Sie haben eine Idee und möchten darauf basierend ein Startup ins Leben rufen? Nicht so voreilig! Was sich vermeintlich gut anhört, kann sich schnell als Flop herausstellen. Das Lean Canvas hilft Ihnen dabei, Ihre Geschäftsidee zu durchleuchten und Ihr Geschäftsmodell zu entwickeln.

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Wie funktioniert das Lean Canvas?

Wie es der Name besagt, konzipieren Sie das Geschäftsmodell Ihres Startups auf einer Art Leinwand. Diese besteht aus neun essenziellen Feldern, die Ihr zukünftiges Business ausmachen. Diese nennen sich:

  • Problem
  • Lösung
  • Kennzahlen
  • Alleinstellungsmerkmal
  • Unfairer Vorteil
  • Kanäle
  • Kundensegmente
  • Kosten
  • Einnahmen

Mit dem „schlanken” Canvas halten Sie somit auf einen Blick fest, womit Sie sich unbedingt beschäftigen müssen. Zum Beispiel: Was macht Ihr Produkt einzigartig? Warum sollten es Kunden und Kundinnen nutzen oder kaufen? Wer ist eigentlich Ihre Zielgruppe? Mit welchen Marketingmaßnahmen und Vertriebswegen sprechen Sie diese an? Mit welchen Ausgaben und Umsätzen planen Sie?

Warum Lean Canvas?

Das Lean Canvas fokussiert sich auf die Ausgangsposition von Startups. Es ermuntert Sie als Gründerinnen und Gründer dazu, mehr auf die Probleme Ihrer potenziellen Kundschaft zu schauen, die Sie mit ihren Produkten lösen möchten. Und es unterstützt Sie dabei, wichtige Kennzahlen zu finden, die Sie verfolgen sollten.

Warum ist das wichtig? Wenn Sie ein Unternehmen gründen, haben Sie mit Tausenden Fragezeichen zu kämpfen. Sie wissen unter anderem nicht, ob Ihr Konzept am Markt ankommt, wie Ihre Marketing-Strategie aussehen könnte oder wie Sie ein passenden Vertriebsmodell aufbauen. Kurz: Ihr Geschäftsmodell, das auf einer vagen Geschäftsidee basiert, könnte noch etwas Unterstützung vertragen.

Mit dem Lean Canvas dröseln Sie Ihre Ideen in verschiedene Aspekte auf, die Sie in Feldern eintragen. So entsteht eine Darstellung, auf der Sie Potenziale besser erkennen.

Lean Canvas vs. Business Model Canvas

Kommt Ihnen der Aufbau des Lean Canvas bekannt vor? Kein Wunder, es orientiert sich am Business Model Canvas. Letzteres erfand Alexander Osterwalder, ein Schweizer Dozent und Unternehmer. Das Business Model Canvas, kurz BMC, gilt als Must have, um Geschäftsmodelle (engl. business model) zu entwerfen und zu optimieren. Deshalb wenden es viele Manager und Geschäftsführerinnen an.

Das Business Model Canvas besteht ebenfalls aus neun Feldern. Diese heißen:

  • Schlüsselpartner / Key Partners
  • Schlüsselaktivitäten / Key Activities
  • Schlüsselressourcen / Key Ressources
  • Wertangebot / Value Proposition
  • Kundenbeziehungen / Customer Relationship
  • Kundensegmente / Customer Segments
  • Kanäle / Channels
  • Kostenstruktur / Cost Structure
  • Einnahmequellen / Revenue Streams

Damit sieht das Canvas am Ende so aus:

Grafik Business Model Canvas

Das BMC lässt sich theoretisch gut für Startups verwenden. Doch in der Praxis zeigen sich ein paar Herausforderungen: Als Gründer oder Gründerin haben Sie wahrscheinlich noch keine Geschäftspartner bzw. Schlüsselpartnerinnen, keine validen Ressourcen und noch keine Kundenbeziehung. Was wollen Sie somit in diese Felder eintragen?

Der nigerianische Entrepreneur Ash Maurya erkannte dies und passte das Business Model Canvas auf die Ausgangssituation für Neugründungen an. Da der Begriff „Lean Startup” um das Jahr 2010 herum angesagt war (befeuert durch das gleichnamige Buch von Eric Ries), übernahm Maurya das „Lean” für sein verändertes Canvas. Das stellte er in seinem 2013 erschienenen Buch „Running Lean: Iterate from Plan A to a Plan That Works” vor.

Was sind die Vorteile des Lean Canvas Model?

Stellen Sie das Business Model Canvas und das Lean Canvas gegenüber, erkennen Sie, dass Maurya vier Punkte austauschte: Aus Schlüsselpartner wurde Problem, aus Schlüsselaktivitäten die Lösung, aus Kundenbeziehungen der unfaire Vorteil und die Schlüsselressourcen wichen den Kennzahlen.

Dieser Wechsel macht besonders für Sie als Gründer oder Gründerin viel Sinn. Sie werden damit zuerst gezwungen, sich genaue Gedanken über Ihr Produkt zu machen. Dieses muss, um in einem großen Markt oder in einer Marktlücke bestehen zu können, die Probleme bzw. Herausforderungen Ihrer Zielgruppen lösen.

Damit aus Ihrer vagen Geschäftsidee ein funktionierendes Geschäftsmodell wird, sollten Sie stets Ihre Kennzahlen im Griff haben. Vernachlässigen Sie das, agieren Sie blind – was schnell in einer Pleite enden kann.

Das Alleinstellungsmerkmal, engl. Unique Selling Proposition (USP), oder das Wertversprechen sind ein weiteres Kernelement Ihres Canvas. Damit heben Sie sich von der Masse an Mitbewerbenden ab. Im Idealfall erarbeiten Sie damit einen sogenannten „Unfairen Vorteil”, der damit unter Umständen zu einer wichtigen Kennzahl werden kann.

Beispiel: Ein „Unfairer Vorteil” ist etwas, was Ihre Konkurrenz nicht so schnell kopieren kann. Das können persönliche Eigenschaften von Ihnen sein, eine große Fangemeinde oder eine technische Innovation.

Wann sollten Sie auf welches Modell setzen?

Das Lean Canvas Model eignet sich sehr gut für Gründer und Gründerinnen, die mit vielen Unbekannten arbeiten. Haben Sie aus einer anfänglichen Geschäftsidee ein gutes Geschäftsmodell und damit ein etabliertes Unternehmen geformt, können Sie vom Lean Canvas Model zum Business Model Canvas wechseln.

Das BMC eignet sich, um Ihre Geschäftsstrategie, Ihre Produktentwicklung und Ihre Marketing- und Vertriebsmaßnahmen zu optimieren. Denn in einer Welt, die sich tagtäglich rasant verändert, müssen Sie Ihr Unternehmen regelmäßig auf den Kopf stellen, um es an die wechselnden Kundenwünsche anzupassen.

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Titelbild: hocus-focus / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 19. August 2022, aktualisiert am August 19 2022

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