Sie wollen mit Ihrer Geschäftsidee durchstarten, aber es fehlt noch das nötige Kapital? Warum dann nicht einfach Investoren ins Boot holen – zum Beispiel über Crowdfunding. Als Alternative zu klassischen Methoden wird das moderne Finanzierungsmodell sehr gerne von Gründern, aber auch von etablierten Unternehmen für innovative Projekte genutzt. Wie dies abläuft und welche Vorteile genau Crowdfunding bietet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Kleine Beträge für große Ideen: Klassisches Crowdfunding

Schon der Name weist darauf hin, was hinter dem Modell steckt: Im Englischen aus den Begriffen für Menschenmenge (= „Crowd“) und Finanzierung (= „Funding“) zusammengesetzt, wird Crowdfunding zu Deutsch auch als Schwarmfinanzierung bezeichnet. Mit anderen Worten: Eine möglichst große Anzahl an Personen soll ein konkretes Vorhaben finanziell unterstützen.

Somit unterscheidet sich Crowdfunding wesentlich von konventionellen Finanzierungsmethoden. Das benötigte Kapital stammt nicht von einem einzelnen großen Investor oder traditionellen Instanzen wie Banken oder Förderinstitutionen, sondern von vielen verschiedenen Geldgebern.

Durch zahlreiche kleinere Investments kommt ausreichend Kapital zustande, um den Finanzierungsbedarf des Projekts in Summe zu decken. Genau das macht die Schwarmfinanzierung für Unternehmen und Anleger gleichermaßen interessant.

Materielle Werte oder finanzielle Gegenleistung: Die 4 Arten des Crowdfunding

Das Besondere an Crowdfunding ist, dass schon mit kleinen Investitionen große Renditen erzielt werden können. Auf der anderen Seite trägt der Anleger das volle Risiko für sein Investment selbst, wenn das Projekt nicht wie erwartet gelingt. Welchen Mehrwert ein Geldgeber für seine Beteiligung erhält, hängt von der Art des Crowdfundings ab. Dabei wird zwischen vier unterschiedlichen Varianten unterschieden:

Reward-based Crowdfunding

Die ursprünglichste und beliebteste Form des Crowdfunding basiert auf dem Prinzip der Anerkennung. Es fließt kein Geld an die Investoren zurück, sondern diese erhalten für ihre Beteiligung eine immaterielle Gegenleistung oder Belohnung. Das kann der Prototyp des finanzierten Produkts oder eine Dienstleistung sein, aber auch ein spezielles Dankeschön. Diese Form des Crowdfundings wird auch gerne als Marketinginstrument eingesetzt, um mediale Aufmerksamkeit für ein innovatives Produkt oder Service aufzubauen und die Unterstützer an das Unternehmen zu binden.

Equity-based Crowdfunding / Crowdinvesting

Da der Geldgeber eine finanzielle Gegenleistung erhält, wird diese Variante auch als Crowdinvesting bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Art Beteiligungsfinanzierung, mit der der Anleger über Genussscheine, Aktien oder stille Beteiligung einen Anteil am Unternehmen erwirbt. Er erhält eine fix definierte oder erfolgsabhängige Summe ausbezahlt, beispielsweise in Form einer jährlichen Gewinnausschüttung oder Dividende, und profitiert dementsprechend vom steigenden Unternehmenswert.

Crowdinvesting ist daher vor allem in der Frühphasenfinanzierung von Start-ups oder Innovationsprojekten verbreitet, bei denen das unternehmerische Wachstum im Vordergrund steht.

Lending-based Crowdfunding / Crowdlending

Beim Crowdlending stellt das Investment eine Art Darlehen dar, das vom Unternehmen zu vereinbarten Konditionen getilgt wird. Der Geldgeber erhält dementsprechend Zinsen als Gegenleistung für sein eingesetztes Kapital. Je höher das Ausfallrisiko für den Investor ist, desto höher ist auch der Zinssatz.

Crowdlending kann zwischen Privatpersonen ebenso erfolgen (Peer-to-peer-Lending) wie zwischen Privatpersonen und Unternehmen (Peer-to-business-Lending). Die Bonitätsprüfung erfolgt meist über unabhängige Plattformen oder Institute.

Donation-based Crowdfunding

In dieser Variante kommt das zur Verfügung gestellte Kapital einer Spende gleich. Der Investor unterstützt das Projekt, weil er etwas Gutes tun will und erhält dafür keine Gegenleistung. Meist werden auf diese Art soziale, künstlerische oder gemeinnützige Projekte finanziert.

Wie Crowdfunding für Unternehmen funktioniert

Bei Crowdfunding-Projekten wendet sich das Unternehmen an die breite Öffentlichkeit, um den vorab festgelegten Kapitalbedarf zu decken. Bevorzugt geschieht das über spezielle Plattformen im Internet, um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu erreichen.

Mit verhältnismäßig geringem Aufwand kann so eine Kampagne initiiert werden, die flexibel und kostengünstig das benötigte Budget verschafft – ohne aufwendige Bürokratie.

Die Geldgeber bestimmen selbst über die Höhe ihres Investments, was ihr Risiko entsprechend gering hält. Somit ist Crowdfunding auch für Privatpersonen mit durchschnittlichem Einkommen eine einmalige Gelegenheit, um sich entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten an interessanten Projekten und Ideen zu beteiligen.

