Im März 2014 ging das soziale Netzwerk Ello mit großen Plänen an den Start: Es wollte als werbefreie Plattform Facebook Konkurrenz machen. Doch nach einem ersten Hype wurde es schnell ruhig um Ello. Wir verraten Ihnen, was aus dem Netzwerk geworden ist – und welche überraschende Wendung es genommen hat.

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Ello: Gestartet als Alternative zu Facebook

Soziale Netzwerke, die sich als Alternative zu Facebook etablieren wollten, gab es in den vergangenen Jahren einige. Doch bei Ello sah es anfangs so aus, als könnte dieser Plan auch aufgehen – vor allem wegen eines günstigen Timings zum Start.

Im September 2014 kündigte Facebook an, Personen ausschließen zu wollen, die auf der Plattform nicht ihren echten Namen verwenden. Insbesondere die LGBTQ-Szene kritisierte diesen Schritt scharf. Viele US-amerikanische Draqqueens verließen Facebook, weil sie ihre Künstlernamen nicht mehr verwenden durften. Das frisch gelaunchte Ello nutzte den Moment – und warb damit, dass dort auch erfundene Namen genutzt werden dürfen.

Zusätzlich positionierte sich Ello mit Slogans wie „Du bist kein Produkt“ und versprach, den Nutzern keinerlei Werbung anzuzeigen. Im Herbst 2014 konnte es so auf eine rasante Wachstumsrate blicken. Teilweise vermeldete es rund 31.000 Neuanmeldungen pro Stunde.

Doch schon wenig später stagnierte die Entwicklung. Es wurde ruhig um Ello. Im Schatten großer Konkurrenten wie Facebook und Twitter beschlossen die Entwickler, einen ganz neuen Weg einzuschlagen.

Der Wandel zur Förderplattform für Künstler

Nachdem der erste große Hype vorbei war, spitzte Ello seine Zielgruppe zu. Fortan verfolgte es nicht mehr den Anspruch, ein soziales Netzwerk für alle und besser als Facebook zu sein, sondern richtete sich explizit an Künstler, Kulturschaffende und andere Mitglieder der Kreativszene. Entsprechend wurden die Optik und die Funktionen der Plattform angepasst.

Heute sind auf Ello hauptsächlich Bilder zu sehen. Nutzer können zwar auch Texte absetzen, tun das aber nur gelegentlich. Von außen betrachtet ähnelt Ello deshalb am meisten der Bilder-Suchmaschine Pinterest.

Die Entwickler möchten Künstlern allerdings nicht nur die Möglichkeit geben, ihre Arbeit zu präsentieren. Sie sollen sich untereinander vernetzen, Kooperationen eingehen und ihre Werke über die Plattform verkaufen können.

Im netzwerkeigenen Blog werden regelmäßig kleine Wettbewerbe veröffentlicht, an denen Ello-Nutzer teilnehmen können. Die Gewinner erhalten ein Preisgeld oder dürfen mit großen Marken wie zum Beispiel Warner Bros. zusammenarbeiten.

So funktioniert Ello heute

Die dominierende Sprache auf Ello ist Englisch. Über den Menüpunkt „Discover“ erhalten Sie eine Übersicht aktueller Postings aller Nutzer. Ganz oben können Sie die Ergebnisse filtern, indem Sie auf für Sie interessante Stichwörter klicken. Die Vielfalt ist hier groß: Klassische Kunst hat auf Ello genauso ihren Platz wie Architektur, Mode, Streetart und GIFs. Auch nach Kunstrichtungen wie „Minimalismus“ und speziellen Stichworten wie „Collage“ oder „Modernism is Crap“ können Sie gezielt suchen.

Alle Posts können Sie liken, kommentieren oder teilen. Wenn Ihnen ein Beitrag besonders gut gefällt, können Sie ihn auch über die Plattformgrenzen hinaus verbreiten – zum Beispiel auf Facebook, LinkedIn oder per E-Mail.

Als aktiver Nutzer erhalten Sie eine Reihe von Möglichkeiten, Ihre Posts ansprechend zu gestalten. Über die sogenannte „Omnibar“ laden Sie Bilder, Videos oder Texte hoch. Im Gegensatz zu Facebook, Instagram, Twitter und Pinterest können Sie die Texte sogar formatieren. Links zu Video- oder Audio-Plattformen werden automatisch in das entsprechende Video oder die Audio-Datei umgewandelt. Außerdem können Sie Hashtags einsetzen, um von anderen Nutzern besser gefunden zu werden.

Mittlerweile ist Ello auch als App für Mobiltelefone nutzbar.

Das Ello-Profil auf Erfolg ausrichten: So geht’s

Die Nutzung von Ello ist kostenlos. Um Zugriff auf alle Funktionen zu haben, müssen Sie allerdings ein Profil anlegen.

Zunächst geben Sie eine E-Mail-Adresse an. Nutzernamen und Passwort können Sie frei wählen. Die Angabe personenbezogener Daten wie Klarname oder Wohnort sind fakultativ.

Im Anschluss müssen Sie entscheiden, ob Sie als Künstler oder Fan in dem Netzwerk unterwegs sein möchten. Als Künstler haben Sie später die Möglichkeit, Ihre Spezialisierungen und Fähigkeiten im Profil anzugeben.

Aus einer Liste an Interessen wählen Sie die Themen aus, die Sie in Zukunft vermehrt angezeigt bekommen möchten. Abschließend können Sie Ihr Profil mit den Zusätzen „Get hired“ und „Collaborate“ markieren. „Get hired“ zeigt an, dass Sie Ihre Werke verkaufen oder sich durch Ello-Nutzer beauftragen lassen möchten. „Collaborate“ sollten Sie dann wählen, wenn Sie an einer Zusammenarbeit mit anderen Künstlern interessiert sind.

Kunst auf Ello verkaufen

Ello gibt Künstlern die Gelegenheit, mit ihren Werken von mehr Menschen gesehen zu werden und so mehr Bekanntheit aufzubauen. Sie können Ihre Kunst allerdings auch direkt verkaufen.

Neben dem Button für Datei-Uploads ist ein kleines Dollar-Zeichen zu sehen. Klicken Sie darauf, können Sie einen Link zu Ihrem eigenen Online-Shop hinterlegen. Interessierte Nutzer können dann über einen Klick auf Ihre Verkaufsseite gelangen.

Für Sie ist diese Funktion kostenlos. Falls Sie Kunst über einen der Partnershops von Ello anbieten, bekommt das Netzwerk bei jedem Verkauf eine Provision.

Fazit: Kleines, aber feines Netzwerk für Kreative

Digitalen Platzhirschen wie Facebook, Twitter oder Pinterest macht Ello sicher nicht den Rang streitig. Für Künstler, Kulturschaffende und andere Kreative bietet das Netzwerk aber viele spannende Möglichkeiten. Insbesondere die Verkaufsfunktion und die Wettbewerbe dürften für viele Nutzer interessant sein. Und auch für kunstinteressierte Beobachter oder Auftraggeber ist Ello sicherlich einen Blick wert.

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Ursprünglich veröffentlicht am 25. Mai 2020, aktualisiert am Mai 25 2020

Themen:

Social-Media-Marketing