Der Erfolg eines Unternehmens misst sich nicht nur an einer einzigen Zahl. Externe Analysten und das firmeninterne Management bewerten die Leistung eines Unternehmens anhand vieler Kennzahlen und KPIs.

Unter diesen Kennzahlen lassen sich manche direkt aus dem Jahresabschluss ablesen, sind daher vergleichsweise einfach zu interpretieren und helfen bei der Ermittlung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens. Einige dieser Zahlen können Sie so für Ihre Erfolgsrechnung benutzen.

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Was versteht man unter der Erfolgsrechnung?

Die Erfolgsrechnung ist ein Instrument im Rechnungswesen, das Unternehmer bei der Ermittlung der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung nutzen können. Genauer betrachtet gibt es jedoch nicht nur die „eine“ Erfolgsrechnung, sondern gleich vier verschiedene Varianten.

Diese haben eines gemeinsam: Sie wollen den Erfolg des Unternehmens abbilden, jedoch auf unterschiedliche Art und Weise. Die Ergebnisse der vier verschiedenen Erfolgsrechnungen sind demnach auch unterschiedlich.

Doch warum gibt es gleich vier verschiedene Erfolgsrechnungen? Das Problem: Es ist schwierig, eine universelle Zahl zu finden, die alle Unternehmen gleichermaßen als „Erfolg“ ausweisen können oder möchten.

Der eine Unternehmer misst sein Unternehmen vielleicht am Betriebsgewinn, der andere am Jahresüberschuss, wieder ein anderer schaut auf die Zahl der verkauften Produkte im letzten Jahr.

Warum ist die Erfolgsrechnung für einen Unternehmer so wichtig?

Egal, welche Metrik Sie für sich persönlich als eigenen Maßstab gewählt haben – es ist wichtig, dass Sie deren Veränderung nicht aus den Augen verlieren. Aus diesem Grund ist es notwendig, regelmäßig eine Erfolgsrechnung durchzuführen und zu analysieren.

So stellen Sie sicher, dass sich Ihre subjektive Wahrnehmung der Situation mit den tatsächlichen Zahlen deckt. Dies vermeidet, dass Sie als Kapitän des Schiffes gut gestimmt nach vorne blicken, während der restliche Kahn hinter Ihnen in Flammen steht.

Natürlich eignet sich auch der Blick auf das Unternehmenskonto, um grob abzuschätzen, ob die Dinge im Moment gut oder schlecht laufen. Vergessen Sie aber nicht, dass es sich dabei nur um eine Momentaufnahme der Erträge handelt. Zudem ermöglicht die Erfolgsrechnung die Analyse des Problems bis zu einer bestimmten Tiefe.

Durch die einzelnen Positionen in der Erfolgsrechnung können Sie erkennen, welche Posten das Problem verursachen, und können entsprechende Maßnahmen ableiten.

Welche Arten der Erfolgs- und Planerfolgsrechnung gibt es?

Zu den vier Arten der klassischen Erfolgsrechnung gehören:

1. Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Die Gewinn- und Verlustrechnung kennen viele Unternehmer als Teil des steuerlichen Jahresabschlusses. Dort ist sie im Rechnungswesen neben der Aufstellung einer Bilanz für fast jedes Unternehmen verpflichtend.

Anders als die Bilanz stellt die GuV die Kapitalströme (Erträge und Aufwendungen) des Unternehmens dar und ermöglicht so eine Aussage darüber, ob das Unternehmen insgesamt einen Gewinn oder einen Verlust erwirtschaftet hat.

Die Gewinn- und Verlustrechnung wird für den Zeitraum eines ganzen Jahres erstellt und stellt gleichzeitig die umfangreichste aller Erfolgsrechnungen dar. Hier sind alle Kapitalströme mit inbegriffen, inklusive Erlöse, Aufwendungen, Kapitalerträge, Zinsen und Ertragsteuern.

