Der berufliche Alltag vieler Arbeitnehmer und Freiberufler dreht sich um einen zentralen Punkt: den Schreibtisch. In den meisten Fällen ist dieser ausgestattet mit Laptop, Maus, Tastatur und Bildschirm. Es gibt zwar deutlich gefährlichere Arbeitsplätze, die Arbeit im Büro kann aber mittel- bis langfristig ebenfalls durchaus schädlich für den Körper sein. Dies führt zu einer reduzierten Lebensqualität und zu Arbeitsausfällen. Im Jahr 2018 waren Rückenschmerzen nach akuten Infektionen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitstage.

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Die Ergonomie hat also auch einen Einfluss darauf, wie produktiv eine Abteilung arbeitet. Wir zeigen Ihnen daher in diesem Artikel, wie Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch gestalten können.

Warum ist die Ergonomie am Arbeitsplatz so wichtig?

Ergonomie ist eine Wissenschaft und beantwortet die Frage, wie sich Arbeitsressourcen (Werkzeuge, Materialien) und Arbeitsgeräte am Arbeitsplatz optimiert einsetzen lassen, um – sowohl wirtschaftlich für das Unternehmen als auch gesundheitlich für die Mitarbeiter – beste Ergebnisse zu erzielen. Ist von einem „ergonomischen Stuhl“ die Rede, heißt dies aber nicht, dass der Stuhl Wissenschaft betreibt. Es bedeutet vielmehr, dass er ergonomischen Kriterien für eine gesunde und produktive Arbeit im Büro entspricht. 

Gesundheitliche Einschränkungen senken die Produktivität

Im Alltagssprachgebrauch bezieht sich das Wort Ergonomie somit meist auf den gesundheitlichen Aspekt der Wissenschaft. Vergessen Sie jedoch nicht, dass Wirtschaftlichkeit und Gesundheit einer Person stark miteinander verknüpft sind. Wer krank ist, kann unmöglich sein Produktivitätspotenzial bei der Arbeit voll ausschöpfen. 

Wie schon eingangs erwähnt, sind Rückenschmerzen die zweithäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehltage in Deutschland. Unter den 20 häufigsten Ursachen sind aber noch weitere Erkrankungen aufgeführt, die sich mit einem unergonomischen Arbeitsplatz in Verbindung bringen lassen. Dazu zählen andere körperliche Beschwerden (z. B. Schulterschmerzen und Knieschmerzen), aber auch psychische Erkrankungen (depressive Episoden, Anpassungsstörungen, Ermüdung).

Ergonomie ist gesetzlich vorgeschrieben

Um Arbeitnehmer zu schützen, hat der Gesetzgeber an verschiedenen Stellen (Arbeitsschutzgesetz  und Arbeitsstättenverordnung) Richtlinien für einen ergonomischen Arbeitsplatz definiert. Laut Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, „eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben“. Falls ein Arbeitgeber dem offensichtlich nicht nachkommt, muss er mit einer Klage von seinen Beschäftigten rechnen.

Was macht einen ergonomischen Arbeitsplatz aus?

Zu den ergonomischen Kriterien am Arbeitsplatz zählen einige wichtige Punkte, von denen manche sogar gesetzlich klar definiert sind:

1. Schonende Sitzmöglichkeit

Die beiden wichtigsten Gegenstände bei der ergonomischen Gestaltung eines Arbeitsplatzes im Büro sind der Schreibtisch und Bürostuhl. Beide gewährleisten eine komfortable Position des Oberkörpers und des Kopfes. Bei längerer Fehlhaltung sind Nacken- oder Rückenschmerzen die Folge. Als Spätfolge einer schlechten Sitzposition können Wirbelsäulenschäden oder die gefürchteten Bandscheibenvorfälle auftreten.

