Jedes Unternehmen führt eine innerbetriebliche Kostenrechnung, um die eigenen Aufwendungen besser einzukalkulieren. Ein Teil der innerbetrieblichen Kostenrechnung ist die Kostenartenrechnung. Hierbei geht es dem Betrieb darum, alle Kosten einer bestimmten Periode zu erfassen und in einem Kostenartenrechnungsschema zu gliedern.

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Das Schema der Kostenartenrechnung

Mit Anwendung der Kostenartenrechnung teilen Sie die in einer Zeitperiode (zum Beispiel ein Monat oder ein Jahr) angefallenen Gesamtkosten in verschiedene Bereiche auf. Damit ein Betrieb dieses Ziel erreicht, muss es die einzelnen Kosten exakt definieren. Hierfür entwickeln Sie Kostenarten, denen Sie die Kosten Ihres Unternehmens zuweisen. Zu den Kostenarten zählen Anlagekosten, Personalkosten oder Materialkosten.

Für die Erstellung eines Kostenrechnungsschemas stehen Ihnen verschiedene Alternativen zur Auswahl:

  • Struktur der Kosten nach dem Verbrauch der Produktionsfaktoren
  • Struktur der Kosten nach den innerbetrieblichen Bereichen
  • Struktur der Kosten nach der Herkunft
  • Struktur der Kosten nach der Zurechenbarkeit

Struktur der Kosten nach dem Verbrauch der Produktionsfaktoren

Jedes Unternehmen bedient sich der volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. Nur so ist es Ihnen möglich, die betrieblichen Aufgaben zu bewältigen. Richten Sie sich bei der Aufteilung der Kosten nach dem Verbrauch dieser Produktionsfaktoren, ergeben sich die folgenden Kostenarten:

  • Personalkosten
  • Materialkosten
  • Kapitalkosten

Struktur der Kosten nach den innerbetrieblichen Bereichen

Auch Ihr Unternehmen ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Neben der Produktionsabteilung gibt es bei Ihnen den Einkauf, den Vertrieb und die Buchhaltung. Berücksichtigen Sie diese unterschiedlichen Bereiche, definieren Sie die folgenden Kostenarten:

  • Fertigungskosten
  • Materialkosten
  • Verwaltungskosten
  • Vertriebskosten

Struktur der Kosten nach der Herkunft

Eine wichtige Unterscheidung, die Sie für Ihr Unternehmen vornehmen müssen, ist die Unterteilung der Kosten in Primärkosten und Sekundärkosten.

Die primären Kosten entstehen in Ihrem Unternehmen, wenn Sie externe Leistungen beziehen oder eigene Leistungen erbringen. Sekundäre Kosten fallen an, wenn selbst erstellte Güter in den Produktionsprozess einfließen.

Struktur der Kosten nach der Zurechenbarkeit

Die Gesamtkosten in Ihrem Unternehmen können auch anhand der Zurechenbarkeit aufgeteilt werden. Hinsichtlich der Zurechenbarkeit unterscheiden Sie zwischen Einzelkosten und Gemeinkosten.

Ihre Einzelkosten können Sie einem bestimmten Kostenträger direkt zurechnen. Dies ist bei den Gemeinkosten nicht möglich. Hier legen Sie die angefallenen Kosten über eine Kostenstelle um. Dabei wenden Sie einen Gemeinkostenzuschlag an, um die Kosten anteilsmäßig einem Kostenträger zurechnen zu können.

Welche Grundsätze kennt die Kostenartenrechnung?

Führt ein Unternehmen die Kostenartenrechnung durch, muss es die folgenden Grundsätze beachten:

  • Eindeutigkeit
  • Überschneidungsfreiheit
  • Vollständigkeit
  • Wirtschaftlichkeit

Eindeutigkeit

Alle Kosten, die in einer bestimmten Zeitperiode anfallen, müssen Sie eindeutig definieren. Es dürfen keine Zweifel über den Inhalt der Kosten entstehen.

Überschneidungsfreiheit

Jeden Kostenbetrag ordnen Sie einer bestimmten Kostenart zu. Dabei achten sie darauf, dass möglichst keine Überschneidungen auftreten.

Vollständigkeit

Für eine korrekte Kostenartenrechnung ist es wichtig, dass Sie alle Kosten in der korrekten Höhe einbeziehen.

