Ich liebe Schuhe: Helle, dunkele, aus Lack, aus Leder, mit Spitze oder rund – einfach alle. Ich liebe Schuhe sogar so sehr, dass ich kürzlich in einem Online-Shop gleich drei Paare gleichzeitig gekauft habe und anschließend tatsächlich deren Newsletter abonniert habe. Ich war einfach begeistert von diesem großartigen Unternehmen und empfahl es gerne und oft weiter.

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Sechs Monate musste ich mich von den Mails meines Lieblings-Schuh-Versands verabschieden. Und das nach dem Kauf dreier Paar Schuhe auf einmal… und all den Lobeshymnen… meine Euphorie war in Hass umgeschlagen. Was war passiert, dass ein Unternehmen, für das ich anfangs solche Werbung in meinem Freundeskreis gemacht habe, mich mit seinem E-Mail-Marketing so genervt hat, dass ich mich davon getrennt habe?

Was falsch lief…

Man könnte es so sagen: Die Liebesbeziehung zwischen diesem Online-Shop und mir war zuerst sehr innig, ausgeglichen und beruhte absolut auf Gegenseitigkeit. Nach und nach entwickelte sich dieses Unternehmen jedoch zu einem Stalker, mit dem ich schlussendlich nichts mehr zu tun haben wollte und ihn so schnell wie möglich aus meinem Leben verbannen wollte.

Denn als ich den Newsletter bestellte, war ich gespannt auf deren neueste Produkte, ich hatte die Schuhe, die ich dort gekauft hatte, zu lieben gelernt und freute mich immer wieder darüber. Da dachte ich mir, warum sollte ich nicht vielleicht auch von den Rabattaktionen des Online-Shops oder Ähnlichem per Mail bei meinem nächsten Schuhkauf profitieren?

Dann fing dieses so wundervolle Unternehmen an, mir jeden Tag E-Mails zu schicken! Montags kam: „KAUFEN SIE DIESES“, dienstags „KAUFEN SIE DAS“, mittwochs „KAUFEN SIE JENES“ usw. Es war jeden Tag wieder das Gleiche, ich wurde jeden Tag aufgefordert, irgendetwas dort zu kaufen.

Ich blieb ruhig und ließ diese Mails über mich ergehen, sie durften auch weiterhin in meinem Posteingang bleiben und wurden nicht in Spam-Ordner verbannt. Es waren einfach tolle Schuhe für mich und ich hatte das Gefühl, das Unternehmen hat meine Loyalität verdient.

Aber die Bombardierung meines Postfachs hörte nicht auf. Im ersten Monat reagierte ich beim Öffnen der Mails noch ungefähr so:

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Nach drei Monaten wollte ich nur noch, dass diese Mails aufhören. Hielt aber weiter durch und jedes Mal, wenn ich eine Mail öffnete, reagierte ich ungefähr so:

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Nach fünf Monaten weigerte ich mich strikt, eine dieser Mails zu öffnen:

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Aber auch nach diesen fünf Monaten sagte ich mir noch, eigentlich bist du Fan von diesen Produkten und kündigte den Newsletter nicht.

Aber nach sechs Monaten war das Fass endgültig übergelaufen, ich war sauer, richtig sauer, wenn genau um 13 Uhr jeden verdammten Tag wieder eine E-Mail in meinem Postfach landete. Ich dachte mir, wie konnte ich einem solchen Unternehmen tatsächlich die Einwilligung gegeben haben, meinen Posteingang zuzuspamen!?

Und so machte ich endlich von meiner Macht Gebrauch, diese Marketing-Beziehung zu beenden. Oft vergessen wir als Kunden, wurde mir in dieser Situation klar, dass wir eigentlich am längeren Hebel sitzen und jederzeit aus einem solchen Newsletter-Wust aussteigen können… jederzeit..

Also klickte ich schließlich auf den Link, der in jeder Mail unten eingefügt war, ich wurde auf eine Landing Page weitergeleitet und dann kam er: der letzte Klick! Der einzige Weg mein Postfach von den täglichen „Kaufen Sie dies, kaufen Sie das, kaufen Sie jenes“-Mails zu befreien.

