Am 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) in Kraft und löst gleichzeitig die Verpackungsverordnung (VerpackV) als geltendes Recht ab. Ziel des Gesetzes ist es, sowohl die Recyclingquoten von Verpackungsmaterialien zu erhöhen als auch das Abfallaufkommen zu verringern. Gerade für kleinere Online-Shop-Betreiber wirft das Gesetz einige Fragen auf. Händler müssen sich rechtzeitig registrieren und vorbereiten. Dr. Carsten Föhlisch, Rechtsexperte bei Trusted Shops, kennt die wichtigsten Änderungen und gibt Ihnen Tipps, wie man als Online-Händler Verpackungsmüll reduzieren kann.

Was genau ist das Verpackungsgesetz?

Das Verpackungsgesetz löst mit seinem Inkrafttreten die alte Verpackungsverordnung (VerpackV) ab, die nicht mehr auf dem neuesten Stand des Umweltschutzes ist. Das neue Gesetz setzt ambitionierte Ziele für die Menge an verarbeiteten Verpackungen, womit es den aktuellen Entwicklungen der Recycling-Technologie Rechnung trägt. 

Weiter sieht das Gesetz die Errichtung einer neuen zentralen Stelle vor, die für die Einhaltung der neuen Vorgaben zuständig sein und die damit zusammenhängenden Aufgaben wahrnehmen wird. Dies wäre über eine (neue) Verordnung nicht möglich gewesen.

Man kann die Zukunft zwar nicht vorhersagen, aber man kann darauf sich  vorbereiten: Laden Sie sich jetzt den „State of Inbound 2018“ herunter!

Gut zu wissen: Wer ist durch das Gesetz betroffen?

Die größte Bedeutung hat das Verpackungsgesetz für die sogenannten „Hersteller“. Diese sind diejenigen Vertreiber, die Verpackungen erstmals gewerbsmäßig in Verkehr bringen, bzw. die Verpackungen gewerbsmäßig in den Geltungsbereich des Gesetzes einführen.

Registrierungspflicht

Jeder Händler, der mit Ware befüllte Verkaufs- oder Umpackungen, die beim privaten Endverbraucher anfallen, erstmals gewerbsmäßig in Verkehr bringt, ist verpflichtet, sich vor dem Inverkehrbringen bei der neu eingerichteten „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ zu registrieren.

Vollständigkeitserklärung

Bestimmte Hersteller müssen der Zentralen Stelle Verpackungsregister jährlich bis zum 15. Mai eine sogenannte „Vollständigkeitserklärung“ vorlegen, die dort durch einen Sachverständigen geprüft wird. Darin müssen sie sämtliche in diesem Jahr erstmalig in Verkehr gebrachten Verkaufs- und Umverpackungen aufgelistet sein.

Sammlung, Rücknahme und Verwertung

Die Systeme sind verpflichtet, im Einzugsgebiet der an ihnen beteiligten Hersteller eine flächendeckende Sammlung aller restentleerten Verpackungen bei den privaten Endverbrauchern (Holsystem) oder in deren Nähe (Bringsystem) oder durch eine Kombination beider Varianten in ausreichender Weise und für den privaten Endverbraucher unentgeltlich sicherzustellen.

Neue Pfand- und Hinweispflichten

Hersteller von mit Getränken befüllten Einwegverpackungen sind verpflichtet, von ihren Abnehmern ein Pfand in Höhe von mindestens 0,25 Euro pro Verpackung zu verlangen. Die Pfandpflicht gilt künftig auch für Frucht- und Gemüsenektare mit Kohlensäure und Mischgetränke mit einem Anteil an Milcherzeugnissen, insbesondere Molke, von mindestens 50 %.

Weniger Verpackungsmüll freut die Kunden

Das Ziel, Verpackungsmüll zu reduzieren, ist grundsätzlich sinnvoll, denn das schont die Umwelt, spart Ressourcen und freut die Kunden. Verbraucher haben in der Regel keine Lust, ein winziges Paket aus einer riesigen Umverpackung mit Füllmaterial zu fischen, die anschließend auch noch entsorgt werden muss.

Hier einige Tipps, wie man Verpackungsmüll einsparen kann:

  • Umverpackung so klein wie möglich halten: Die Umverpackung sollte so nah wie möglich an der Größe des Kartons mit der Ware bleiben. Grundsätzlich gilt: lieber schöne und hochwertige Umverpackungen als große.
  • Füllmaterial sinnvoll einsetzen: Nur zerbrechliche Ware macht Papier oder alte Zeitungen zur Polsterung überhaupt notwendig. Selbst wenn das Material ungefragt vom Hersteller kommt, ist es bei robuster Ware eine Überlegung wert, es für eine andere Sendung aufzubewahren.
  • Platzsparend packen: Wenn verschiedene kleine Produkte bestellt worden sind, diese möglichst platzsparend in einen Karton packen. Lieber einen großen Karton als mehrere kleine nehmen, sofern dies mit den Lieferbedingungen übereinstimmt und der Kunde den Karton transportieren kann.
  • Recyclingfähige Materialien verwenden: Auf recyclingfähige Materialen wie Wellpappe oder Karton setzen. Auch beim Füllmaterial gibt es umweltfreundliche Varianten, zum Beispiel Bio-Verpackungsflocken aus Maisstärke. Klebeband ist auf Papierbasis erhältlich.
  • Kartons wiederverwenden: Bei Retouren kann man unbeschädigte Kartons für einen erneuten Versand wiederverwenden.
  • Optimalen Verpackungshersteller auswählen: Darauf achten, dass der Verpackungshersteller Kartons liefert, die in Bezug auf Material, Größe und Aussehen optimal auf die Artikel passen. So wird Geld und Material gespart.

Es gibt viele gute Möglichkeiten, Verpackungsmaterial zu reduzieren. Das schont die Umwelt, freut die Kunden und kann sogar dazu beitragen, als Händler Kosten zu senken.

State of Inbound 2018 herunterladenBei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Dr. Carsten Föhlisch, Rechtsexperte bei Trusted Shops.

Ursprünglich veröffentlicht am 26. Oktober 2018, aktualisiert am Oktober 26 2018

Themen:

E-Commerce