Im Schatten von Google Trends entwickelt Google ein mächtiges Tool, das Marketern neue Daten liefert, aber Ihnen auch einige Überlegungskraft abverlangt: Google Correlate. Was kann Google Correlate und wie können sich es Marketer zu Nutze machen?

Google Correlate funktioniert in seinen Grundzügen ähnlich wie Google Trends. Letztgenanntes liefert Aufschluss darüber, wie stark ein Suchbegriff im zeitlichen Verlauf nachgefragt wird. Man erfährt daraus, wann es besonders viele Suchanfragen gibt und ob das Interesse an einem Begriff gerade zunimmt, wieder nachlässt oder auf konstantem Niveau bleibt.

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Dagegen zeigt Google Correlate an, welche Begriffe im Suchverhalten dem eingegebenen Suchbegriff ähneln. Dabei bezieht sich das Tool auf Zeiträume. Beispielsweise nimmt das Interesse am Begriff "Weihnachtsgeschenke" zum Jahresende hin stark zu, um dann nach Weihnachten abrupt nachzulassen. Google Correlate zeigt an, bei welchen Suchbegriffen sich das Interesse im Jahresverlauf ähnlich entwickelt – also, statistisch gesprochen, korreliert.

Als Tool zur Keyword-Recherche und Content-Planung ist Correlate wenigen Marketern ein Begriff. Ich habe mir angesehen, welche Rückschlüsse die Daten aus Google Correlate zulassen und wie Marketer sie für ihre Keyword-Strategie nutzen können.

Mit Google Correlate Zusammenhänge zwischen Suchbegriffen ermitteln

Die Recherche startet bei Google Correlate mit einem einzelnen Suchbegriff. Als Ergebnis erhält man eine Liste von Suchbegriffen, bei denen sich im zeitlichen Verlauf ein ähnliches – korrelierendes – Suchverhalten ergibt.

Die Ergebnisse wirken auf den ersten Blick wenig aussagekräftig. Anders als im Keyword Planner oder bei Tools auf der Basis von Google Suggest sieht man hier nämlich keine Korrelationen hinsichtlich des Nutzerinteresses. Die verwandten Begriffe ähneln dem Ausgangsbegriff rein im zeitlichen Verlauf ihrer Nachfrage. Deswegen stehen die ermittelten Suchbegriffe auch nicht zwangsläufig in einem Sinnzusammenhang.

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Auf den ersten Blick scheint das alles nicht zusammen zu passen. Bei der Erstellung von Personas oder der Ideenfindung für Inhalte können die Daten allerdings helfen.

Die ausgegebenen Daten lassen sich bei Google Correlate verfeinern. So kann man über “Shift Series” einsehen, welche Korrelationen im Suchverhalten es gab, bevor oder nachdem der zugrunde gelegte Begriff gesucht wurde. Außerdem gibt es die Möglichkeit, das Suchverhalten in allen 50 Staaten der USA zu vergleichen – ein Vorteil für US-Marketer, aber leider auch nur für die.

Personas erstellen mit Google Correlate

Der Screenshot oben zeigt Suchbegriffe, die im zeitlichen Verlauf ähnliche Schwankungen aufweisen wie “Thailand Urlaub”. Zu den Begriffen zählen so disparate Dinge wie “Geschirrspüler”, “Karibik Urlaub” und “Hawaii Toast”. Als Marketer kommt man hier mit Metriken nicht mehr weiter.

Wenn man aber die Phantasie etwas schweifen lässt, passt das alles zu einer User Persona. Haushaltselektronik, Wellness-Orientierung, sonnige Urlaubsdomizile und gleichzeitig Filme für triste Winterabende – dazu noch das gesteigerte Ende Richtung Jahresende? Das klingt alles ziemlich nach Familienmensch. Für die Zielgruppe, die wir uns so in fünf Minuten erdacht haben, heißt das, dass familienfreundliche Angebote den Ausschlag zugunsten unserer Thailand-Reisen geben könnten.

Bei Überlegungen wie diesen müssen Marketer allerdings in Betracht ziehen, dass Google Correlate durchschnittliche Daten abbildet. Je nach Suchanfrage gilt es zu reflektieren, ob die eigene Persona den Durchschnitt darstellt oder eben ein Ausreißer ist, den Google Correlate nicht abbildet.

Google Correlate für die Themenplanung nutzen

Zugegeben, auf einer Reiseseite lohnt es sich nicht, über Geschirrspüler und Filmtipps zu bloggen. Aber schauen wir uns doch mal an, welche Korrelationen es bei einem Suchwort gibt, das wirklich saisonal eingegrenzt ist:

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Osterdeko interessiert die Leute natürlich nur rund um Ostern. Die korrelierenden Suchbegriffe sprechen für sich.

Das Ergebnis ist hier wirklich eindeutig. Die Suchbegriffe geben Auskunft darüber, was und womit die Leute an Ostern basteln wollen – eine Steilvorlage für Evergreen Content zu diesem Thema. Testen Sie zum Vergleich die Abfrage im Keyword Planner. Dort erhalten Sie weitaus mehr generische, verwandte Suchanfragen, die Sie erst aussortieren müssen.

