2018 erlebte das Social-Media-Netzwerk Vero einen beispiellosen Hype. Die Nutzerzahlen der App stiegen von etwa 150.000 auf über 3 Millionen. Doch dann wurde es immer stiller um die Plattform. Vero selbst war jedoch fleißig: Erst im Dezember 2020 gab es ein großes Update – wie viele aktive Nutzende das betrifft, ist jedoch unklar. Denn Statistiken zur Nutzung des Netzwerks sind nur vereinzelt zu finden.

Wir haben nachgeforscht: Wie steht es um Vero und welche neuen Funktionen und Möglichkeiten bietet die App für Marketer und Marketerinnen? Alles Wichtige erfahren Sie hier.

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So funktioniert die Vero-App

Vero ist ein derzeit kostenloses soziales Netzwerk, das 2015 veröffentlicht wurde und über die App „Vero – True Social“ erreichbar ist. Die App wurde mit einer klaren Kampfansage an die Big Player des Social-Media-Kosmos gelauncht. Die Vision des Vero-Gründers Ayman Hariri ist dabei klar: Hariri möchte ein besseres, ethisch motiviertes soziales Netzwerk erschaffen und verbreiten.

Vero sollte so zwar typische Social-Media-Funktionen bieten, diese jedoch unabhängig von einem strengen Algorithmus und werblicher Nutzung zur Verfügung stellen.

Wurden zunächst die Funktionen von Facebook und Instagram aufgegriffen, stehen nun auch Anwendungen von Messaging-Services wie WhatsApp auf dem Plan der App. Doch was genau kann Vero?

Ein bisschen stylischer, ein bisschen erwachsener und irgendwie ein bisschen was von allem: Wer sich bei Vero anmeldet, wird sich vermutlich insbesondere von dem Design angesprochen fühlen. Wichtiger sind aber natürlich die Nutzungsoptionen. Im Dezember 2020 veröffentlicht Vero das Update 2.0, das der App einen frischen Look sowie vielfältige neue Funktionen gibt.

screenshot der vero app

Quelle: Screenshot Vero-App

Wer ein Statusupdate posten möchte, musste dieses bereits zuvor mit einem Bild, Buch, Video, Link, Ort oder Song verbinden. Seit dem Update können nun auch Apps, Filme, Serien und Spiele mit der Community geteilt werden. So bekommt jede Interaktion mit Freundinnen und Freunden schnell den Anschein einer Weiterempfehlung.

Die eigenen Kontakte werden in enge Freunde, Freunde, Bekannte und Follower eingeteilt, sodass bei jedem Beitrag neu entschieden werden kann, wer ihn zu sehen bekommt. Das kennen wir bereits von Facebook, funktioniert bei Vero aber deutlich unkomplizierter. Außerdem besteht die Option, einem Profil auch einseitig zu folgen.

Seit dem Update 2.0 können über Vero sogar Sprach- und Videoanrufe geführt werden. Besonders praktisch ist, dass dazu nicht auf das Surfen durch den Feed verzichtet werden muss – denn beides ist gleichzeitig möglich. Ziel von Vero: Die Nutzerinnen und Nutzer sollen möglichst lange in der App gehalten werden – alle Funktionen, die normalerweise von mehreren Apps abgedeckt werden, vereint Vero auf einer Plattform. 

Auch die Chat-Funktion wurde optimiert: So können Empfehlungen direkt per Chat an den Freundeskreis und Bekannte versendet werden. Mithilfe der neuen Bookmarks – die bereits aus Instagram bekannt sind – können Posts auch gespeichert werden. 

Die Navigationsleiste im Home-Feed ist zudem in verschiedene Post-Kategorien aufgeteilt. Unter dem Reiter „Filme“ werden beispielsweise „Beliebte Filme“ und Serien aufgelistet. Aufgrund der Zusammenarbeit mit der Film- und Seriendatenbank „The Movie DB“ werden beim Klick auf den entsprechenden Titel sogar Handlung, Trailer und Besetzung angezeigt. Über den Punkt „Geteilt von anderen“ können sich Nutzende auch direkt mit anderen Personen verbinden, die ihre Interessen teilen. 

vero space sweepers screenshot

Quelle: Screenshot Vero-App

Social Media ohne Ads: Wie finanziert sich Vero?

„Weniger Social Media, mehr Social Life“ lautet das Motto von Vero, mit dem Hariri grundlegenden Entwicklungen in den herkömmlichen Netzwerken entgegentreten will. Denn hier sind sowohl private Nutzende als auch Unternehmen zunehmend verärgert von ständig neuen Algorithmen, die Beiträge nicht mehr chronologisch oder unvollständig ausspielen. 

Stattdessen werden Posts promotet, für die gezahlt wird. Zusätzlich haben sich gerade die zu Facebook gehörenden Plattformen unter Nutzerinnen und Nutzern einen Ruf als „Datenkraken“ eingehandelt, weil sie detaillierte Information über angemeldete Personen sammeln und gewinnbringend verkaufen.

All das weist Vero von sich. Hier soll ungefiltert jeder Post von Kontakten chronologisch im eigenen Feed erscheinen, bezahlte Anzeigen gibt es nicht. Zusätzlich verspricht Vero, keine Daten zu erfassen, die über die für die Anmeldung benötigten hinausgehen (Name ohne Klarnamenpflicht, E-Mail-Adresse und Telefonnummer zur Verifizierung).

Doch ganz ohne Finanzierung kommt die App natürlich auch nicht aus. Derzeit können Unternehmen Ihre Produkte auf Vero platzieren und den Kaufprozess direkt über die App abwickeln – diese Funktion lässt sich Vero natürlich bezahlen. Anders als bei Facebook oder Instagram bekommt man jedoch nur die Produkte von Firmen oder Künstlern zu sehen, denen man folgt. 

