Stellen Sie sich vor, es gäbe keine E-Mails.

Unvorstellbar, oder? Jedes Jahr werden mehr als 215 Milliarden E-Mails (Link auf Englisch) versendet. Bis 2020 wird diese Zahl voraussichtlich auf 257 Milliarden ansteigen.

Mehr E-Mails bedeuten auch mehr unnötige E-Mails. Deswegen teilen wir des Öfteren Tipps für qualitativ hochwertige E-Mails mit unseren Lesern. Das ist auch der Grund, weshalb wir vor Kurzem 250.000 inaktive Nutzer vom Verteiler unseres englischsprachigen Marketing-Blogs gelöscht haben. Wenn wir alle weniger, dafür aber bessere E-Mails verschickten, würde sich die Interaktion verbessern und digitale Kommunikation wäre um einiges einfacher.

Aber so einfach ist das nicht. Denn dafür müssten 2,7 Milliarden aktuelle E-Mail-Nutzer erst mal ihre Gewohnheiten umstellen. Während wir also auf die E-Mail-Revolution warten, könnten wir versuchen, unser Leben zu entrümpeln, indem wir ganz auf E-Mails verzichten.

Dieser Meinung ist auch Thierry Breton, CEO und Vorsitzender des IT-Unternehmens Atos Origin. In einer Pressemitteilung von 2011 kündigte Breton an, E-Mails in seinem Unternehmen bis zum Jahr 2014 abschaffen zu wollen. Interne Kommunikation sollte sich stattdessen auf neue Tools stützen, die die Zusammenarbeit und Kommunikation über Social Media erleichtern.

Breton erklärte der BBC (Link auf Englisch), dass er diese Initiative ins Leben rief, um seinen Angestellten das Leben zu erleichtern. Er ließ sich dabei von jüngeren Mitarbeitern inspirieren, die vor ihrer Beschäftigung bei Atos noch nie E-Mails verwendet hatten und stattdessen über Instant-Messaging und soziale Medien kommunizierten.

„Zusammen mit unseren Unternehmensberatern untersuchte ich, wie viele interne E-Mails die rund 80.000 Mitarbeiter von Atos empfingen“, erklärt Breton. „Wir fanden heraus, dass sie 15 % der Nachrichten als nützlich und den Rest als Zeitverschwendung empfanden.“

Im Rahmen dieses neuen Projekts erwarb Atos sogar das Social-Networking-Unternehmen blueKiwi, um einerseits dessen Dienste zu nutzen und Mitarbeiter-E-Mails auf Null zu reduzieren, und um andererseits einen neuen Geschäftszweig im eigenen Unternehmen einzuführen.

Nun, fünf Jahre später, berichtet die Harvard Business Review (Link auf Englisch), dass Atos zwar noch nicht komplett auf E-Mails verzichtet, aber in dieser Hinsicht dennoch erhebliche Fortschritte gemacht hat.

David Burkus schreibt, dass „das E-Mail-Volumen im Unternehmen um insgesamt 60 Prozent reduziert wurde, von durchschnittlichen 100 E-Mails pro Mitarbeiter in der Woche auf weniger als 40“. „Die operative Gewinnmarge von Atos stieg 2013 von 6,5 % auf 7,5 %. Die Aktienrendite stieg um mehr als 50 % und Verwaltungskosten fielen von 13 % auf 10 %. Natürlich lässt sich das nicht ausschließlich auf die Abschaffung von E-Mails zurückführen, doch es besteht zumindest ein starker Zusammenhang.“

Burkus berichtet außerdem, dass immer mehr Studien E-Mails einen negativen Einfluss zuschreiben. Er zitiert eine Studie der Association for Computing Machinery aus dem Jahr 2012 (Link auf Englisch), in der festgestellt wurde, dass Probanden weniger Multitasking betrieben, sich besser konzentrieren konnten und weniger gestresst waren (gemessen durch tragbare Pulsuhren), nachdem sie fünf Tage lang ohne E-Mails auskommen mussten.

Während die meisten Unternehmen auf absehbare Zeit wahrscheinlich nicht auf E-Mails verzichten werden, versuchen dennoch viele, das Gesamtvolumen zu reduzieren, indem sie für bestimmte Zeiträume jegliche Art von E-Mail (intern oder extern) verbieten. So haben z. B. das Logistikunternehmen PBD Worldwide und das Mobilfunkunternehmen U.S. Cellular einen E-Mail-freien Freitag. Und bei der Design-Agentur Reliable PSD können Angestellte an einem bestimmten Tag der Woche nur während der ersten und letzten Arbeitsstunde E-Mails verschicken.

Man kann sich die Welt des Vertriebs – und eigentlich auch alle anderen Berufssparten – schwer ohne E-Mail vorstellen. Nun, da E-Mails allgegenwärtig sind und ihr negativer Einfluss auf unsere Produktivität und Stresslevel immer größer wird, liegt die Annahme nahe, dass bald viele Unternehmen in bessere Kommunikationsmethoden investieren werden.

Sollte es dazu kommen, bedeutet es eine garantierte Umwälzung für den Vertrieb. Möglicherweise müssen Vertriebsmitarbeiter die Zeit, die sie bisher mit E-Mail- und Telefon-Akquise verbracht haben (Telefongespräche und Voicemails haben eventuell auch schon bald ausgedient) nun darauf verwenden, Inhalte zu erstellen, die Käufer dazu verleiten, sich mit den Vertretern in Kontakt zu setzen. Möglicherweise steigt dann die Bedeutung von Verkäufen, die durch Empfehlungen bzw. durch Mundpropaganda zustande kommen.

Wenn mehr und mehr Unternehmen dem Beispiel von Atos folgen und interne E-Mails abschaffen, wird es vielleicht einfacher für Vertriebsleute, in den Posteingängen von Käufern einen guten Eindruck zu machen. Ganz gleich, welche Veränderungen bevorstehen, wir können sicher sein, dass sich die Vertriebslandschaft stark verändern wird, sollten E-Mails jemals ausrangiert werden.

Was halten Sie von der Entscheidung dieser Unternehmen, ihre E-Mails teilweise oder komplett abzuschaffen? Denken Sie, dass E-Mails je durch ein anderes Medium ersetzt werden können? Was denken Sie, welche Änderungen das für den Vertrieb bedeutet? Teilen Sie uns Ihre Meinung unten in den Kommentaren mit.

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Ursprünglich veröffentlicht am 23. August 2016, aktualisiert am Dezember 04 2017

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