Wussten Sie schon, dass es in Deutschland 2019 rund 172.000 Franchisebetriebe gab? Das Modell scheint sich zu lohnen: Die deutsche Franchise-Wirtschaft ist von 2018 auf 2019 um 5,1 % auf 129 Milliarden Euro Umsatz angewachsen. Das sind verlockende Zahlen. Besonders für Existenzgründer, die sich mit einem erprobten Geschäftsmodell selbstständig machen möchten. Was ist Franchising, wie funktioniert es und welche Vor- sowie Nachteile hat es? Das erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

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Unterschiede zwischen Filialsystem und Franchising

Baut ein Unternehmen ein Vertriebsnetzwerk auf, entstehen daraus unter anderem Filialen bzw. Niederlassungen. Diese sind sehr stark an die Vorgaben der Zentrale gebunden und es ergeben sich enge wirtschaftliche Verflechtungen.

Beim Franchisesystem ist das nicht der Fall. Hier agiert jeder Franchisenehmer mit seinem Unternehmen eigenständig. Jedoch treten alle Franchisebetriebe unter der gleichen Corporate Identity auf, wodurch sie nach außen wie ein Filialnetz wirken.

Franchising: Namhafte Beispiele an Unternehmen

Bekannte Marken, die als Franchising umgesetzt sind:

  • ACADEMY (Fahrschule)

  • Apollo (Optiker)

  • BackWerk (Bäckerei)

  • Blume 2000 (Blumenhändler)

  • Fitness First (Fitnessstudio)

  • Fressnapf (Heimtierbedarf)

  • Kochlöffel (Schnellrestaurant)

  • McDonald’s (Fastfood-Gastronomie)

  • OBI (Baumarkt)

  • PLANA (Küchenplanung)

  • Quick (Reifenverkauf)

So funktioniert Franchising im Detail

Ein Unternehmer erfindet ein Geschäftsmodell und setzt das in der Praxis um. Über die Jahre sammelt er damit viel Erfahrung und optimiert sein Konzept. Das verbesserte Geschäftskonzept kommt bei den Kunden an: Eine Marke entsteht. 

Um zu expandieren, eröffnet der Unternehmer (quasi der zukünftige Franchisegeber) keine eigenen Filialen oder Niederlassungen. Stattdessen wandelt er sein Geschäftskonzept in ein Franchising um. Das bedeutet: Er bietet anderen Unternehmern sein erfolgreich eingeführtes Geschäftskonzept, die Marke, Marketing- und Vertriebskonzepte und weiteres Know-how an. Stimmen diese Unternehmer zu, werden sie zu Franchisenehmern.

Für diese besondere Art der Kooperation muss der Franchisenehmer eine Eintrittsgebühr sowie laufende Gebühren an den Franchisegeber zahlen. Und da der Franchisenehmer selbstständig agiert, hat er alle Investitions- und laufenden Kosten für seinen Franchisebetrieb eigenständig zu bezahlen.

Die Vorteile des Franchisesystems

Möchten Sie sich selbstständig machen, indem Sie den Weg des Franchisings gehen? Das könnte eine gute Wahl sein, denn Sie profitieren von diesen besonderen Vorteilen:

  • Mit dem Franchise nutzen Sie ein bekanntes und etabliertes Geschäftskonzept, womit Sie Ihr Geschäftsrisiko reduzieren.

  • Sie dürfen als Franchisenehmer eine attraktive Marke wie McDonald’s oder Fitness First nutzen, wodurch Sie einen schnellen Zugang zu den Zielgruppen erhalten.

  • Sie bekommen von dem Franchisegeber jede Menge Fachwissen in Form eines Franchise-Handbuchs. Zudem nehmen Sie regelmäßig an seinen hauseigenen Fortbildungen und Schulungen teil.

  • Sie erhalten ausgereifte Marketing- und Vertriebsvorlagen, um Ihr Franchise und dessen Produkte bekannt zu machen.

