Noch ein langweiliger Was-alles-auf-Sie-zukommt-Artikel? Nein: Denn in diesem Jahr ist wirklich alles anders. Kontaktbeschränkungen und die Nutzung neuer Techniken im Bereich der Digitalisierung hatten nicht nur Einwirkung auf den Alltag vieler Menschen, sondern auch auf die sozialen Medien. Neue Trends sind entstanden und werden sich weiterentwickeln. Lesen Sie unsere Prognosen für das Social-Media-Jahr 2021.

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Aktuelle Social-Media-Trends: Wie sich die digitale Kultur verändert

Im Jahr 2020 ist viel passiert: Die Covid-19-Pandemie hat ihren bisherigen Höhepunkt erreicht und den Umgang der Menschen mit digitalen Medien verändert. Auf viele persönliche Begegnungen musste verzichtet werden und der Kontakt bei der Arbeit und in der Freizeit verlagerte sich größtenteils auf soziale Netzwerke.

Gleichzeitig sind neue Medienformate entstanden: TikTok eroberte mehr und mehr den amerikanischen und europäischen Markt, während die etablierten Netzwerke mit Funktionen wie Instagram Reels auf die neue Konkurrenz reagierten.

Die größten Herausforderungen für Unternehmen liegen aber nicht nur in den neuen Formaten, sondern auch im Umgang mit sozialen Veränderungen und einem erstarkenden politischen Bewusstsein junger User. Klar ist aber auch: Mit dem geschickten Einsatz von Social Media entstehen aus den gestiegenen Anforderungen genauso viele Chancen.

Damit Sie Ihre Möglichkeiten rechtzeitig erkennen, untersuchen wir, welche Trends sich derzeit entwickeln: Wie wird die Social-Media-Landschaft in einigen Monaten aussehen? Welche Werte sind der nachwachsenden Generation wichtig? Und wie können Sie das alles für Ihre Markenkommunikation nutzen?

10 Social-Media-Trends für 2021

Welche Trends Sie in Ihre Social-Media-Strategie für das kommende Jahr aufnehmen und umsetzen sollten, erfahren Sie im Folgenden.

1. Remixing: Wie Marken die neue Generation für sich sprechen lassen

Durch Apps und Funktionen wie TikTok, Koji oder Instagram Reels ist die ganz neue Kultur des „Remixings“ entstanden. Dabei geht es nicht etwa um das Abmischen von Musik. Vielmehr bezeichnet es die Art und Weise, wie Nutzer im Netz vorhandene Inhalte so umwandeln, dass etwas Neues entsteht.

Im Grunde ist diese Praxis nichts Besonderes: Popkultur an sich basiert auf der Umwandlung und Deutung bereits vorhandener Einzelteile in ein neues Gesamtes. Neu ist aber die Zielgruppe und die Verfügbarkeit: Vor allem die heranwachsende Social-Media-Generation nutzt die technischen Möglichkeiten der Apps, um ihren Interessen und Persönlichkeiten Ausdruck zu verleihen und die Inhalte daraufhin schnell zu verbreiten.

Das Online-Marketing steht bei der Nutzung dieses Trends zwar noch in den Startlöchern, erfolgreiche Kampagnen dürften aber nur eine Frage der Zeit sein. Die Voraussetzung ist, dass Marken es schaffen, (gebrandete) Vorlagen für Nutzer bereitzustellen. Auf deren Basis kann die Zielgruppe eigene Inhalte kreieren und verbreitet so nicht nur ihre Ideen, sondern auch die Markenbotschaft Ihres Unternehmens.

Bericht

Social Media Trends 2021

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2. Ein neuer Wertekanon: Die „4 C’s“ des Covid-19-Contents

Covid-19 wird das Leben der Menschen und die Medienlandschaft noch mindestens in das Jahr 2021 hinein beeinflussen. Marken müssen ihre Kommunikation dementsprechend anpassen. Neu ist ein daraus entstandenes Modell mit den „4 C’s des Contents. Sie lauten:

  • Community (Gemeinschaft)

  • Contactless (Kontaktlos)

  • Cleanliness (Hygiene/Sauberkeit)

  • Compassion (Mitgefühl)

Diese Werte werden sowohl in der Art und Weise des Marketings als auch in den Inhalten selbst gespiegelt. Wer sich über diese vier Punkte Gedanken macht und sie in die Kommunikation einfließen lässt, ist nicht nur ein guter Partner in einer schwierigen Situation, sondern profitiert auch vom Zeitgeist – viele Unternehmen haben das bereits erkannt.

Ein gutes Beispiel liefert Kaufland mit einem Post zu Beginn der Corona-Pandemie:

Social Media Trends 2021_1

Quelle: Instagram

3. Memes? Ja, aber bitte mit Monitoring!

Zugegeben, Memes sind nun wirklich kein neues Phänomen. Trotzdem gewinnen die von Usern kreierten Bildinhalte weiter an Bedeutung. 43 Prozent der 16- bis 29-Jährigen teilen die Bilder und Videos regelmäßig, 37 Prozent sind davon überzeugt, dass sie Kunst sind. Unternehmen werden daher auch in Zukunft mehr und mehr versuchen, sich die Memes zunutze zu machen.

