Man hört und liest aktuell einiges über einen anstehenden „Content Schock“, quasi von einem Kollaps allen (Web-) Contents, da immer mehr Leute zu Marketingzwecken Content produzieren. Die Befürchtung ist, dass die Nutzer aufgrund eines Überangebots sehr bald am Limit ihrer Aufnahmefähigkeit sein werden und dann gar keinen Content mehr konsumieren.

Download: Arbeitsmappe Content-Marketing

Ob dem so ist oder nicht, soll hier aber gar nicht das Thema sein, auch wenn mich diese düsteren Voraussagen wenig beeindrucken. Tatsache ist, dass auf bestimmten Plattformen im Internet sowie zu gewissen Themen definitiv eine Sättigung eingetreten ist und Nutzer beginnen, wie wild alle Posts zu löschen, die nicht auf den allerersten Blick Mehrwert erkennen lassen, um nicht zwischen dem Information Overload unterzugehen.

Was am althergebrachten Journalismus (hier: im Gegensatz dazu, dass jeder selbst etwas veröffentlichen kann) so schön war, war, dass es eine Vorauswahl gab, eine Kondensierung, Recherche und (zumindest in der Theorie) ein Gegenchecken der Fakten. Doch haben sich durch Blogging und andere Kanäle weitere ungeahnte Möglichkeiten aufgetan, und das ist wunderbar! Jeder kann ohne Hürden seine Meinung und sein Wissen in die Welt hinausposaunen und jeder kann sich über ein beliebiges Thema ungefiltert von verschiedenen Blickwinkeln aus informieren. Und das ist gut so. Nur ist dadurch das Content-Angebot unüberschaubar gestiegen.

Auch der Content-Konsum steigt

Die gute Botschaft ist: es wird auch immer mehr Content konsumiert, jederzeit, an allen Orten. Allein das Selektieren ist die Kunst: es wird vermehrt schwierig, auszuwählen, was man lesen will und sollte und das dann noch einzuordnen. Reizüberflutung und ganz einfach die Tatsache, dass der Tag nur 24 Stunden hat, setzen da ein naturgegebenes Limit. Und wenn es Ihnen auch nur ein bisschen so geht wie mir, graut es Ihnen manchmal regelrecht vor den Social Media Streams, wollen aber die interessanten und für Sie relevanten Posts – gerade von Netzwerkpartnern – auch nicht verpassen ...

Wie also können Sie allen negativen Stimmen zum Trotz eine nachhaltige Content-Strategie implementieren und wie bleiben Sie on top des Geschehens? Wie wird Ihr Content inmitten der Informationsflut, bestehend aus echten Inhalten aber auch einfach Marketing-Botschaften und Link-Dumping, noch gefunden? Gibt es besondere Content-Typen, die größere Chancen haben, gesehen zu werden? Welcher Content wird am meisten „massenproduziert“?

So sticht man heraus: Keine Massenware anbieten

Sie ahnen die Antwort schon: wählen Sie mit Bedacht. Wählen Sie Kanäle, die nicht von Content verstopft sind, segmentieren Sie Ihre Zielgruppe haarfein und bieten Sie auf diese individuell zugeschnittenen Content: echten Content mit echtem Mehrwert – hilfreich, bildend, Probleme lösend, unterhaltend, wegweisend. Dabei kommt es weniger auf das Format an, sondern darauf, wie es zur Botschaft und zur Zielgruppe passt. Nimmt man dies ernst, vermeidet man ganz von selbst, was zu vermeiden ist: Spam. Verbreiten Sie nicht ziellos die gleiche Botschaft über so viele Kanäle wie möglich. Wählen Sie für jede Botschaft erneut die Verpackung, den Verbreitungskanal, die Ansprache. Setzen Sie lieber auf Qualitäts-Content, der gerne weiterempfohlen wird, weil er wirklich hochwertig ist und posten Sie dafür seltener.

Unterscheiden Sie sich von der Masse. Denn vielleicht gibt es längst zu viel Massencontent, doch immer noch zu wenig echten Content mit wirklichem Mehrwert. Qualitativ hochwertiger Content. Großartiger Content. Ob ein gut produziertes Video, hochwertiges E-Book oder Tutorials spielt keine Rolle, sofern es passt und brauchbare Inhalte liefert. Alles, was die Probleme Ihrer Zielgruppe löst oder in die Lage versetzt, Probleme informiert angehen zu können, ist gut und wird dann auch gerne weiterempfohlen.

