Wenn Sie sich selbstständig machen oder ein Unternehmen gründen, müssen Sie an Tausende Dinge denken. Eine wichtige Sache, die anfangs auf keinen Fall vergessen sollten, ist die Beschäftigung mit dem deutschen Steuersystem. Denn gleichgültig, wie groß oder klein Ihre Unternehmung ausfällt: Am Ende haben Sie diverse Steuerarten zu entrichten. Eine davon ist die Gewerbesteuer, um die sich dieser Beitrag dreht.

Kostenlose Vorlage zur Erstellung eines Businessplans

Wer zahlt Gewerbesteuer?

Alle, die für ihre Selbstständigkeit oder für ihre Unternehmensgründung einen Gewerbeschein beantragen müssen, müssen die Gewerbesteuer zahlen. Nicht davon betroffen sind Freelancer und Freelancerinnen sowie Gründer und Gründerinnen. Denn Freiberufler und Freiberuflerinnen, die einem Freien Beruf oder einem sogenannten Katalogberuf nachgehen, sind von der Gewerbeanmeldung und damit auch von der Gewerbesteuer ausgenommen.

Dazu zählen zum Beispiel Ärzte und Ärztinnen, Architekten und Architektinnen, Rechtsanwälte bzw. Rechtsanwältinnen sowie Notare und Notarinnen. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass jeder Gewerbebetrieb auch die Gewerbesteuer zahlen muss.

Wann ist ein Betrieb ein Gewerbebetrieb?

Ein Betrieb ist dann ein Gewerbebetrieb, wenn er einer selbständigen nachhaltigen Betätigung nachgeht, welche darauf ausgerichtet ist, einen Gewinn zu erzielen.

Zudem muss Ihr Betrieb am allgemeinen Wirtschaftsverkehr teilnehmen, um als Gewerbebetrieb zu zählen. Auch wenn die Gewinnerzielungsabsicht nur ein Nebenzweck Ihres Unternehmens ist, liegt ein Gewerbebetrieb vor. Kraft Rechtsform zählen Kapitalgesellschaften von Grund auf als Gewerbebetriebe.

Wann ist die Gewerbesteuer fällig?

Nach Ihrer gewerblichen Unternehmensgründung wird die zu entrichtende Gewerbesteuer von Ihrer Gemeinde festgesetzt. Nach dieser Festsetzung haben Sie vierteljährlich Ihre GewSt (so die Abkürzung) zu bezahlen. In der Regel zieht das Finanzamt die Summe in der Mitte jedes Quartals ein, beispielsweise am 15. Februar und 15. Mai.

Diese Rolle spielt der Gewerbeertrag

Grundlage für die Besteuerung Ihres Gewerbebetriebes ist der Gewerbeertrag, den Ihr Unternehmen erzielt. Beim Gewerbeertrag handelt es sich um den Gewinn, den Ihr Betrieb innerhalb eines Jahres erwirtschaftet. Hinzurechnungen und Kürzungen werden hierbei bereits mit einkalkuliert.

Bei den Hinzurechnungen zum Gewerbeertrag kann es sich beispielsweise um Verlustanteile bei Personengesellschaften oder Spenden handeln. Der Gewerbeertrag kürzt sich zum Beispiel um Gewinnanteile an gewerblichen Personengesellschaften oder um Spendenabzüge.

Grundlage für die Ermittlung des Gewerbeertrags sind die §§ 7 bis 10a des Gewerbesteuergesetzes (GewStG).

Wie hoch ist die Gewerbesteuer?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn jede Kommune und Stadt kann die lokale Gewerbesteuer recht frei festsetzen. Dementsprechend kommt es je nach Gemeinde zu großen Unterschieden in Deutschland. Meist fällt die Gewerbesteuer in ländlichen Gebieten deutlich geringer als in Ballungszentren oder Großstädten aus.

Die Steuermesszahl ist ein wichtiger Faktor, der Ihnen bei der Ermittlung des Gewerbesteuer hilft. Ziehen Sie von Ihrem Gewerbeertrag den Freibetrag ab, können Sie das Ergebnis anschließend mit einer Steuermesszahl multiplizieren. Das Ergebnis ist die Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer.

Die Höhe Ihrer Gewerbesteuer setzt sich aus zwei Elementen zusammen: aus dem Steuermessbetrag und dem Hebesatz. Der Steuermessbetrag liegt einheitlich bei 3,5 Prozent, der Hebesatz dagegen ist variabel. Am Ende liegt Ihre individuelle Gewerbesteuer bei rund 7 bis 15 Prozent, die Sie auf den Gewerbeertrag bezahlen müssen – nach Abzug eines Freibetrages.

Was ist der Gewerbesteuer-Hebesatz?