Ganz einfach ist das nicht. Sensibilität und Vorsicht im Umgang mit der oft politischen Internet-(Sub-)Kultur sind geboten. Sonst kann es so laufen wie bei Wendy’s, die im Unwissen den antisemitisch kodierten Pepe the Frog teilten. Damit so etwas nicht passiert, finden Marketer Erklärungen zu aktuellen Memes auf der Seite knowyourmeme.com.

Ein gutes Beispiel ist Vodafone, die es schaffen, in einem simplen Bild die gesamte Markenbotschaft humorvoll auf den Punkt zu bringen. 

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Quelle: Twitter / Vodafone

Im Idealfall verbreitet und verwertet die Community Markenbotschaften selbstständig. Ganz wichtig dabei ist Social-Media-Monitoring der Bilder – sonst verlieren Unternehmen die Marketingergebnisse, Trends und eventuelle Risikoherde aus den Augen.

4. Früher war alles besser: Das Nostalgie-Marketing kommt zurück

Rund um die digitale Welt ist die Lust auf Retro und Nostalgie groß. Das zeigen Erfolgsserien wie Stranger Things oder die Rückkehr des Klapphandys durch Nokia. Es ist nichts Neues, dass Menschen sich gerne an die „gute alte Zeit“ zurückerinnern und sogar bereit sind, mehr Geld für ein Produkt zu zahlen, wenn sie sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Aber in Krisenzeiten dürfte dieses Bedürfnis besonders groß sein.

Verstärkt wird die Nostalgie also auch im Marketing ankommen: Unternehmen werden ihre Produkte als Träger ebenjener Werte darstellen, die im Jahr 2020 vermeintlich verloren gingen – konkret also Sicherheit, Freiheit und Gesundheit.

Im Übrigen ist das weder ein Grund zur Sorge noch ein neues Phänomen: Werbung setzte den Nostalgie-Faktor immer ein, verstärkt aber bei der Wirtschaftskrise in den 1920ern und der großen Rezession Ende der 2000. Unternehmen dürfen mit ihren Inhalten also auch 2021 in alten Zeiten schwelgen und werden damit Erfolg haben. Worauf dabei aber zu achten ist: Oft funktioniert der Content dann nur bei einer Altersklasse innerhalb der Zielgruppe.

5. Chatbots als intelligente und persönliche Begleiter

Marketing ist nicht erst seit gestern auf den Dialog angewiesen. Social Media hat jedoch in den letzten Jahren viel bewegt und auch in digitalen Umgebungen zwischen Unternehmen und Verbrauchern ein Verhältnis auf Augenhöhe geschaffen.

Altbekannte Plattformen wie Facebook oder Instagram sowie geschulte Mitarbeiter sind dafür nicht einmal nötig. Denn inzwischen entwickeln sich Chatbots so schnell weiter, dass sich immer mehr Unternehmen die automatisierten Gesprächspartner mit wenig Aufwand in die eigene Webseite oder den Social-Media-Messenger implementieren.

Unter dem Stichwort Conversational Marketing (also dem Dialog mit dem Nutzer, wenn er die Webseite besucht) werden immer mehr intelligente, personalisierte und automatisierte „Gesprächspartner“ eingesetzt. Das Verkaufsgespräch, das sonst in der Einkaufspassage der Innenstadt stattfand, dürfte künftig immer häufiger durch den Dialog auf der Webseite ersetzt werden – und das völlig automatisiert.

6. Social Gaming: Markenerlebnisse durch Gamification schaffen

Nicht nur das Verkaufsgespräch fiel 2020 immer häufiger weg. Auch viele Events, in denen eine Marke den Menschen persönlich begegnen konnte, mussten abgesagt werden. Wie schaffen Unternehmen also den Rahmen für neue Erlebnisse, die die Markenbotschaft transportieren?

Eine Antwort, die das neue Jahr geben dürfte, ist Gamification. Nicht zuletzt, weil die Community deutlich gewachsen ist, dürfte das Marketing die Szene immer ernster nehmen. So ist die Anzahl der Personen, die sich als Gamer bezeichnen, von 31,1 Mio. im August 2019 auf 41,2 Mio. im Juli 2020 gestiegen.

Auch Unternehmen außerhalb der Gaming-Branche entdecken Spiele für sich. Dann sind kreative Wege gefragt: Die Pizzakette Papa John’s feierte beispielsweise im Vereinigten Königreich damit Erfolge, an Premier-League-Spieltagen das Tippspiel „Score Twice Half Price“ auszurufen. Wer auf ein Team tippte, das zwei Tore schießen würde, und damit richtig lag, bekam einen Gutschein.

7. Zurück in die Zukunft: Die „alten“ Marketingmaßnahmen werden wieder relevanter

Es mag erst einmal paradox klingen, aber neben neueren Marketing- und Social-Media-Trends wie Gamification und Chatbots sind einige der altbekannten digitalen Maßnahmen wieder gefragt. Warum ist das so?

