Stellen Sie sich vor, Sie suchen nach einem Augenarzt. Die Suchmaschine wirft Ihnen nicht nur einen Namen aus, sondern zeigt Ihnen gleich, welcher Arzt der Beste für Sie ist und wann er freie Termine hat. Durch das Semantic Web könnten solche und noch viel komplexere Suchanfragen möglich werden – denn es katalogisiert und organisiert das weltweit verfügbare menschliche Wissen.

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Semantisches Web: Keine neue Idee

Die Idee, ein schlaueres, bedeutungsvolleres, semantisches Web zu entwickeln, gibt es schon seit 2001. In diesem Jahr veröffentliche der Erfinder des Internets Tim Berners-Lee seinen Artikel The Semantic Web im Scientific American und stieß damit das Web 3.0 an.

Für Menschen haben Texte eine Bedeutung. Sie verstehen Synonyme und Zusammenhänge, sie haben Assoziationen und Ideen. Bei Computern ist das anders: Sie nehmen Text zwar wahr, aber verstehen ihn nicht. Berners-Lee forderte in seinem Artikel, das World Wide Web mit Bedeutung anzureichern, es also semantisch zu machen. Er träumte von sogenannten Suchagenten, die um einiges leistungsfähiger sein sollten als Suchmaschinen wie wir sie heute kennen.

Als Beispiel nannte Berners-Lee eine Frau, die einen Arzttermin vereinbaren möchte. Der Suchagent würde recherchieren, welcher Arzt in ihrer Nähe ansässig ist, welche Spezifikationen die einzelnen Ärzte aufweisen und wie andere Patienten sie bewerten. Dann würde er der Frau den Arzt anzeigen, der seiner Auffassung nach am besten zu ihren Bedürfnissen passen würde. Außerdem würde er ihren Terminkalender mit dem des Arztes abgleichen und es ihr sofort ermöglichen, einen Termin auszumachen.

Bei einer einfachen Suchanfrage würden also stets eine ganze Reihe von Schritten ausgeführt. Das Internet würde intelligenter werden und könnte den Menschen viel zeitintensive Arbeit abnehmen.

Wie funktioniert das Semantic Web?

Von allein können Suchagenten Zusammenhänge nicht verstehen. Deshalb müssen Menschen nachhelfen und die Daten im Internet so mit Bedeutung anreichern, dass Computer sie erfassen können. Dazu werden Texte mit dem Ressource Description Framework (RDF) in sogenannte Tripel zerlegt. Diese bestehen in der Regel aus Subjekt, Prädikat und Objekt.

Zum Beispiel:

Tim Berners-Lee (Subjekt) – ist Erfinder (Prädikat) – des World Wide Web (Objekt).

RDF funktioniert Webseiten-übergreifend. Das bedeutet, dass Suchagenten auf sämtlichen aufbereiteten Webseiten nach den einzelnen Parametern suchen können. Das ermöglicht es beispielsweise, alle Veröffentlichungen eines bestimmten Autors geordnet anzeigen zu lassen oder Rezepte gezielt danach zu suchen, welche Zutaten darin vorkommen.

Ontologien schaffen Zusammenhänge

Sogenannte Ontologien stellen – grob gesagt – Zusammenhänge zwischen den Webinhalten her. So können Suchagenten etwa verstehen, dass ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann und in verschiedenen Kontexten zum Einsatz kommt. Gibt es ein RDF mit dem Subjekt „Angela Merkel“, wissen die Suchagenten, dass besagte Person nicht nur „Bundeskanzlerin von“, sondern auch „Chefin von“, „Ehefrau von“, „Tochter von“ und „Kundin von“ ist.

Ontologien sorgen dafür, dass Begriffe nicht einfach als Synonyme eingestuft, sondern tiefgreifender eingeordnet werden. Gleichzeitig verstehen Suchagenten durch sie auch, dass ein Begriff nicht nur auf eine Person oder Sache zutrifft. Nicht jeder orange gekleidete Mensch arbeitet bei der Stadtreinigung, nicht jeder Student bekommt ein Stipendium und nicht jeder mit einem Führerschein darf auch eine Straßenbahn fahren.

Das Web 3.0 kommt – aber langsam

Das Semantic Web eröffnet ganz neue Möglichkeiten. In der Theorie könnten Sie Konferenzen ganz einfach planen, indem Sie die Kalender aller gewünschten Teilnehmer automatisch miteinander vergleichen lassen. Wenn Sie eine wissenschaftliche Abhandlung verfassen möchten, könnten Sie sich eine Liste mit passender, nach Relevanz geordneter Literatur anzeigen lassen. Und wenn Sie jemanden zu einem Geschäftsessen einladen möchten, könnten Sie gezielt nach Restaurants suchen, die Ihre Lieblingsspeisen anbieten, zu Ihrer Wunschzeit noch nicht ausgebucht sind und maximal zehn Tische haben. All das mit einer einzelnen Suchanfrage.

Erste Versuche, das semantische Web praktisch umzusetzen, gibt es bereits. Google übt beispielsweise mit Rezepten. Bei einigen Rezepten werden neben den reinen Suchergebnissen auch die Zutaten und weitere Informationen (wie etwa der Fettgehalt) angezeigt und Nutzer können ihre Suchanfrage anhand dieser Angaben verfeinern. Allerdings müssen die Betreiber der Websites, auf denen das Rezept vorkommt, Google die Informationen im RDF-Format händisch zur Verfügung stellen.

Auch beim Google-Update „BERT“ geht es darum, die menschliche Sprache besser zu verstehen. Das Update soll es Google unter anderem ermöglichen, zu erfassen, in welcher Beziehung einzelne Wörter miteinander stehen. So will der Suchanbieter noch besser auf die Suchintention reagieren können.

Die deutschsprachige Suchmaschine Semager zeigt Wörter an, die mit einem Suchbegriff zusammenhängen. Zu „Hund“ gehören etwa auch „Hütte“, „Leine“ und „Futter“. Bei den oben geschilderten Möglichkeiten sind die Suchmaschinen und auch andere Tools aber noch nicht angelangt. Bis das Web 3.0 für alle ganz selbstverständlich nutzbar ist, werden voraussichtlich noch viele Jahre ins Land gehen.

Semantic Web wird die Suchmaschinen verändern: Durch das semantische Web können Menschen und Computer besser zusammenarbeiten. Dadurch bieten sich schier unendlich viele Möglichkeiten, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und in sämtlichen Lebensbereichen Zeit und Ressourcen zu sparen. Das, was Suchmaschinen wie Google heute leisten, wird uns eines Tages womöglich lachhaft erscheinen. Bis dahin ist aber noch eine Menge zu tun.

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Header: simonapilolla / iStock / Getty Images Plus

Ursprünglich veröffentlicht am 27. November 2019, aktualisiert am Dezember 02 2019

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