  • Sie werden bei der Wahl des Standortes vom Franchisegeber unterstützt.

  • Sie profitieren von einem besseren Zugang zu Krediten, da die Marke und das Geschäftskonzept bei den Kreditgebern bekannt sind.

  • Sie können durch die „Franchise-Power“ schneller in den Markt eintreten, als wenn Sie es mit Ihrem Unternehmen auf eigene Faust probieren.

  • Sie erhalten Vorteile beim Einkauf von Waren und Gütern.

  • Sie unterschreiben einen Vertrag, dessen Laufzeit über mehrere Jahre geht. So erhalten Sie die Chance, dass sich Ihre Investitionen in das Franchisesystem wieder einspielen können.

Unter dem Strich bedeuten diese Vorteile: Sie minimieren beim Franchising zahlreiche Risiken und können viele Hürden der Existenzgründung durch ein erprobtes System schnell meistern.

Die Nachteile für den Franchisenehmer

Selbstverständlich gibt es auch ein paar Schattenseiten, wenn Sie sich auf ein Franchisesystem einlassen. Das sind unter anderem:

  • Sie binden sich an eine Marke und ein Franchisesystem. Das bedeutet, Sie können nur in einem sehr kleinen Rahmen Ihre eigenen Ideen verwirklichen.

  • Sie sind abhängig von den Vorgaben des Franchisegebers und seiner Gesamtstrategie.

  • Sie müssen sich an einige Vorgaben und Spielregeln halten, um unter anderem die Marke des Franchisegebers nicht zu beschädigen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Erleidet die Marke einen Schaden, können Sie nur in geringem Maße das Ruder herumreißen.

  • Sie sind durch einen Franchisevertrag und zusätzliche Vereinbarungen langfristig an den Franchisegeber und seine Partner gebunden. In der Regel liegt die Vertragslaufzeit bei drei bis sieben Jahren, stellenweise bei über zehn Jahren.

  • Sie müssen beim Franchising eine Eintrittsgebühr bezahlen, welche bei weltweit bekannten Marken im fünf- bis sechsstelligen Bereich liegen kann. Zusätzlich haben Sie laufende Gebühren und Sondergebühren (beispielsweise für spezielle Werbemaßnahmen) zu entrichten.

  • Sie sind nicht beim Franchisegeber angestellt, sondern leiten ein selbstständiges Unternehmen. Das bedeutet, Sie müssen eine passende Rechtsform finden. Zudem kommen Sie eigenständig für sich und Ihre Angestellte auf, indem Sie beispielsweise Löhne und Sozialversicherungsabgaben bezahlen.

Zusammengefasst bedeutet das: Als Franchisenehmer müssen Sie keine eigene Geschäftsidee erproben, dafür binden Sie sich an das System eines Franchisegebers. Diese Bindung geht mit einigen Einschränkungen und Verpflichtungen einher.

Sind Sie als Franchisenehmer geeignet?

Schrecken Sie die Nachteile des Franchisings nicht ab? Sehen Sie die vielen Chancen, die in den Vorteilen stecken? Dann sollten Sie sich trotzdem nicht blindlings in die Selbstständigkeit als Franchisenehmer stürzen.

Als Franchisenehmer müssen Sie wie ein „normaler“ Existenzgründer gewisse Voraussetzungen mitbringen. Zum Beispiel Engagement, Durchhaltevermögen, Verantwortungsgefühl und Risikobereitschaft. Zudem sollte Ihnen klar sein, dass mit einem Franchise genauso Überstunden, das Hantieren mit Zahlen und Verträgen, der ständige Austausch mit Angestellten und Lieferanten zu Ihrem täglichen Geschäft gehören. Kurz: Auch als Franchisenehmer sollten Sie ein Unternehmer-Gen besitzen.

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Titelbild: oatawa / getty images

Ursprünglich veröffentlicht am 27. Juli 2020, aktualisiert am Juli 28 2020

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