Die Qualität der in Google Correlate angezeigten, verwandten Suchwörter liegt in erster Linie am saisonalen Charakter unseres Keywords "Osterdeko". Da kann dann der Keyword Planner naturgemäß nicht mithalten, weil sein Algorithmus die rein inhaltliche Übereinstimmung untersucht. Wer Content Marketing rund um ein saisonales Thema betreibt, findet in Google Correlate ein Recherche-Tool, das anderen Tools zumindest gleichwertig ist. Bei nicht-saisonalen Themen gilt das nur bedingt.

Shift Series: Content für mehr als eine Woche planen

Natürlich wollen wir unsere Zielgruppe nicht nur zu Spitzenzeiten erreichen. Deswegen schauen wir uns an, wofür sie sich vor Ostern interessieren. Dafür nutzen wir die Funktion “Shift Series” und tragen den Wert -1 ein. Wir sehen im Ergebnis, wofür sich die Leute eine Woche früher interessieren, bevor sie über Osterdeko nachdenken.

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Hier wird die Auswahl rund um "Deko" und "Basteln" schon etwas dünner. Aber das sind auch nur die Begriffe mit den stärksten Korrelationen – einfach auf “Show More” klicken.

Als Münchner sticht mir natürlich gleich das “Starkbierfest” ins Auge. Spaß beiseite, wer eine Website rund um Deko und Basteln betreibt, wird auch hier fündig. Allein in diesem kleinen Ausschnitt sind mit “Türkranz Frühling”, “Hühner nähen” und “Hühner basteln” drei einschlägige Begriffe vertreten. Und die Liste lässt sich per Click auf “Show More” noch lange fortsetzen – wie lange, habe ich noch nicht ausprobiert.

Google Correlate kann man zur Content-Planung natürlich auch bei nicht-saisonalen Begriffen einsetzen. Dazu später noch mehr.

Blick in die Zukunft: Re-Targeting mit Google Correlate

In die Zukunft schauen kann man natürlich auch mit Google Correlate nicht. Möglich sind allerdings Vorhersagen, worüber sich Leute informieren, nachdem sie sich mit einer Sache beschäftigt haben. Dafür nutzen wir “Shift Series” in die andere Richtung.

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Schon hier wird deutlich: Das Interesse an Oculus Rift korreliert mit dem Interesse an Spielen dafür.

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Zum besseren Verständnis: Die markierten Begriffe stehen in einem Zusammenhang mit “League of Legends”.

Auch hier muten die Korrelationen auf den ersten Blick etwas kryptisch an. Ich musste auch erst recherchieren, bis ich herausfand, dass drei der stärksten Korrelationen im Zusammenhang mit League of Legends stehen. Das Spiel ist eine beliebte Anwendung für Virtual-Reality-Endgeräte. So erscheint die Korrelation mit Oculus Rift doch plausibel. Die Frauennamen auf der Liste sind übrigens die von Instagram- und YouTube-Stars. Was das bedeutet, habe ich nun aber nicht näher erforscht.

Praktisch ist dieses Beispiel vor allem im Re-Targeting interessant. Wer sich für bestimmte Games interessiert, könnte auch ein Early Adopter für Virtual Reality sein. Umgekehrt freut sich ein Oculus-Käufer vielleicht, wenn er kurz darauf vom neuen „League of Legends“-Update für Virtual Reality erfährt.

Google Correlate hat das Potenzial, andere Keyword-Tools in den Schatten zu stellen

Wer mit den vier Anwendungsbeispielen bisher nicht viel anfangen konnte, sollte Google Correlate trotzdem eine Chance geben. Denn manchmal beantwortet es wirklich alle Fragen, die dem interessierten Marketer in den Sinn kommen:

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Hier lohnt es sich gar nicht mehr, alle interessanten Begriffe zu markieren.

Bei dieser Liste könnten wir uns wohl alle gleich an den Redaktionsplan setzen. Zugegeben, die Zusammenhänge für richtige Themen müssen Marketer noch selber herstellen. Alle Keyword-Kombinationen, semantischen Zusammenhänge, verwandten Suchbegriffe und natürlich Nutzer-Interessen liefert Google Correlate in diesem Fall selbst.

Das einzige Problem ist, dass es Google Correlate nicht bei jedem Suchbegriff so einfach macht. Man kann es nicht anders sagen: Manchmal gibt das Tool einfach scheinbaren Unfug aus, der einem nicht weiterhilft.

Fazit: Komplexe, aber wertvolle Ergänzung zu anderen Keyword Tools

Viele Marketer kennen Google Correlate vielleicht noch nicht. Das sollte sich ändern, denn als Ergänzung zu den verbreiteten Keyword Tools hat es einiges zu bieten. Es fördert verborgenes Suchverhalten und frische Keywords zutage – sowohl für SEOs in der Keyword-Analyse, Content Marketer in der Themenfindung als auch für Advertising-Spezialisten – etwa im Retargeting. Bei manchen Begriffen ist es sogar so gut wie kein anderes Tool.

Die Suchvolumina erhalten Marketer nach wie vor aus dem Keyword Planner. Dank dem CSV-Export aus Google Correlate ist das aber kein Problem. Der Keyword Planner kann direkt mit den exportierten Daten aus Correlate arbeiten. Auch Datenanalysten kommen auf diese Weise auf ihre Kosten und können sich mit den Daten in Excel, R oder Python austoben.

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Ursprünglich veröffentlicht am 14. September 2016, aktualisiert am 21. Februar 2018

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