Für einen ergonomischen Bürostuhl sind folgende Kriterien vorgegeben:

  • Keine scharfen Kanten

  • Federung beim Hinsetzen

  • Stand- und Kippsicher 

  • Die Sitzfläche muss im Bereich von 42 bis 50 cm höhenverstellbar sein

  • Die Rückenlehne ist konkav und weist eine Breite von 32 bis 48 cm auf

  • Die Armlehnen sind mindestens 4 cm breit und 20 cm lang

2. Höhenverstellbare Schreibtische 

Der Schreibtisch muss mindestens 72 cm hoch sein und eine Fläche 80 cm x 120 cm aufweisen. Achten Sie bei der Höhe des Schreibtisches unbedingt auf das Zusammenspiel zwischen der Höhe des Bürostuhls und der Höhe des Tisches sowie des Nutzers. Da nicht jeder Mensch gleich groß ist, empfiehlt sich die Anschaffung eines höhenverstellbaren Schreibtisches.

Die Oberfläche muss matt und die Kanten sollten abgerundet sein. Zudem wichtig sind ein sicherer Stand und eine biegefeste Oberfläche sowie eine uneingeschränkte Beinfreiheit. Um Quetschungen zu vermeiden, müssen die Kanten von Büromöbeln entweder kürzer als 4 mm oder weiter als 25 mm voneinander entfernt sein.

3. Wechselnde Arbeitshaltung zur Förderung der Konzentration

Bei der Nutzung von Computern müssen Arbeitgeber ihren Angestellten ermöglichen, regelmäßig Bildschirmpausen vorzunehmen und wechselnde Arbeitshaltungen einnehmen zu können.  Der Bildschirm sollte so ausgerichtet sein, dass es auch bei wechselnden Sonnenständen nicht zu blendenden Reflexionen kommt.

Die Entfernung des Displays zu den Augen sollte zwischen 60 und 80 cm betragen. Ist der Bildschirm zu nah, führt dies schnell zu juckenden oder tränenden Augen oder Kopfschmerzen. Bei der Nutzung von Maus und Tastatur müssen die Mitarbeiter ihre Handgelenke ohne Abknicken ablegen können. Außerdem gibt es speziell geformte ergonomische Mäuse und Tastaturen zu kaufen.

4. Angenehmes Arbeitsklima

Auch an die Temperatur gibt es genaue Anforderungen. In Büros muss die Mindesttemperatur bei 20 °C liegen, die maximale Temperatur ist an die Außentemperatur gekoppelt: Generell liegt die Obergrenze bei 30 °C. Das liegt auch im Interesse des Arbeitgebers, denn bei Temperaturen über 33 °C sinkt die Produktivität der Mitarbeiter auf 50 % ab.  Die relative Luftfeuchtigkeit sollte etwa zwischen 80 % und 20 % liegen, ideal sind 50 %. 

Alle Büroräume müssen zudem ausreichend mit natürlichem Licht ausgeleuchtet sein. Dunkle Räume mit künstlichem Licht (besonders von Lichtquellen mit unnatürlichem Spektrum) können zu Störungen im Tag-Nacht-Zyklus führen und psychische Erkrankungen auslösen oder verstärken. 

Die Bedeutung von Ergonomie wird häufig unterschätzt

Im Alltag vieler Unternehmen genießt die Ergonomie meist wenig Beachtung. Wenn überhaupt, befassen sich Manager nur punktuell damit – zu Unrecht. Hat ein Unternehmen mit besonders langen krankheitsbedingten Ausfällen, geringer Produktivität und schlechtem Arbeitsklima zu kämpfen, liegt das unter Umständen gar nicht an der Motivation und dem Charakter der Mitarbeiter, sondern einfach nur an einer unergonomischen Büroausstattung. 

Unser Tipp lautet deshalb: Sensibilisieren Sie sich für das Thema Ergonomie. Von den positiven Ergebnissen profitieren nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Ihr Unternehmen.

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Ursprünglich veröffentlicht am 3. Juli 2020, aktualisiert am Juli 03 2020

Themen:

Produktivität