Im digitalen Zeitalter sind Multiplikatoren für die Marke unabdingbar geworden. Kunden vertrauen auf die Meinung Dritter anstatt Werbebotschaften. Die Beziehung zu relevanten Influencern aufzubauen, haben mittlerweile viele erkannt. Blogger sind dabei in den Fokus vieler Unternehmen gerückt. Aber wie finde ich die richtigen Blogger und vor allem was gilt es bei der Ansprache dieser zu beachten?

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Wer könnte diese Frage besser beantworten als die Blogger selbst. Stefan Hoffmeister betreibt das E-Commerce– und Social Media-Magazin geistreich78 .info, mit regelmäßi­gen Gastau­oren. Neben dem Schwerpunkt “Der digitale Wandel im Handel” ist “geistreich78” regelmäßig Medienpartner bei Branchenevents, wie z.B. dem plenty­markets Händlertag, Meet Magento oder dem Gründerevent Bits & Pretzels.

Herr Hoffmeister, woran erkenne ich den richtigen Blogger als Multiplikator für meinen Marke?

"Hier gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Das werbetreibende Unternehmen kann sich am besten folgende Fragen stellen:

Wie ist ein Blogger vernetzt? Hat er neben dem Blog einen professionellen Auftritt in den sozialen Netzwerken, allen voran die großen Drei: Facebook, Google+ und Twitter. Welche Followerzahlen weist er als Person, bzw. sein Blog auf? Wie regelmäßig ist er dort aktiv - wichtig, um zu sehen, ob die Community noch mit neuen Informationen und Posts angesprochen wird.

Ist der Blogger in relevanten Verzeichnissen und / oder Listen aufgeführt. Kürzlich wurden etwa auf dem SEO Portal die Top 100 Influencer 2015 bekannt gegeben. Ein branchenspezifisches Ranking ist sehr gut auch mit der Übersicht von teads.tv Labs möglich: http://de.labs.teads.tv/top-blogs/search/gesamt-ranking.

Je nach Rechercheaufwand, den man betreiben möchte, kann man auch Ausschau danach halten, welche Blogger bereits Pressereisen oder Unternehmenskooperationen durchgeführt haben. Sie geben ja in der Regel an oder weisen darauf hin, dass dies möglich ist. Erwähnen in Blogposts Medienpartnerschaften oder den Besuch von Events."

Was sollte beim Erstkontakt auf jeden Fall vermieden werden?

"Blogger sind in erster Linie Menschen, die persönlich angesprochen werden wollen. Unpersönliche Anschreiben, Massenmails, unaufgeforderte Zusendung von PR-Meldungen und vor allem unkonkrete Anfragen sind ein No-Go. Meist sind es schon die Kleinigkeiten, die beim ersten Blick auf das Mail Postfach über Wohl und Wehe einer Zusammenarbeit entscheiden.

Der Absender verwendet keine richtige Signatur und wirkt dadurch nicht seriös, bzw. es ist nicht ersichtlich ob und wie er für das Unternehmen arbeitet. Es wird der falsche Vor- oder Nachname in der Ansprache verwendet. Es wird von einer Kooperation gesprochen, in der weiteren Kommunikation stellt sich aber heraus, dass der Werbetreibende "kein Budget" hat oder eine kostenlose Gegenleistung erwartet. 

Ich erwarte mir von einer Anfrage eine konkrete Aussage, was für eine Art von Zusammenarbeit gewünscht ist, ersichtlich ist, dass man sich über meinen Blog Gedanken gemacht hat und eine klare Aussage über einen Gegenwert für mich als Blogger getroffen wird."

Sind Blogger in irgendeiner Form käuflich?

"Nein - nie... Wir stecken, meines Erachtens, in einem Dilemma. In Deutschland sind die Leser und User noch gewohnt Inhalte gratis zu erhalten, ohne als Konsument selbst dafür zu bezahlen. Im Printbereich ist ihnen das vielleicht nicht so sehr aufgefallen, dass der sog. Qualitätsjournalismus irgendwie über Anzeigen und Werbung finanziert werden muss(te). Richard Gutjahr hat das im Presseclub München mal gut ausgeführt, dass es aber immer schon so war, dass der Anzeigenteil die anderen Ressorts getragen hat.

Für Blogger bleibt aktuell (zumeist) nur die Möglichkeit von Kooperationen mit Herstellern, bzw. der Industrie. Das Upload Magazin hat Mittwald als Sponsor, Lousy Pennies arbeitete mit Zeiss Digital zusammen, Mobilegeeks hat für Themenhubs gezielte Sponsoren.