Wirtschaftlichkeit

Bei Anwendung der Kostenartenrechnung dürfen Sie auch den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit nicht übergehen. Die Kosten müssen in einem engen Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen für Ihr Unternehmen stehen.

Welcher Unterschied besteht zwischen primären und sekundären Kosten?

Der entscheidende Unterschied zwischen den primären Kosten und den sekundären Kosten wird bei dem Verbrauch der Kosten deutlich.

Primäre Kosten wenden Sie in Ihrem Unternehmen auf, wenn Sie die eingesetzten Produktionsfaktoren verbrauchen. Dabei berücksichtigen Sie nicht nur die eigenen Quellen, sondern auch externe Produktionsfaktoren. Die sekundären Kosten entstehen erst, wenn Sie selbst erstellte Güter verbrauchen.

Welche Kostenarten spielen bei der Kostenartenrechnung eine Rolle?

Wie Sie bereits wissen, können die in Ihrem Unternehmen anfallenden Kosten unterschiedlich eingeteilt werden. Möchten Sie diese detailliert aufgliedern, bieten sich folgende Kostenarten an:

  • Personalkosten
  • Materialkosten
  • Abschreibungen
  • Fremdleistungen
  • Kapitalkosten
  • Steuern, Gebühren und Beiträge

Personalkosten

Hierunter fassen sich alle Kosten zusammen, die Sie für Ihr Personal aufwenden. Neben Löhnen und Gehältern gehört hierzu auch der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung der Arbeitnehmenden.

Materialkosten

Materialkosten entstehen bei dem Bezug von Waren und Rohstoffen, die Sie zur Herstellung Ihrer Produkte benötigen.

Abschreibungen

Mit den Abschreibungen stellen Sie den Werteverzehr Ihres Anlagevermögens und Umlaufvermögens dar.

Fremdleistungen

Fremdleistungen wenden Sie auf, wenn Sie Leistungen bei externen Dienstleistenden in Auftrag geben. Hierzu zählt bspw. die Beratung eines Rechtsanwalts oder einer Rechtsanwältin und der Aufwand für eine Gebäudereinigung.

Kapitalkosten

Kapitalkosten sind Zinsen und andere Kosten, die für die Aufnahme von Fremdkapital anfallen.

Steuern, Gebühren und Beiträge

Diese Aufwendungen tätigen Sie für den Staat oder andere Institutionen. Melden Sie ein Gewerbe an, müssen Sie dafür eine Gebühr entrichten. Ist Ihr Unternehmen Mitglied bei der IHK, wird ein Jahresbetrag fällig. Das Finanzamt veranlagt dann die Gewerbesteuer sowie Umsatzsteuer.

Welche Aufgaben gibt es in der Kostenartenrechnung?

Die Aufgaben, die die Kostenartenrechnung in Ihrem Unternehmen erfüllen, können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Sie definieren alle Kosten vollständig und zeitnah.
  • Sie erhalten aktuelle Informationen darüber, in welchen Bereichen des Unternehmens Kosten entstehen.
  • Mit der Kostenartenrechnung legen Sie die Einflussgrößen fest, die für die Erreichung der Unternehmensziele erforderlich sind.

Kostenartenrechnung: Ein Beispiel

Haben Sie ein Unternehmen gegründet, um Kleider, Hosen und Oberteile für Damen oder Herren herzustellen. Damit Sie Ihre Aufgaben bewältigen, wenden Sie täglich verschiedene Kosten auf.

Für den Bezug der Rohstoffe und anderer Materialien fallen Materialkosten an. Sie beschäftigen zudem mehrere Näherinnen und Näher, die die Produkte anfertigen, woraus sich Personalkosten ergeben. Außerdem mieten Sie ein Büro und einen Produktionsraum. Hierfür entstehen weitere unterschiedliche Kosten, wie z. B. Verwaltungskosten.

Bei Anwendung der Kostenartenrechnung gliedern Sie nun die Kosten, die für jedes Produkt anfallen, an. Führen Sie diesen Schritt konsequent aus, wissen Sie, wie sich die einzelnen Kostenarten auf die verschiedenen Produkte aufteilen.

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Titelbild: Maskot / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 11. August 2022, aktualisiert am Oktober 04 2022

Themen:

Buchhaltung