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Ich muss sagen, mein Postfach sah lange nicht mehr so gut aus und ich habe mir geschworen, nie wieder den Newsletter dieses Unternehmens zu abonnieren. Unter keinen Umständen!

Aber alles hat auch seine positiven Seiten. Wäre mir mit diesem Online-Versand nicht so eine blöder Marketing-Fauxpas passiert, hätte ich wahrscheinlich nie darüber geschrieben.

DOs & DON’Ts im E-Mail-Marketing

Welche Lehren können wir nun aus dieser Quälerei ziehen?

Im Folgenden haben ich ein paar daraus abgeleitete Tipps zusammengestellt, um Ihren Marketing-Kampagnen auch in Zukunft zu maximalem Erfolg zu verhelfen.

1) Denken Sie gut darüber nach, wie häufig Sie Ihre Marketing-Mails verschicken.

Ich hatte mich bei dem Unternehmen darauf eingestellt, vielleicht ein oder zwei Mal die Woche Mails zu bekommen und das denken wahrscheinlich die meisten anderen auch. Hätte ich aber vorher gewusst, wie oft solche Nachrichten gesendet werden, wäre ich wahrscheinlich letztendlich nicht so sauer geworden. Und wahrscheinlich hätte ich den Newsletter trotzdem angefordert, ihn aber nicht mit einer solchen Aggression auf dieses Unternehmen abbestellt. So habe weder ich was davon noch das Unternehmen.

Eine gute Möglichkeit, zu kommunizieren, wie oft Werbemails ins Haus flattern, ist, einen kleinen Kommentar auf der Landing Page zu vermerken, was für ein Intervall den Nutzer erwartet. So haben die Kunden die Möglichkeit vorher transparent zu erfahren, worauf sie sich einlassen.

2) Schreiben Sie nicht nur „Kaufen Sie dies, kaufen Sie das, kaufen Sie jenes“-Mails.

Ich weiß ja nicht, wie es bei Ihnen so ist, aber ich habe kein Geld, mir täglich neue Schuhe zu kaufen. Also machen Mails, in denen ich aufgefordert werde, täglich Schuhe zu kaufen auch wenig Sinn oder?

Versorgen Sie Ihre Leads und begeisterten Kunden stattdessen lieber mit interessantem Content. Zum Beispiel hätte ich mir bei diesem Unternehmen hilfreiche Infos zur Pflege und weiteren Kombinationsmöglichkeiten für die Schuhe gewünscht. Da wäre auch Kleidung denkbar, die evtl. im gleichen Shop angeboten wird. Auf solchen Content warten die Kunden dieser Firma wahrscheinlich heute noch vergeblich.

3) Schaffen Sie verschiedene Newsletter-Optionen

Viele Kunden möchten, obwohl Sie ein Unternehmen sehr mögen, nicht täglich oder vielleicht auch nicht wöchentlich Post von diesem erhalten. Also kreieren Sie eine Newsletter Maske, die die Auswahl zwischen täglicher, wöchentlicher, monatlicher Information oder die Wahl aus verschiedenem Content ermöglicht. So gehen Sie auf die Bedürfnisse des Kunden ein und machen sie zufriedener, das ist der erste Schritt zu einem erfolgreichen E-Mail-Marketing.

Also können wir mitnehmen, dass je offener und ehrlicher wir als Unternehmen sind und je mehr Gedanken wir uns um unsere Kunden machen, desto erfolgreicher werden wir E-Mail-Marketing nutzen können. Denn glückliche Kunden machen auch gerne mal Werbung auf eigene Faust, ich habe es selbst erlebt. Und das ist doch ein Ziel jedes Marketers.

E-Mail-Marketing Best Practices

Fotos: Fotopedia 

Ursprünglich veröffentlicht am 11. März 2014, aktualisiert am November 25 2019

Themen:

E-Mail-Marketing