Für das Unternehmen bedeutet das nicht nur wesentlich mehr potenzielle Investoren für das Projekt, sondern auch die Möglichkeit, selbst dann Mittel zu generieren, wenn die Aussichten auf eine konventionelle Finanzierung begrenzt sind. Somit ist Crowdfunding besonders dann interessant, wenn die Idee durch den herkömmlichen Weg über Investoren, Förderungen oder Banken nicht realisierbar ist.

Darüber hinaus haben die Geldgeber im Crowdfunding meist kein Mitspracherecht – das Unternehmen behält volle Entscheidungsfreiheit, wenngleich aber eine gewisse Abhängigkeit zur gewählten Plattform besteht.

Welche Crowdfunding-Plattformen gibt es?

Entscheidend für den Erfolg von Crowdfunding-Kampagnen ist es dementsprechend, die richtige Plattform auszuwählen. Welche am besten geeignet ist, hängt von Unternehmen, Thema und Zielsetzung der Kampagne, aber auch von den Geschäftsbedingungen der Plattform ab.

Während sich manche Portale auf bestimmte Branchen oder Projektarten spezialisiert haben, stehen andere wiederum für alle Ideen offen. Auf crowdfunding.de finden Sie eine Übersicht aller Plattformen.

Zu bekannten und etablierten Plattformen innerhalb Deutschlands zählen unter anderem:

  • Kickstarter: die weltweit größte Plattform mit eigener deutscher Website für kreative Projekte in 15 verschiedenen Kategorien

  • Startnext: der deutsche Marktführer für alle Arten von Projekten (meist mit regionalem Bezug)

  • Seedmatch: Speziell für Crowdfunding-Projekte zur Finanzierung von Unternehmensgründungen und Geschäftsideen.

  • Indiegogo: internationale Plattform für jegliche Art von kreativen Projekten

  • Steady: deutsche Plattform speziell für Medienprojekte (z. B.: Blogs, Videos, Bilder und Podcasts)

  • Visionbakery: deutsche Plattform mit vorwiegend sozialen und künstlerischen Projekten

  • Exporo: Plattform für Immobilienprojekte

  • Companisto: auf Crowdinvesting spezialisierte Plattform

  • Auxmoney: auf Crowdlending spezialisiert

  • Betterplace: Deutschlands größte Spendenplattform

Worauf es bei einer Crowdfunding-Kampagne ankommt

Ob Start-up oder etabliertes Unternehmen, Produktinnovation oder Geschäftsidee – entscheidend ist, die Inhalte des Crowdfunding-Projektes transparent und leicht verständlich zu kommunizieren, um möglichst viele Investoren von diesen zu überzeugen. Eine klar definierte Finanzierungssumme ist dabei ebenso wichtig wie eine detaillierte Beschreibung dazu, warum und wofür das Geld zur Verfügung gestellt werden soll. 

Erfolgreiche Crowdfunding-Projekte bieten gleichzeitig einen positiven Marketingeffekt für das Unternehmen. Denn eine gute Kampagne zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass eine Beziehung zwischen Unternehmen und Geldgebern aufgebaut wird. Investoren, die ein Projekt aus Überzeugung unterstützen, sind auch leichter als Multiplikatoren zu gewinnen, um die Bekanntheit der Kampagne und des Unternehmens zu steigern.

Entscheidend dafür ist, das Vorhaben attraktiv zu präsentieren, beispielsweise mit aktivierenden Texten oder Bildern, insbesondere aber auch durch Videos, in denen die Initiatoren ihr Projekt vorstellen. Moderne Technologien und die Verbreitung auf diversen Online-Kanälen können die direkte Kommunikation und Interaktion mit potenziellen Investoren zusätzlich fördern.

Und das erhöht wiederum die Erfolgschancen. Denn die Geldgeber allein entscheiden darüber, ob ein Projekt finanziert wird oder nicht. Crowdfunding-Kampagnen basieren vielfach auf dem „Alles-oder-Nichts“-Prinzip, worin auch die größten Nachteile der Schwarmfinanzierung liegen. Nur wenn innerhalb eines definierten Zeitraums genügend Geld zusammenkommt, um das Finanzierungsziel vollständig zu erreichen, kann das Projekt realisiert werden.

Andernfalls ist die Kampagne gescheitert und die Investoren erhalten ihren Anteil zurück. Und das ist durchaus häufig der Fall: Mit 58 Prozent Erfolgsquote bezeichnet sich Startnext selbst als Spitzenreiter unter den Crowdfunding-Plattformen, bei Kickstarter kommen knapp 38 Prozent der Projekte zustande. Was im Umkehrschluss verdeutlicht, wie viele Ideen ihr Ziel nicht erreichen.

Ausblick: Die Aussichten von Crowdfunding in Deutschland

Das Modell der Schwarmfinanzierung stammt aus den USA und hat sich dort bereits als alternative Form der Finanzierung etabliert. Seit knapp 10 Jahren schwappt die Welle auch zunehmend auf Deutschland über – mit steigender Tendenz.

Laut Crowdfunding-Barometer 2018 haben mehr als zwei Drittel der Deutschen bereits von Schwarmfinanzierung gehört, rund 37 Prozent wissen mit dem Begriff auch etwas anzufangen. Aktiv beteiligt haben sich allerdings bisher nur 11,9 Prozent der Befragten. Die kontinuierlich wachsende Akzeptanz und das steigende Investitionsvolumen (Stand 2017: rund 595 Millionen Euro) in den vergangenen Jahren lässt aber vermuten, dass Crowdfunding auch hierzulande zunehmend an Bedeutung gewinnt.

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Titelbild: Prostock-Studio / Gettyimages

Ursprünglich veröffentlicht am 28. April 2020, aktualisiert am April 28 2020

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