder sowie das vernetzte Zuhause (Smart Home / Connected Home) als Beispiele für IoT.
  • Virtual-Reality-Anwendungen, zum Beispiel im Gaming-Sektor (Playstation VR, Oculus Rift).
  • Airbus erzeugt mit 3D-Printern Komponenten für seine Flugzeuge.
  • Mit Lilium Aviation und Volocopter gibt es zwei Unternehmen aus Deutschland, die an „Flugtaxis“ arbeiten
  • Smarte Roboter für eigenständig Auftragsannahme.
  • Versicherungen setzen KI-Systeme ein, um Versicherungsfälle zu bearbeiten.
  • Das US-Startup Neuralink arbeitet an einem Brain-Computer-Interface, um die Leistungsfähigkeiten des menschlichen Gehirns zu steigern.

Hohe Investitionen für Deep Tech erforderlich

Aufgrund der Neuartigkeit benötigt Deep Tech viel Forschung. Diese Vorarbeit kostet Geld. Die BCG fand für ihre oben genannte Studie heraus, dass ein Startup für einen ersten Blockchain-Prototypen ungefähr 200.000 US-Dollar (circa 180.000 Euro) und eineinhalb Jahre Entwicklungszeit benötigt, ein Biotech-Unternehmen mindestens 1,3 Millionen US-Dollar (circa 1,2 Millionen Euro) und rund zwei Jahre. Bis ein Prototyp die Marktreife erlangt, sind weitere Investitionen und Entwicklungsjahre erforderlich.

Trotz der teils deutlichen Unterschiede investieren Venture-Capital-Firmen weltweit in alle Bereiche. Das Quanten-Computing scheint aktuell besonders angesagt zu sein, so BCG.

The%20Dawn%20of%20the%20Deep%20Tech%20Ecosystem_2_tcm-216106Bild: Boston Consulting Group

Wie beeinflusst Deep Tech die Startup-Unternehmen in Deutschland?

Die Zahlen von Pitchbook zeigen, dass nicht nur im Silicon Valley viel Geld in Deep Tech fließt. Auch in Europa haben sich die Investitionen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Mittlerweile gehen 10 % aller Startup-Investments an Deep Techs, das Volumen betrug 2018 1,7 Milliarden Euro. Das meiste Geld fließt in innovative Unternehmen in Großbritannien, in der DACH-Region sowie in Frankreich und Skandinavien. 

Da die EU und ihre Mitgliedstaaten verstanden haben, dass Deep Tech ein Markt der Zukunft ist, soll unter anderem die Entwicklung von KI gefördert werden. Das dürfte den Markt weiter beflügeln – auch in Deutschland. 

In der DACH-Region ist Deutschland führend. Die deutschen Startups haben 2017 rund 400 Millionen Euro an Investments erhalten, das meiste für KI-Entwicklungen. Weitere angesagte Deep Tech-Themen in der Bundesrepublik sind unter anderem Big Data, IoT, VR und Robotics.

Was bringt die Deep-Tech-Zukunft?

Momentan wirken Blockchain-Erfindungen wie der Bitcoin oder Google und Teslas teilautonom fahrende Autos wie Zukunftsmusik. Der Durchbruch in der breiten Masse wird noch mehrere Jahre benötigen. Noch länger wird es dauern, bis Quantencomputer die Serienreife erlangen. Doch Forschungseinrichtungen, Startups sowie Großkonzerne treiben die Technologie aktuell mit Hochdruck voran. 

Die Erwartungen an die Deep Techs sind sehr hoch. Und auch die Angst davor, denn die Innovationen könnten ganze Branchen und Wirtschaftszweige zerstören. Zum Beispiel den Banken- und Versicherungssektor, da Big Data in Verbindung mit Data Analytics und KI sowie digitale Währungen viele Jobs obsolet macht. 

Wenn Fahrzeuge eigenständig fahren können, bedrohen sie nicht nur das Taxi-, Bus- und Logistik-Gewerbe, sondern auch die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Sind Autos theoretisch immer und überall verfügbar, da sie eigenständig zum Kunden fahren, könnte der Besitz eines eigenen Gefährts an Attraktivität verlieren. 

Neue Chancen für deutsche Unternehmen mit Deep Tech: Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft, IBM - die bekanntesten und wertvollsten Unternehmen, die digitale Produkte und Lösungen anbieten, kommen aus den USA. Beim Thema Deep Tech können deutsche Forschungseinrichtungen, Startups und Unternehmen aber mithalten. Zum Beispiel in den Bereichen Blockchain, KI und „Flugtaxis“. Somit ist das Rennen noch nicht entschieden.

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Headerbild: timJ / Unsplash

Ursprünglich veröffentlicht am 3. Februar 2020, aktualisiert am Februar 10 2020

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