Inwieweit die Beiträge dann unabhängig und ohne Beeinflussung der Werbepartner stattfinden, lässt sich nur über einen längeren Zeitraum und bei genauer Beobachtung der Inhalte feststellen. Sobald sich ein Blog zu einem Magazin, mit einem Redaktionsteam, entwickelt, ist er aktuell einfach auf derartige Monetarisierung angewiesen. An den aktuellen Diskussionen um das zweite Jahr der Krautreporter sieht man eine sehr hohe Erwartungshaltung bei Leser-finanzierten Erlösmodellen - die kaum befriedigt werden kann." 

Vielen Dank Herr Hoffmeister!

Interview mit Stefanie Bamberg

Stefanie Bamberg ist ebenfalls Bloggerin und betreibt das Blog “Schön und Fein”, das sich mit allem Schönen aus der Küche befasst. Als Food-Blogger bekommt sie häufig Anfragen von Firmen. Oftmals nicht besonders geschickt. 

Welcher Fehler werden am häufigsten von Unternehmen beim Kontaktieren von Bloggern gemacht?

"Da gibt es so einige. Die meisten scheitern schon an der Anrede in einer Mail. Wenn mich jemand mit "Backfee", "Blogger" oder "Team Schön & Fein" anschreibt, hat er eigentlich schon verloren. Was ich auch sehr oft im Postfach habe, sind Mails, die entweder nur Pressemitteilungen sind, weil mich wieder irgendeine Agentur in einen Presseverteiler gesteckt hat - ungefragt natürlich. Oder das zweite große Übel: Mails, aus denen entweder überhaupt nicht klar hervorgeht, was der Absender möchte, oder eben Mails, bei denen nur von den Vorteilen geredet wird, die der Absender hat. Gerne genommen sind auch Anfragen, die vom Blogger drei Tage Vollzeitarbeit verlangen, bei denen aber erst auf Nachfrage (!!) mitgeteilt wird, dass es keinerlei Budget dafür gäbe.

Kontakte, bei denen alles so gepasst hat, dass ich mich gefreut und gerne geantwortet habe, bewegen sich nach wie vor leider im einstelligen Prozentbereich. Ziemlich traurig, wenn man bedenkt, dass die meisten Anfragen von PR-Agenturen kommen, deren Kerngeschäft eigentlich "Beziehungen" und vor allem das Kommunizieren ist."

Wie würden Sie sich den optimalen Erstkontakt vorstellen?

"Bei den meisten Bloggern ist der Erstkontakt per Mail vermutlich am sinnvollsten, weil sie nicht den ganzen Tag neben dem Telefon sitzen und zum Großteil auch noch einer Festanstellung nachgehen. Bei mir ist das aufgrund meiner Selbständigkeit mit vielen Termin ebenfalls der beste Weg.

Neben der richtigen Anrede (gerne auch per Du), ist es toll, wenn ich merke, dass derjenige sich wirklich mit meinem Blog beschäftigt und geschaut hat, ob es zwischen uns passt (von der Tonalität, meinen Inhalten und dem Ziel, zu dem die Zusammenarbeit am Ende mal führen soll). Alleine dieser Punkt würde schon 50% der Anfragen und damit Zeitverschwendung auf beiden Seiten überflüssig machen. Aber viele Agenturen arbeiten mittlerweile leider sehr nach dem Gießkannen-Prinzip, auch wenn ich gehofft hatte, dass das mit dem Rückgang von Push-Kommunikation ebenfalls abnehmen würde. In die Mails werden dann noch Floskeln eingestreut wie "Ich lese schon eeewig Deinen Blog und werde am Wochenende dies und das und jenes nachkochen". An anderer Stelle merke ich dann oft durch Ungereimtheiten, dass das nicht stimmt. Ehrliche Anfragen, die vielleicht etwas holprig sind, weil derjenige kein PRler, aber mit Herzblut bei der Sache ist, und bei denen ich merke, dass derjenige nicht versucht, durch seltsame Einschmeicheleien zu mir durchzudringen, sind mir da wiederum wesentlich lieber."

Fazit 

Viele Unternehmen haben mittlerweile verstanden, dass Blogger bzw. Influencer Relations ein wichtiges Thema für das Marketing ist. Allerdings zeigen die Aussagen der Blogger deutlich, dass die wenigsten Unternehmen dies richtig betreiben. Auch hierfür braucht es eine Strategie und Zielgruppenaffinität. 

Eine Einführung in die Welt des Inbound Marketings

Ursprünglich veröffentlicht am 27. August 2015, aktualisiert am Dezember 04 2017

Themen:

Influencer-Marketing