Damit ist die GuV ebenfalls das Tool, das die finanzielle Realität des Unternehmens am besten abbildet. Die GuV können Sie entweder im Umsatzkostenverfahren oder im Gesamtkostenverfahren erstellen.

2. Die Kosten- und Leistungsrechnung

Anders als die GuV beinhaltet die Kosten- und Leistungsrechnung (auch: Betriebsergebnisrechnung) nur den tatsächlichen Ertrag und die Ausgaben des Geschäfts, ohne äußerlich bedingte zusätzliche Ausgaben zu berücksichtigen.

Damit hat diese Rechnung den Zweck, die Wirtschaftlichkeit des eigentlichen Kerngeschäfts zu bestimmen. Das Betriebsergebnis wird übrigens bei der Kosten- und Leistungsrechnung fast automatisch berechnet, Sie haben daher keinen zusätzlichen Aufwand.

3. Die Steuerbilanz

Wenn es darum geht, die Steuerlast für ein Unternehmen zu berechnen, ist die Steuerbilanz das Mittel der Wahl. Sie ist die Steuerbemessungsgrundlage für abzuführende Gewerbe- und Einkommensteuern und unterscheidet sich in einigen Punkten von der Handelsbilanz, u. a. bei den Abschreibungen.

Die Steuerbilanz muss ebenso wie die GuV am Ende des Geschäftsjahres von den meisten Unternehmen beim Finanzamt eingereicht werden. Anders als die GuV bewertet die Steuerbilanz nicht ausschließlich das Ergebnis des letzten Jahres, sondern schaut auf die Gesamtsituation des Unternehmens.

4. Die Kapitalflussrechnung

Ein Problem bei den ersten drei Rechnungsarten ist, dass diese nicht gut darin sind, die Liquidität eines Unternehmens abzubilden. So kann es vorkommen, dass die GuV positiv ist, sich aber im verborgenen Zahlungsengpässe aufbauen, die unter Umständen zu einer Zahlungsunfähigkeit führen können.

Die Kapitalflussrechnung (auch: Geldflussrechnung oder Einnahmen- /Ausgabenrechnung) fokussiert sich darauf, eingehende und ausgehende Zahlungsströme zu beobachten und ermöglicht so die Beurteilung des Cashflows. Weiterhin unterscheidet man zwischen einer retrospektiven (also rückblickenden) und progressiven Kapitalflussrechnung.

Die progressive Kapitalflussrechnung ist eine Voraussage über zu erwartende zukünftige Eingaben und Ausgaben. Sie ist eng mit dem Cashflow-Forecast verwandt.

Die kurzfristige Erfolgsrechnung – kürzere Abstände für bessere Analyse

Die kurzfristige Erfolgsrechnung unterscheidet sich nur in einem Aspekt von der „normalen“ Erfolgsrechnung – dem betrachteten Zeitraum.

Während die Varianten der Erfolgsrechnung meist ohnehin einmal pro Jahr erstellt werden müssen, können sich Unternehmer auch dazu entscheiden, eine Erfolgsrechnung in kürzeren Intervallen durchzuführen.

Dies kann etwa quartalsweise oder auch einmal im Monat der Fall sein. So kann die Unternehmensführung kurzfristiges Feedback zur eigenen finanziellen Situation erhalten.

Bilanz und Erfolgsrechnung gewinnbringend einsetzen

Die Erfolgsrechnung ist eine nützliche Orientierungshilfe und lässt sich mit einfachen Mitteln und buchhalterischen Grundkenntnissen interpretieren. Sie ist daher kosteneffizient und effektiv zugleich.

Durch die regelmäßige Anfertigung einer kurzfristigen Erfolgsrechnung haben Sie Ihre finanzielle Situation besser im Blick und können die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen.

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Titelbild: Nuthawut Somsuk / Getty Images

Ursprünglich veröffentlicht am 12. November 2020, aktualisiert am November 12 2020

Themen:

Buchhaltung