Marketing auf der Überholspur

01 Juni 2017

Was bringt Google+ im Marketing-Mix?

Verfasst von | @

Google+ im Marketing-Mix

Sechs Jahre ist es her, dass Google+ an den Start ging. Seither hat sich viel getan – Zeit für eine Bestandsaufnahme. Welche Entwicklungen hat das soziale Netzwerk des Internetriesen durchlaufen, welches Standing hat es heute bei seinen Nutzern und welche Rolle spielt Google+ im Marketing-Mix von Unternehmen? Der folgende Artikel befasst sich mit der aktuellen Relevanz und zukünftigen Bedeutung von Google+.

Werden Sie zum Social-Media-Profi mit unserem kostenlosen Kit. Jetzt  herunterladen und Social-Media-Strategie optimieren!

Was bringt Google+ im Marketing-Mix?

Google+ gestern und heute

With this latest round of updates, we believe the new Google+ is really your Google+ – designed around your suggestions, requests and needs. It also means it’s time to say goodbye to classic Google+ on the web, which we’ll be turning down on January 24.

Der Blogbeitrag von Produkt-Managerin Danielle Buckley liest sich wie ein Neubeginn, und in der Tat markiert die endgültige Umstellung auf das neue Design am 24. Januar 2017 einen Meilenstein in der reichlich bewegten Geschichte von Google+. Eine kurze Zusammenfassung:

Die Erwartungen vor dem Launch 2011 waren hoch – Google+ wurde als direkter Konkurrent von Facebook gehandelt. Tatsächlich machen die blanken Zahlen bis heute Eindruck: Waren es 2012 noch 107 Millionen Nutzer, zählt Google+ im Jahre 2016 satte 3,09 Milliarden User zu seinen Mitgliedern. Trotz stetig steigender Nutzerzahlen konnte sich Google+ jedoch nicht weitreichend als soziales Netzwerk etablieren.

Denn wirklich aktiv ist nur ein Bruchteil. Einer Studie zufolge hatten 2015 lediglich vier bis sechs Millionen User öffentliche Posts erstellt. Über die Zahl an Nutzern, die darüber hinaus in geschlossenen Gruppen aktiv ist, gibt es keine gesicherten Zahlen. Die Spreizung bleibt jedoch enorm und ist allen voran der Zwangskopplung geschuldet. Viele Nutzer bekamen mit ihrem Android-Smartphone oder der Nutzung anderer Google-Dienste automatisch einen Google+-Account aufgebunden – ohne die Plattform danach aktiv zu nutzen. Deshalb blieb Google+ auch für das Marketing von Unternehmen weitgehend uninteressant.

So sah sich der Internetriese unter Handlungszwang. Um neue Anreize zu schaffen und dem Image der digitalen Geisterstadt entgegenzuwirken, folgte eine Vielzahl an Updates und Umbaumaßnahmen – jedoch oftmals vergebens. Features wie das Author Tag oder die Lokale Google+ Branchensuche wurden eingeführt, nur um nach mäßigem Erfolg wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Genauso verhielt es sich mit Diensten wie dem Messenger oder Games. Einzig die 2012 eingeführten Google+ Communities und die 2015 erschienenen Google+ Collections haben sich als erfolgreiche Features etabliert, die auch wegweisend für die weitere Entwicklung sein sollten.

Das neue Google+ – Bestandsaufnahme

Zwischen der Funktionsweise von Google+ im Jahr 201 1 und heute liegen Welten. Im Anfangsstadium sah man der Plattform deutliche Anleihen des großen Vorbilds Facebook an. Newsfeeds und private Profile standen im Fokus. Nachdem 2015 noch zwischen klassischer und neuer Ansicht gewechselt werden konnte, hat sich Google+ 2017 endgültig von seinem traditionellen Design verabschiedet. Google+ (erstes Bild) erinnert seitdem stark an Pinterest (zweites Bild).

hubspot-google-plus-social-media.png
Bild: Screenshot von Google+

hubspot-pinterest-social-media.png
Bild: Screenshot von Pinterest

Entsprechend hat sich auch hinsichtlich der Nutzung viel getan. Die wesentlichen Erkenntnisse für Marketer:

1. Funktionsweise – Collections und Communities im Fokus

Persönliche Profile rücken in den Hintergrund, Inhalte in den Fokus. Collections und Communities erscheinen in der Navigationsleiste links oben als prominenteste Features, und bestücken den Stream der Übersichtsseite mit weitestgehend bildlastigen Beiträgen. Gefiltert wird nicht mehr vorrangig nach Kreisen, sondern nach Interessen-Kategorien.

Collections werden von einer Person erstellt und verwaltet, um Posts zu einem bestimmten Themenbereich (z. B. Rezepte oder Reisefotos) zu sammeln.

Communities decken ebenfalls einen bestimmten Themenbereich ab, können allerdings mit Beiträgen aller Mitglieder befüllt werden.

Mit der Umstellung auf das neue Design hat Google+ also endgültig eine Kehrtwende vollzogen – weg vom Facebook-Konkurrenten und hin zur Community-Plattform. Die Neuausrichtung kommt nicht von ungefähr, sondern zielt auf die speziellen Bedürfnisse der Nutzer ab, die sich über die Jahre herauskristallisiert haben.

