Es ellod im Netz. Das neue werbefreie Social Network Ello öffnet mehr und mehr seine Pforten und sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Dabei ist Ello ein ganz gewöhnliches Social Network, dazu noch gewöhnungsbedürftig und ziemlich beta. Aber es regt zum Nachdenken an.

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Ello ist ein neues Social Network. Und es hypt. Man spricht von bis zu 40.000 neuen Nutzern in der Stunde. Mitmachen darf man momentan nur mit einem Invite-Code. Den bekommt über den ein oder anderen Weg, im (Ver-)Zweifelsfall via Ebay, für nur ein paar Euro. Das Hashtag “elloinvitecode” trendete zeitweise bei Twitter. 

Das Web ist stellenweise aus dem Häuschen. Warum? Während Facebook mit seinem neuen Werbedienst Atlas die Nutzer bis in die hintersten Ecken des Netzes verfolgt und Dragqueens aussperrt, positioniert sich Ello als Anti-Facebook - werbe- und datenkrakenfrei, gutmenschlich, fancy und designy. Da ist die digitale Early-Adopter-Avantgarde dabei, man will ja mitreden können. Und obendrauf gibt es noch ein polemisches Manifest:

“Your social network is owned by advertisers.

Every post you share, every friend you make, and every link you follow is tracked, recorded, and converted into data. Advertisers buy your data so they can show you more ads. You are the product that’s bought and sold.

We believe there is a better way. We believe in audacity. We believe in beauty, simplicity, and transparency. We believe that the people who make things and the people who use them should be in partnership.

We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce, and manipulate — but a place to connect, create, and celebrate life.”

Aral Balkan (Designer & Social Entrepreneur) sagt dem Facebook-Antagonisten trotz des pathetisch vorgetragenen Idealismus aber bereits Goodbye. Der Grund: Ello-Gründer Paul Budnitz (der übrigens so ganz nebenbei noch in Fahrräder macht habe vergessen zu erwähnen, dass er für Ello 435.000 Dollar Venture Capital eingesammelt hat. Das wollen die Investoren irgendwann zurück. Da wird man nicht darum herum kommen, seine Seele zu verkaufen. Oder Features anzubieten, für die Nutzer bereit sind Geld zu zahlen

Beyond a Pitch

Alexandra Samuel (Vice-President of Social Media bei Vision Critical) dagegen nutzt das Manifest als Aufhänger für einen meiner Meinung nach sehr gelungenen Weckruf an Social Media Marketers

Sie schreibt:

“Just because advertisers are unwelcome on some parts of the social web, that doesn’t mean businesses are necessarily unwelcome, though: consumers simply want businesses to engage with them in some way that goes beyond a pitch.“

Das ist der Punkt. Darum ist Ello interessant. Die meisten Leute haben ja gar nichts gegen Unternehmen, aber sie laufen vor plumper, automatisierter, datengetriebener Werbung weg. Und die Marketers rennen ihnen vielfach mit der Werbegießkanne hinterher, anstatt sich einfach mal zu fragen, warum die Leute weglaufen, stehen zu bleiben, und sich dann mit ihren Kunden auseinanderzusetzen. 

Ms. Samuel bringt hier “co-creation”, “meaningful conversations” oder “partnering with your customers ins Spiel” - was anstrengend klingt, und sicherlich anstrengender ist als die Gießkanne - aber mit Sicherheit nachhaltigeren Erfolg und mit Sicherheit mehr Sinn verspricht. Ganz im Sinne des Inbound Marketing muss es darum gehen, eine intrinsisch motivierte Community aufzubauen, die diskutiert, lernt, sich inspiriert, motiviert, entwickelt, teilt, weiterempfiehlt, kritisiert, weiterbringt und auf den Boden holt. Dafür gibt Ello jetzt einen Anstoß, aber dafür braucht es keine Ello-Technologie, sondern Umparken im Kopf. Facebook ist auch nur ein Auto. 

Denn es gibt ja auch wunderbare Circle auf Facebook. Denkt man an Fahrräder fällt mir da beispielsweise Bike Components ein, die ein tolles Beispiel für eine unternehmensnahe, trotzdem leidenschaftliche Community sind. Mal sehen wie Paul Budnitz mit seiner Unternehmensseite auf Ello fährt.

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Ursprünglich veröffentlicht am 6. Oktober 2014, aktualisiert am Dezember 04 2017

Themen:

Social-Media