Content: Angebot und Nachfrage

Wenn es immer mehr kostenlosen Content gibt, den sich jeder im Netz oder woauchimmer zu Gemüte führen kann, wird es immer schwerer aufzufallen. Wie? Durch noch besseren Content. Das bedeutet vielleicht für die Schöpfer des Contents, dass sie immer mehr Zeit investieren müssen. Andererseits ist es gut für die Leser – und immer noch eine gute Strategie für Sie, sich abzuheben! Nein, durch den Zeitaufwand, wirklich guten Content zu produzieren, ist Content Marketing nicht mehr wirklich kostenlos. Jeder Unternehmer, der mit seiner Zeit rechnet, weiß das. Doch ist es durch das Potenzial, die Zielgruppe wirklich anzusprechen, im Vergleich zu breit gestreuter Werbung immer noch super günstig! Sie erhalten hochwertige Leads, Interessenten, die wirklich passen.

Heißt das nun, dass nur noch diejenigen einen Vorteil mit Content Marketing haben, die es sich leisten können, selbst sehr viel Zeit und Aufwand zu investieren – oder dafür zu bezahlen? Und außerdem, wie bei Facebook beispielsweise, dafür zu bezahlen, die Reichweite aufrecht zu erhalten? Bestimmt hier noch der Konsument? Ich denke: Qualitativ hochwertiger Content wird immer oben schwimmen, nicht automatisch der bezahlte. Nur weil Content gefeatured wird, weckt er auch Interesse oder wird geteilt.

Es scheint außerdem, dass sich Leser gar nicht so schnell überwältigt von einer Fülle an Information fühlen, nach der sie aktiv gesucht haben. Im Gegenteil, es gefällt und gibt ein Gefühl, selbst zu kontrollieren, was man tut, welche Entscheidungen man trifft, wo man sich informiert. Menschen mögen es, verschiedene Quellen zur Auswahl zu haben, selbst entscheiden und sich selbst eine Meinung bilden zu können. Man ist kein passiver Konsument, dem etwas verpasst wird, sondern hat die Wahl und die Hand am Steuer. Viel wichtiger ist daher, dass sich die Leser auf der jeweiligen Informationsplattform leicht zurecht finden können, also die Nutzerführung und die Navigation stimmen.

Nischen-Content ist hochspezialisierter Content

Ein weiterer Aspekt ist – ein Großteil des Contents, der Kunden anziehen soll, ist tatsächlich Nischencontent, oder zumindest sehr spezifisch. Und davon gibt es dann gar nicht mehr so viel: schaut man sich das Informationsangebot zur einzelnen Nischen an, ist die Flut an Content gar nicht mehr so groß, auch wenn es variiert (wer Informationen zum Thema Inbound Marketing sucht, hat es nicht so schwer, eine riesige Auswahl an Content zu haben, bei Informationen zur Herstellung von veganer Rohschokolade wird es schon schwieriger). In jedem Fall wissen Sie als Leser leicht, welche Themenfelder Sie gar nicht interessieren. In anderen Worten: es ist gar nicht Ihr Ziel, aus der Masse allen Contents herauszustechen, sondern lediglich in Ihrem Themenfeld auffindbar. Social Media und andere Filter erleichtern dies immens. Auch gibt es diverse Online-Lösungen, bzw. Apps, die es ermöglichen, sich nur jenen Content aus verschiedenen Kanälen komprimiert anzeigen zu lassen, der einen selbst interessiert. Also gleichsam ein individuelles Magazin zu kreieren.

„Nur“ weil Sie jederzeit über alle möglichen Kanäle Informationen in Hülle und Fülle zur Verfügung haben – hören Sie auf, sich zu den Themen und Produkten zu informieren, die Sie interessieren? Nein. Werden Sie sich Zeit dafür nehmen können? Ja. Eben für den Content, der wichtig ist für Sie. Der von Interesse ist. Der durch Fakten und solide Recherche abgesichert ist. Kreative und gleichzeitig verlässliche Information eben, die über das digitale Rauschen hinaus gehört und verstanden wird.

Arbeitsmappe herunterladen

Ursprünglich veröffentlicht am 28. März 2014, aktualisiert am November 22 2019

Themen:

Content-Marketing