Wer sich jemals mit selbstständiger Arbeit oder Unternehmensgründungen beschäftigt hat, dem ist die Frage nach der Gesellschaftsform sicher nicht fremd. Ob GmbH, OHG, KG oder GbR – alle Rechtsformen haben ihre Vor- und Nachteile.

Aber nach welchen Kriterien sollte ein angehender Unternehmer entscheiden, welche Gesellschaftsform er seinem zukünftigen Unternehmen gibt? Dieser Artikel beschäftigt sich mit den grundlegenden Unterschieden zwischen den Gesellschaftsformen und gibt einen ersten Überblick.

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Was ist eine Gesellschaftsform?

Die Gesellschaftsform (oder Rechtsform) bezeichnet die gesetzlichen Rahmenbedingungen, in denen sich Unternehmen bewegen müssen, um am Wirtschaftsleben in Deutschland teilnehmen zu können. Unternehmen können dabei aus einer Reihe verschiedener – vom Gesetzgeber festgelegten – Gesellschaftsformen wählen.

Jedes Unternehmen muss zwangsweise eine dieser Gesellschaftsformen wählen, damit der Staat weiß, wie er das Unternehmen behandeln muss. Die Wahl einer Gesellschaftsform ist auch immer eine betriebswirtschaftliche Frage. Sie wirkt sich auf die Steuerlast, Haftungsbestimmungen und Entscheidungsstruktur innerhalb eines Unternehmens aus.

Vorüberlegungen bei der Auswahl der Gesellschaftsform

Bei der Wahl der richtigen Gesellschaftsform spielen vor allem drei Faktoren eine Rolle:

  1. Wie viele Gründer gibt es und existieren weitere Teilhaber?

  2. Sind die Personen dazu bereit, auch mit ihrem Privatvermögen zu haften?

  3. Wie viel Kapital steht zur Verfügung?

Welche Gesellschaftsformen gibt es in Deutschland?

In Deutschland stehen hauptsächlich folgende Gesellschaftsformen zur Auswahl: 

Personengesellschaften: Persönliche Haftung der Unternehmer

Der Unterschied zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften besteht darin, dass Personengesellschaften keine juristischen Personen darstellen.

Sonderfall Einzelunternehmen: Will jemand ein Unternehmen ganz allein gründen, gibt es die Option, dass er ein sogenanntes Einzelunternehmen ins Leben ruft. Dieses ist jedoch im rechtlichen Sinn keine Gesellschaftsform und unterliegt anderen Regeln.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist ein Zusammenschluss von zwei oder mehr Unternehmern, die beide in vollem Umfang mit ihrem Privatvermögen haften. Alle Unternehmer sind in der Regel voll geschäftsfähig. Bei der Gründung einer GbR wird ein Gesellschaftsvertrag aufgesetzt, der die Rechte und Pflichten der Gesellschafter regelt.

Für die Gründung der GbR ist kein Mindestkapital erforderlich. Im Gegensatz zur OHG ist eine GbR nicht im Handelsregister eingetragen.

Sobald eine GbR eine bestimmte Größe (250.000 Euro Umsatz im Jahr oder Beschäftigung von mehr als 5 Mitarbeiter) überschreitet, erfolgt meist eine automatische Überführung in eine OHG.

  • Geeignet für: Kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern (Gastwirte, Eisdielen, kleine Agenturen, Kioske)

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die offene Handelsgesellschaft ist der GbR sehr ähnlich. Auch hier haften zwei oder mehr Unternehmer voll mit ihrem Privatvermögen auch für Entscheidungen der anderen Gesellschafter mit.

Eine OHG ist im Handelsregister eingetragen. Dadurch gelten für die OHG die Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs, während für die GbR das Bürgerliche Gesetzbuch gilt (daher auch der Name der GbR).

  • Geeignet für: ähnlich wie GbR aber bei höherem Umsatz und bei kaufmännischen Tätigkeiten

Kommanditgesellschaft (KG)

Die Kommanditgesellschaft unterscheidet sich dahingehend von der GbR und OHG, dass die beteiligten Gründer nicht grundsätzlich gleichberechtigt sind.

An einer Kommanditgesellschaft beteiligen sich immer mindestens ein sogenannter Komplementär, der unbeschränkt haftet, und ein Kommanditist, der nur mit einer zur Gründung eingebrachten Kapitaleinlage haftet.