Die „True Social“-App erntet auch Kritik

Die technischen Mängel und Serverprobleme, die mit dem großen Hype der App 2018 einhergingen, scheinen heute größtenteils behoben – wahrscheinlich auch, weil der Trend nicht allzu lange anhielt. 

Dennoch gibt es nach wie vor kritische Stimmen: So bemängeln Skeptiker, dass das Netzwerk zwar einerseits seine datenschutzrechtlichen Ansprüche betont, andererseits aber bei der Registrierung die Telefonnummer der Nutzerinnen und Nutzer abfragt. Dies gilt zwar als die sicherste Möglichkeit zur Identifikation, ist vielen aber dennoch zu privat.

Auch die Maßnahme, die erste Million Nutzerinnen und Nutzer der App von Anmeldegebühren zu befreien, um möglichst schnell viele Mitglieder zu generieren, wird kritisch hinterfragt. Vero bietet diese kostenlose Option zur Registrierung nämlich bereits seit mehreren Jahren an, was sich aus der Art der Kommunikation jedoch nicht ablesen lässt. Hier heißt es: „Für begrenzte Zeit kostenlos“. Konkrete Zahlen über die Anzahl an Mitgliedschaften existieren bis dato nicht.

Wer einen Blick in die AGBs der App wirft, merkt außerdem, dass sich die Angaben zur Datenhandhabung nicht so deutlich von denen anderer Social-Media-Plattformen unterscheiden, wie das Netzwerk es nach außen hin kommuniziert. Denn Vero sammelt durchaus Nutzungsdaten, wenn laut eigener Aussage auch nur zur Verbesserung der eigenen Performance.

Konnte Vero seine Stellung im Marketing ausbauen?

Noch immer ist Vero wohl auf kaum einer Social-Media-Strategie zu finden. Denn das Prinzip der Plattform klingt für Befürwortende des klassischen Push-Marketings zunächst wenig einladend: Klassische Werbeanzeigen gibt es nicht. 

Was bleibt, ist Influencer Marketing. Da Vero vor allem auf die Weitergabe von Empfehlungen setzt, bietet es sich natürlich an, auf die Meinungsmacht spezifischer Influencer und Influencerinnen zu setzen. Dabei können Marketing-Teams außerdem von der fehlenden Filterung der Beiträge profitieren, da alle Follower eines Influencers die entsprechenden Beiträge garantiert zu Gesicht bekommen.

Bei Facebook oder Instagram ist das hingegen schon lange nicht mehr der Fall. So lassen sich auf organischem Wege deutlich mehr Interaktionen und mehr Aufmerksamkeit für werbende Unternehmen verzeichnen.

Eine große Schwäche des Netzwerks bleiben jedoch die fehlenden Integrationsmöglichkeiten. In Beiträgen kann weder auf YouTube noch auf Spotify direkt verwiesen werden. Stattdessen gibt es nur Affiliate-Links zu Apple Music. Auch das netzwerkübergreifende Teilen von Beiträgen wird nicht unterstützt, sodass die Möglichkeiten des Cross-Plattform-Marketings zumindest aktuell nicht genutzt werden können.

Ebenso wenig bietet Vero eine Live-Funktion an, die in den Updates von großen Netzwerken eine bedeutende Funktionserweiterung darstellt.

Nischen-Plattform für Kreativität

Vero füttert eine kulturell und visuell hungrige Zielgruppe: Wirft man einen Blick auf die Mitglieder, die beim Betreten der App vorgeschlagen werden, wird schnell klar, dass sich Vero zu einer Nischen-Plattform für Kreative entwickelt hat. Personen, die sich für kulturelle, journalistische und filmische Erzeugnisse interessieren, werden auf Vero fündig.

Vom Film über den Lieblingssong bis hin zur besten App: Vero bietet die Möglichkeit, sich über kulturell relevante Produkte zu informieren, diese weiterzuempfehlen oder sogar über die App zu kaufen. 

Kein Wunder also, dass Stars wie Madonna, Starfotografen wie Rankin oder das Musik- und Modemagazin Clash auf der Plattform vertreten sind. Deutlich wird an diesen Nutzern und Nutzerinnen jedoch auch, dass der Einfluss in den USA deutlich größer ist als im deutschsprachigen Raum. Unternehmen oder Agenturen aus dem DACH-Raum sind eher spärlich gesät. 

Die Aufmachung der App, die vielfältigen Funktionen und die innovative Art sich zu informieren, machen die App jedoch weiterhin spannend. Gerade für Kreativagenturen, Kunstschaffende, Musikerinnen, Musiker und Magazine könnte Vero zukünftig auch im deutschsprachigen Raum spannende Möglichkeiten bieten. 

Fazit: Für Kreative Köpfe ist Vero noch relevant

Der einstige Hype um Vero scheint ebenso schnell abgeflacht zu sein, wie er entstanden ist. Obwohl sich die App durch einen chronologischen Feed und den Verzicht auf klassische Werbeanzeigen klar von anderen Netzwerken abgrenzt, bleibt der große Erfolg der App aus. Mangelnde Statistiken zu aktuellen Nutzerzahlen machen es zudem schwer, den Einfluss der App genauer zu bestimmen. 

Klar scheint jedoch, dass sich Vero vor allem in der Kreativbranche in den USA etabliert hat und weiter bestehen bleibt. Ob sich die Plattform auch in Deutschland noch durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. 

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Titelbild: Artur Debat / Moment / Getty Images 

Ursprünglich veröffentlicht am 6. April 2021, aktualisiert am April 06 2021

Themen:

Social-Media-Marketing