Der Hebesatz ist ein Begriff aus dem Gemeindesteuerrecht und stellt eine Ergänzung zum Steuermessbetrag dar. Die Höhe des Gewerbesteuer-Hebesatzes macht Ihre Gemeinde fest und kann sich jährlich ändern.

Der Hebesatz liegt seit 2014 bei mindestens 200 Prozent und beträgt im Durchschnitt zirka 350 bis 460 Prozent. Wobei es hier einige Ausreißer nach oben und unten gibt. So beträgt in Schönbeck an der Mecklenburger Seenplatte der Gewerbesteuer-Hebesatz wirklich nur 200 Prozent, im rheinland-pfälzischen Dierfeld wird für Sie der Maximalsatz von 900 Prozent fällig. Weitere Beispiele: In München beträgt der Hebesatz aktuell 490 Prozent, in Köln 475 Prozent, in Hamburg 470 Prozent und in Stuttgart 420 Prozent.

Was hat es mit dem Gewerbesteuer-Freibetrag auf sich?

Die Gewerbesteuer haben Sie nicht auf Ihren gesamten Unternehmensgewinn zu zahlen. Zuerst können Sie einen Freibetrag von 24.500 Euro abziehen. Dieser Freibetrag gilt allerdings nur für natürliche Personen und Personengesellschaften, nicht für Kapitalgesellschaften!

Das bedeutet: Erwirtschaften Sie bzw. Ihr Unternehmen weniger als 24.500 Euro Gewinn im Jahr, müssen Sie keine Gewerbesteuer bezahlen. Für jeden Euro darüber aber schon.

Wie bereits erwähnt, gilt der Gewerbesteuer-Freibetrag nicht für Kapitalgesellschaften. Sie müssen auf den gesamten Gewinn die Gewerbesteuer zu entrichten. Dementsprechend haben Kapitalgesellschaften finanziell gesehen einen Nachteil.

Die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuer

Die Gewerbesteuer kann besonders für Selbstständige, Start-ups und Kleinunternehmen eine starke Belastung sein. Um den Unternehmenden entgegenzukommen, gibt es eine Entlastung: Die Gewerbesteuer lässt sich von Ihrer Einkommenssteuer absetzen. Allerdings gibt es hier einen Maximalsatz. Seit 2020 beträgt die Ermäßigung maximal 400 Prozent (davor 380 Prozent) des Steuermessbetrages und darf nicht die tatsächliche Höhe Ihrer Gewerbesteuer überschreiten.

Durch diese Maßnahme sind gewerblich tätige Selbstständige theoretisch steuerlich betrachtet nicht schlechter gestellt als Freiberufler. Außer, Ihre Kommune oder Stadt hat einen Hebesatz, der über den 400 Prozent liegt.

Gewerbesteuer ermitteln: So geht’s

Um die finale Höhe Ihrer Gewerbesteuer zu berechnen, müssen Sie zuerst den Gewerbesteuermessbetrag mit dem Hebesatz multiplizieren. Liegt der Hebesatz beispielsweise bei 400 Prozent, dann ergibt sich daraus:

3,5 Prozent x 400 Prozent = 14 Prozent Gewerbesteuer

Den ermittelten Unternehmensertrag multiplizieren Sie mit Ihrer regionalen Gewerbesteuer.

Ein Beispiel: Ihr Unternehmen (keine Kapitalgesellschaft) erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 50.000 Euro und der lokale Hebesatz liegt bei 400 Prozent, so ergibt sich diese Rechnung:

(50.000 - 24.500) * 0,035 * 4,0 = 3.570 Euro

Hinweise:

  • Sie müssen Ihre Gewerbesteuer nicht selbst ermitteln. Das übernimmt Ihr Steuerberater, wie auch das zuständige Finanzamt für Sie.
  • Weitere Informationen finden Sie im § 8 des Gewerbesteuergesetz (GewStG).

Blicken Sie auf Ihre lokale Gewerbesteuer!

Wenn Sie sich selbstständig machen oder ein Unternehmen gründen, sollten Sie immer einen Businessplan aufstellen, der einen Finanzierungsplan enthält. Auf Ihrer Ausgaben-Seite haben Sie unter anderem die Gewerbesteuer zu beachten. Denn diese kann je nach Unternehmensform, Standort und Gewinn ein beträchtlicher Ausgabenblock sein.

Machen Sie sich deshalb bei den Gemeinden schlau, wie hoch der Hebesatz an den möglichen Standorten ausfällt. Oft kann ein Unterschied von wenigen Kilometern Ihre Steuerlast um mehrere zehntausende Euro senken.

New call-to-action

 New call-to-action

Titelbild: Cavan Images / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 12. Mai 2022, aktualisiert am Mai 12 2022

Themen:

Unternehmen gründen