fOft wird gesagt, sich selbstständig zu machen und ein Unternehmen zu gründen sei wie eine Expedition ins Ungewisse. Diese Aussage stimmt nur bedingt - es gibt zwar viele Unwägbarkeiten, zum Beispiel schnelle geopolitische Veränderungen oder Marktverschiebungen, doch auch viele Dinge, die Sie planen können. Dazu gehört der Kapitalbedarf für Ihr Unternehmen, der sich recht gut berechnen lässt.

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Wie entsteht ein Kapitalbedarf?

Kapital sind Mittel, die Sie benötigen, um ein Vorhaben zu realisieren. Zum Beispiel benötigen Sie Geld, um Ihr Unternehmen zu gründen oder Ihre monatlichen Belastungen zu bezahlen. 

Eine geringe oder schlechte Liquidität entsteht aus zwei Gründen:

  • Sie haben mehr Ausgaben als Einnahmen.

  • Sie haben theoretisch genügend Einnahmen, doch diese erfolgen zeitverzögert.

In beiden Fällen zeigt sich eine Differenz – das ist Ihr Kapitalbedarf. Sie haben somit einen Bedarf an finanziellen Mitteln, um das „Minus“ auszugleichen.

Kapitalbedarf berechnen: Wie geht das?

Damit Sie wissen, wie viel Kapital Sie benötigen, damit Ihre Unternehmung beziehungsweise Ihr Unternehmen läuft, erstellen Sie einen Kapitalbedarfsplan. In diesem halten Sie alle Posten fest, die für die Ermittlung nötig sind. Dazu zählen beispielsweise:

  • Investitionen

  • Anlagevermögen

  • Umlaufvermögen

Einfacher ausgedrückt: Bei der Kapitalbedarfsrechnung ermitteln Sie alle Kosten, die Sie für Ihre Existenzgründung sowie für den laufenden Betrieb benötigen. Legen Sie dafür einen Berechnungszeitraum fest. Es bietet sich eine Jahresplanung mit monatlicher Aufschlüsselung an.

Kapitalbedarfsrechnung Beispiel 1: Existenzgründung

  • Kapitalbedarf für den Unternehmensstart, zum Beispiel Investitionen in Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge, Geschäftsausstattung

  • Kapitalbedarf der laufenden Kosten für Büromiete, Telefon, Strom, Software, Personal

  • Kapitalbedarf für private Ausgaben bei Soloselbstständigen, unter anderem für Privatmiete, Krankenkassenbeiträge, Versicherungen, Lebensmittel

Addieren Sie die Kostenblöcke, erhalten Sie Ihren Kapitalbedarf für den festgelegten Zeitraum.

Kapitalbedarfsrechnung Beispiel 2: Laufender Geschäftsbetrieb

Auch bei einem etablierten Unternehmen fällt ständig ein Kapitalbedarf an:

  • Als Fotograf erstellen Sie für eine Werbeagentur professionelle Bilder mit Models, wofür Sie Ende Januar eine Rechnung stellen.

  • Von der Modelagentur wie dem Equipmentverleiher erhalten Sie ebenfalls Ende Januar eine Rechnung, beide buchen sofort automatisch das Geld ab.

  • Ihr Kunde, die Werbeagentur, veranlasst die Auszahlung erst im April. So entsteht eine finanzielle Lücke, die Ihre Liquidität belastet. Sie benötigen Kapital zur Überbrückung.

Welche Bedeutung hat der Kapitalbedarf für den Businessplan?

Der Businessplan ist der „Masterplan“ für die Gründung eines Unternehmens. In ihm halten Sie unter anderem Ihr Geschäftsmodell und die Finanzierung des Vorhabens fest. Deshalb besteht ein Businessplan aus mehreren Bestandteilen, wozu der Finanzplan, der Finanzierungsplan, der Investitionsplan und die Liquiditätsplanung gehören.