  • Geeignet für: Unternehmensgründungen, bei denen ein Teilnehmer als Investor agieren will, sich aber selbst nicht vollständig einbringen möchte.

Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

Wer nach § 18 des Einkommenssteuergesetzes als Freiberufler gilt, muss grundsätzlich kein eigenes Gewerbe anmelden und damit eine Gesellschaftsform wählen. Dazu zählen unter anderem Ärzte, Steuerberater, Architekten oder Künstler. Die PartG ermöglicht es Freiberuflern jedoch, ihre Tätigkeit gemeinschaftlich als Teil einer PartG auszuüben. Im Gegensatz zur GbR haften allerdings nicht alle Partner für die Fehler eines Einzelnen.

  • Geeignet für: Zusammenschlüsse von Freiberuflern (z. B. Gemeinschaftspraxen)

Kapitalgesellschaften: Eigene juristische Personen

In Deutschland stehen folgende Kapitalgesellschaftsformen zur Auswahl: 

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die GmbH ist eine der beliebtesten Gründungsformen. Bei der GmbH haftet keiner der Gesellschafter mit seinem Privatvermögen. Zur Gründung wird jedoch ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro benötigt, das im Vorfeld von den Gesellschaftern aufzubringen ist.

Seit 2008 gibt es in Deutschland die Unternehmergesellschaft (UG), die viele auch als „Mini-GmbH“ bezeichnen. Für die Gründung dieser Rechtsform ist nur ein Euro Stammkapital notwendig. Die UG ist verpflichtet, ein Viertel der Jahresgewinne zurückzuhalten. Wenn diese Rücklagen eine Summe von 25.000 Euro erreicht haben, können die Gesellschafter die UG in eine GmbH umwandeln. Die UG ist daher bei Start-ups besonders beliebt.

  • Geeignet für: die meisten mittelständischen oder großen Unternehmen (GmbH), Start-ups (UG)

Eingetragene Genossenschaft (eG)

Die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft benötigt im Gegensatz zur GmbH kein Stammkapital zu Gründung. Bei der eG haben alle Mitglieder grundsätzlich die gleichen Rechte, während sich die Rechte einer GmbH vom Anteil am Stammkapital ableiten.

Die Genossenschaft ist darauf ausgelegt, dass regelmäßig Mitglieder hinzukommen oder ausscheiden können. Alternativ gibt es auch die europäische Genossenschaft (SCE), die mindestens 5 Mitglieder und 30.000 Euro Stammkapital zur Gründung benötigt.

  • Geeignet für: lokale Unternehmen mit vielen Mitgliedern

Aktiengesellschaft (AG)

Die AG zeichnet sich dadurch aus, dass ihr Grundkapital (mindestens 50.000 Euro) in Form von Aktien an der Börse handelbar ist. Wer Aktien einer AG kauft, besitzt einen Teil des Unternehmens und ist auf der Hauptversammlung (die einmal im Jahr stattfinden muss) stimmberechtigt. Geführt wird die AG von einem Vorstand, der von einem Aufsichtsrat gewählt wird.

Eine Variante der AG ist die europäische Aktiengesellschaft (SE), die abgewandelte Bestimmungen für die Führungsstruktur vorsieht. So können Vorstand und Aufsichtsrat zu einem Organ zusammengefasst werden.

  • Geeignet für: große, internationale Unternehmen

Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)

Die etwas exotischere KGaA ist eine Mischform von AG und KG. Bei dieser Rechtsform gibt es statt eines Vorstands einen oder mehrere persönlich haftende Komplementäre.

Zudem existieren „Schachtelvarianten“ der Gesellschaftsformen, wie etwa eine GmbH & Co KG.

Gesellschaftsform ändern: Geht das?

Es ist möglich, dass Unternehmen ihre aktuelle Gesellschaftsform umwandeln. Manchmal ist das sogar zwingend nötig, wie bei der Umwandlung einer GbR bei zu hohem Umsatz in eine OHG. Bei Personengesellschaften ist die Änderung der Gesellschaftsform in der Regel leicht machbar, sofern die nötigen Rahmenbedingungen erfüllt sind. Auch kann eine Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden, beispielsweise eine KG in eine GmbH. Schwieriger, aber ebenfalls möglich, ist die Umwandlung von Kapitalgesellschaften, wie die Umwandlung einer AG zu einer GmbH.

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Titelbild: fizkes / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 17. Juli 2020, aktualisiert am Juli 28 2020

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