Die Menschen sind viel zuhause und wünschen sich relevante und hintergründige Informationen. Das führte dazu, dass Newsletter und Podcasts wieder extrem an Zuwachs gewonnen haben: Knapp die Hälfte der Teilnehmer einer Befragung unter Podcast-Nutzern nannten die Coronakrise als ausschlaggebend für eine verstärkte Nutzung. Und auch die E-Mail-Nutzung stieg zwischenzeitlich um 40 Prozent an.

Spannend ist, dass gleichzeitig ein Anstieg von Sprach- und Videoanrufen sowie Webinaren zu verzeichnen ist. Unternehmen können die Online-Maßnahmen des „älteren Semesters“ also wieder umfangreicher für sich einsetzen – und damit auch bei jüngeren Zielgruppen ankommen.

8. Die etablierten Social-Media-Plattformen festigen ihre Position

Jeder Hype um ein neues Netzwerk führt dazu, dass einige Stimmen den Untergang der etablierten Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram prognostizieren. Die tatsächliche Entwicklung zeigt jedoch etwas ganz anderes: Die großen sozialen Netzwerke nehmen in ihrer Bedeutung weiter zu.

Sie haben die Kapazitäten, die Funktionen der neuen Plattformen schnell und einfach zu adaptieren und somit die Konkurrenz auszustechen. Deutlich wurde das, nachdem Instagram mit Reels eine neue Funktion ergänzte, die auf dem Prinzip von TikTok beruht. Nach wie vor bleibt bei Facebook außerdem ein gewisses Monopol auf Daten, wodurch sich ein Vorteil für Unternehmen beim Zielgruppentargeting ergibt, an dem kaum zu rütteln ist.

Das Credo 2021 wird also sein, Social-Media-Maßnahmen auf etablierten Netzwerken eher zu intensivieren als abzubauen.

9. Transparenz und Verantwortung punkten zwischen Fake News und Verschwörungstheorien

Das Jahr 2020 ist leider auch eines der Verschwörungstheorien und Falschinformationen im Netz. Zum Glück kennen die meisten Nutzer aber immer noch das einzige Gegenmittel, das hier hilft: Information und Aufklärung.

Social-Media-Nutzer wissen einen transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit Informationen zu schätzen. Eines von vielen Beispielen liefert Twitter: Nachdem Donald Trump Falschinformationen zu Covid-19 veröffentlichte, löschte Twitter den Post einfach und erntete daraufhin (von den allermeisten Seiten) Zustimmung und Beifall.

Unternehmen, die diese Werte teilen und sich das auch auf die Fahne schreiben, punkten heutzutage. Es wird zunehmend wichtiger werden, Inhalte sowie Influencer nach Authentizität, Transparenz und Verantwortlichkeit auszusuchen. Gleichzeitig müssen diese Grundsätze natürlich auch in der Unternehmenskultur gelebt werden.

10. Future First: Communitys und Marken zeigen sich nachhaltig

Das Wichtigste zum Schluss: Der wohl stärkste Trend ist die politische Positionierung von Unternehmen. Marketer erkennen, dass die Generation Z und die kommende Generation Alpha sozial- und umweltbewusst sind. Um diese abzuholen, ist es notwendig, sich stärker mit Themen wie Inklusion, sozialer Gerechtigkeit, psychischer Gesundheit, Gleichstellung und nicht zuletzt Umwelt- und Klimaschutz zu beschäftigen.

Quelle: Nike

Eines der bekannteren Beispiele aus diesem Jahr ist sicherlich Nike mit seiner Kampagne im Zuge der internationalen Bewegung „Black Lives Matter“. Aber auch andere, kleinere Unternehmen haben vielfach Haltung gezeigt. In Zukunft wird es wohl immer häufiger vorkommen, dass sie zu gesellschaftlichen Themen eine Stellung beziehen.

Es ist sicherlich zu hinterfragen, ob die Positionierung zu politischen Themen wirklich immer aus Überzeugung geschieht oder nicht eher die Verfolgung finanzieller Interessen im Vordergrund steht. Aber in Zukunft wird das eine ohne das andere nicht mehr so einfach möglich sein. Die größte Herausforderung ist, über Lippenbekenntnisse hinauszugehen und einen wirklichen Wandel anzustreben – denn leere Phrasen werden in den sozialen Medien früher oder später entlarvt.

Am Ende wirken drei wesentliche Punkte auf die Social-Media-Trends 2021 ein: Die Veränderung des Nutzungsverhaltens durch Corona, der technische Fortschritt und das Heranwachsen einer neuen Generation.

Unternehmen, die folgende Fragen im Hinterkopf behalten, werden im Social Web die erfolgreichsten sein: Wie hat sich die Situation der Kunden verändert? Was sind die Bedürfnisse der Zielgruppe? Und wie kann eine Marke selbst authentisch, ehrlich und überzeugend sein? Nicht nur die neue Social-Media-Generation wird gute Antworten auf diese Fragen honorieren.

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Titelbild: puhhha / Getty Images

Ursprünglich veröffentlicht am 28. Oktober 2020, aktualisiert am Oktober 28 2020

Themen:

Social-Media-Marketing