Eine essenzielle Frage, die beim Finanzplan stets aufkommt: Wie hoch ist der aktuelle und der zukünftige Kapitalbedarf? Banken, Investoren (beispielsweise Business Angels) oder Unterstützer (zum Beispiel Inkubatoren) möchten immer wissen, wie Sie liquide bleiben. Deshalb müssen Sie regelmäßig Ihren Kapitalbedarf berechnen.

Seien Sie dabei möglichst genau. Denn: Fällt Ihre Kapitalbedarfsrechnung zu hoch aus, nehmen Sie zu viel Geld auf, was Ihre Zinslast erhöht. Ermitteln Sie Ihren Kapitalbedarf zu niedrig, gelangen Sie in eine finanzielle Schieflage, eventuell steuern Sie auf eine Insolvenz zu.

Tipp: Bauen Sie bei Ihrer Kapitalbedarfsplanung einen Puffer von circa 25 % ein. So sind Sie besser für ungeplante Ausgaben gerüstet.

Kapitalbedarf: Ein Businessplan-Beispiel

Hier ein vereinfachtes Beispiel, wie Sie Ihren Kapitalbedarf für Ihre Existenzgründung berechnen:

Gründungskosten:

  • Geschäftsausstattung: 5.000 Euro

  • Material und Waren: 10.000 Euro

  • benötigtes Barvermögen: 2.000 Euro

Kosten der Anlaufphase (1 Jahr):

  • Büromiete inklusive Bürobedarf: 12.000 Euro

  • Kosten für Dienstleister und Freelancer: 40.000 Euro

  • Fahrtkosten: 5.000 Euro

Private Ausgaben (1 Jahr)

  • Miete plus Nebenkosten: 10.000 Euro

  • Versicherungen: 10.000 Euro

  • Kredite: 5.000 Euro

  • Lebenshaltungskosten: 4.000 Euro

Zusammengerechnet beträgt Ihr Kapitalbedarf 103.000 Euro.

Tipps, wie Sie Ihren Kapitalbedarf senken

Wenn Sie Ihren Kapitalbedarf berechnet haben, sollten Sie versuchen, ihn kleiner als geplant zu halten. Stellen Sie hierzu alle Ausgaben genau auf den Prüfstand. So können Sie sie senken:

  • Schaffen Sie nur an, was Sie unbedingt benötigen. Zum Beispiel sollten Sie eine Investition in Maschinen erst tätigen, wenn Sie sie wirklich brauchen.

  • Personal kann sehr kostspielig sein. Setzen Sie anfangs besser auf freie Dienstleister wie Freelancer oder Agenturen.

  • Nutzen Sie alternative Methoden zur Finanzierung. Geschäftsfahrzeuge können Sie beispielsweise leasen, anstatt zu kaufen.

  • Es muss nicht alles neu sein. Setzen Sie auf gebrauchte Hardware oder auf generalüberholte Maschinen.

  • Halten Sie Ihr Lager so klein wie möglich, ansonsten binden Sie zu viel Kapital.

  • Achten Sie auf die Konditionen von Verträgen, verhandeln Sie diese, wenn möglich, nach. Oder suchen Sie sich bessere Alternativen.

Behalten Sie immer die Finanzen im Blick

Viele Unternehmen scheitern nach wenigen Monaten oder Jahren an Geldmangel, weil sie eine Sache unterschätzt haben: ihren Kapitalbedarf. Wiederholen Sie nicht diesen Fehler.

Achten Sie bei Ihrem Businessplan und im laufenden Betrieb stets auf Ihre Einnahmen und Ausgaben. Im Idealfall blicken Sie jeden Monat im Detail auf Ihre Liquidität. Passt hier etwas nicht, sollten Sie schnellstmöglich Ihre Planungen anpassen und Maßnahmen ergreifen.

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Titelbild: Rawpixel / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 14. Januar 2021, aktualisiert am Januar 14 2021

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