2. Nutzerverhalten auf Google+ – fotoaffines Publikum

Die Analyse von etwa neun Millionen Google+-Postings auf circa 10.000 Profilen sowie Unternehmensseiten durch CircleCount lässt detaillierte Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten der Plattform zu. Demnach sind 57 % der Posts Fotos, gefolgt von Links (27 %) und Videos (8 %). Auch in Sachen Performance liegen visuelle Inhalte weit vorn. Verglichen mit einem durchschnittlichen Post bekommen Fotos 149 % mehr „Gefällt mir“-Angaben (+1), werden um 136 % öfter kommentiert und um 133 % häufiger geteilt.

Spätestens mit dem eingeführten Feature Image Zoom und der RAISR-Technologie, die Bildvergrößerungen ohne Qualitätseinbußen erlauben und die Datengröße von Bildern verringern, untermauert Google+ seine Entwicklung hin zum Netzwerk für Bildersammlungen verschiedenster Nischenpublika. Auf Facebook trifft sich jeder – auf Google+ dagegen finden Special-Interest-User in Communities zusammen und tauschen ihre Foto-Collections aus. Neben Tech-Themen stehen insbesondere die Rubriken Design und Fotografie hoch im Kurs.

3. Google+ als Marketing-Plattform – der Nischen-Treffpunkt

Auf den ersten Blick erscheint Google+ als wenig marketingfreundliche Umgebung: Entgegen der absoluten Nutzerzahlen lassen sich in dem Netzwerk weitaus weniger aktive Mitglieder erreichen als auf den etablierten Plattformen Facebook, Twitter oder Instagram. Auch ist Google+ grundsätzlich nicht als Businessnetzwerk konzipiert. Inhalte stehen im Vordergrund, Profilinformationen von privaten Nutzern und Unternehmen dagegen werden weniger prominent platziert.

Hinzu kommen die Einstellung des lokalen Branchenbuchs und mangelnde Anzeige-Möglichkeiten. Mit dem 2013 eingeführten Anzeigenformat +Post Ads gibt es zwar bezahlte Google+-Beiträge. Diese lassen sich aber nicht direkt innerhalb von Google+, sondern nur im AdSense-Netzwerk ausspielen.

Die jüngsten Entwicklungen offenbaren jedoch ein neues Marketingpotenzial: Über die unterschiedlichen Communities ist es Unternehmen möglich, ihre Zielgruppen direkt anzusprechen – zumindest in bestimmten Branchen: 74 % der Google+-User sind männlich, zu den Top-Berufsgruppen auf Google+ zählen Ingenieure (29 %), Entwickler (17 %) und Designer (14 %). Wer ein Nischenpublikum in diesen Bereichen bedienen will, findet hier also leicht Interessenten.

Daneben ist Google+ wie jedes andere soziale Netzwerk auch aus SEO-Sicht interessant. Laut Google haben Social Signals zwar nicht direkt Einfluss auf das Ranking. Allerdings gilt trotzdem: Hochwertige und zielgruppenrelevante Inhalte werden geteilt. Und je beliebter die Beiträge sind, desto höher die Chance, dass Influencer die Inhalte aufnehmen und Backlinks auf die jeweilige Unternehmenswebsite erzeugen.

Google+, quo vadis?

Grundsätzlich sollte Google+ im Marketing-Mix von Unternehmen weiterhin eine untergeordnete Rolle spielen – gemessen an der aktiven Nutzung versprechen Facebook und Co. schlicht einen höheren ROI. Trotzdem greift das Geisterstadt-Image angesichts der lebendigen Communities zu kurz. Je nach Branche kann es sich für Unternehmen durchaus lohnen, auf Google+ zu publizieren.

Wirklich relevant für ein branchenübergreifendes Marketing wird Google+ allerdings nur dann, wenn es sich nach den vielen Abgesängen tatsächlich noch als eigenständige Plattform mit Daseinsberechtigung durchsetzen kann. Nach vielen Umbauten in den vergangenen Jahren ist mit dem neuen Design zumindest eine klare Richtung erkennbar. Es bleibt abzuwarten, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist oder in einem Schattendasein hinter Pinterest endet.

Werden Sie zum Social-Media-Profi mit unserem kostenlosen Kit. Jetzt  herunterladen und Social-Media-Strategie optimieren!

Themen: Social Media

Abonnieren

17 Kommentare

Leider ist es nicht mehr möglich, Kommentare für diesen Beitrag zu hinterlassen, da die Kommentar-Funktion für ältere Beiträge deaktiviert wird. Natürlich ist uns Ihre Meinung dennoch wichtig! Schicken Sie uns einfach einen Tweet @HubSpot, um uns zu kontaktieren!

17 Kommentare
X

Ihre Konkurrenz beliest sich auch.

Bleiben Sie am Ball mit unseren Tipps unserer Marketing-Experten und sichern Sie sich Ihren Wissensvorsprung. Abonnieren Sie jetzt den HubSpot Marketing-Blog.