Wann haben Sie zuletzt Zeit gefunden, einen richtig langen Artikel zu lesen? Sich mit einer Tasse Tee aufs Sofa gesetzt, eine Zeitung oder das Tablet zur Hand genommen und sich über Stunden hinweg in einem Buch verloren – und zwar ohne alle paar Minuten das Handy zur Hand zu nehmen?

Unsere Smartphones übermitteln uns im Minutentakt eine nie enden wollende Flut an News, Twitter verpackt wichtige Informationen in weniger als 280 Zeichen und kaum jemand kommt beim Fernseh- oder Netflix-Gucken noch ohne parallele Handynutzung (Stichwort: „Second Screen“) aus. Wir sind daueronline

Da wundert es nicht, dass unsere Aufmerksamkeitspanne mit acht Sekunden inzwischen geringer ist als die eines Goldfisches: Denen wird nämlich eine Aufmerksamkeitsspanne von neun Sekunden nachgesagt.

Inhalte To Go – Snackable Content 

Wer sich trotz mangelnder Konzentrationsfähigkeit über das aktuelle Tagesgeschehen informieren will, greift immer häufiger zu sogenanntem Snackable Content. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Inhalte zum Snacken. Kurz zusammengefasste, prägnant formulierte, leicht verdauliche Informationen, die man sich auch auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause mal eben einverleiben kann. So bleibt man gut informiert – auch ohne langwierige Lesepausen.

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Die folgenden Apps sollte jeder auf dem Smartphone haben, der auf journalistische Inhalte in erster Linie mobil zugreift und zum langen Lesen kaum Zeit hat. 

Blinkist – Sachbücher in 15 Minuten

Den Inhalt eines 500-Seiten-Sachbuches kennen, ohne es wirklich gelesen zu haben? Das geht tatsächlich. Blinkist hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Inhalt von Sachbüchern auf das Wichtigste zu reduzieren. Bisher wurden rund 2.000 Texte aus Kategorien wie „Persönliche Entwicklung“, „Motivation & Inspiration“ und „Management & Leadership“ in sogenannte Blinks – kurze, prägnante Abschnitte – zerlegt. Die lassen sich in Audio- oder Textform angenehm häppchenweise konsumieren und führen dazu, dass man jeden Tag etwas Neues lernt.

Gerade einmal 15 Minuten pro Buch muss man investieren, um die wichtigsten Aspekte zu kennen. Das Lesen ersetzt Blinkist zwar nicht, allerdings verschafft die App (für Android, iOS oder in der Desktop-Version), einen Überblick über ein komplexes Thema.

Screenshot aus der Blinkist iPhone App, 29.11.2017Screenshot aus der Blinkist iPhone App, 29.11.2017

Bild: Screenshot aus der Blinkist iPhone App, 29.11.2017

Mit der kostenlosen Variante von Blinkist erhält man Zugriff auf einen zufällig ausgewählten Titel pro Tag. Blinkist Plus kostet 49,99 Dollar jährlich und bietet einen Offline-Zugang, die Möglichkeit, wichtige Textstellen zu markieren und abzuspeichern und einen ausgewählten Audio-Blink pro Tag. Blinkist Premium kostet 79,99 Dollar jährlich und winkt mit der vollen Auswahl an Audio-Blinks, der Funktion, Titel an Kindle zu senden und einer Evernote-Verknüpfung.

Curiosity – Fakten erforschen

Täglich Neues lernen – spielend leicht und optisch ansprechend aufbereitet. Dieses Ziel hat sich Curiosity gesetzt. Die englischsprachige, kostenlose App gibt es für Android, iOS und in einer Desktop-Version und präsentiert dem Nutzer täglich fünf spannende Themen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Was nicht interessant erscheint, wird einfach weggeklickt, weiterstöbern kann man in anderen Kategorien wie „Science & Technology“, „Anatomy“ oder „Business“.

Screenshot aus der Curiosity iPhone App, 29.11.2017Screenshot aus der Curiosity iPhone App, 29.11.2017

Bild: Screenshot aus der Curiosity iPhone App, 29.11.2017

In Text- oder Videoform fasst Curiosity Komplexes leicht verständlich zusammen. Mehr als ein paar Minuten muss man nicht investieren, um Neues zu entdecken. Curiosity schürt – wortwörtlich – die Neugier, sich mit Themen zu befassen, die man vorher nicht im Blick hatte. Das informiert und inspiriert gleichzeitig. Nachteil: Die enthaltene Werbung und die teilweise an Buzzfeed erinnernden Titel.

Ebenfalls empfehlenswert: Der Curiosity Podcast, der dem Hörer das Lesen vollständig abnimmt und stattdessen Experten aus diversen, spannenden Feldern zu Wort kommen lässt.

Medium

Medium versammelt lesenswerte, englischsprachige Blog-, Zeitungs- und Magazinartikel aus Bereichen wie „Innovation & Tech“, „Society“ und „Arts & Entertainment“ in einer übersichtlichen, primär kostenlosen App für Android und iOS und auf der hauseigenen Website. Außerdem besteht die Möglichkeit, auch eigene Texte zu veröffentlichen. Wer nur lesen möchte, kann Kanäle abonnieren oder sich auf die Empfehlungen der Redaktion verlassen.

Screenshot von medium.com, 29.11.2017

Bild: Screenshot von medium.com, 29.11.2017

Die Qualität der Artikel schwankt allerdings – hier stehen die Texte von Freizeit-Bloggern neben denen von Experten. Nichtsdestotrotz animiert Medium Nutzer dazu, sich auch mit Themen zu befassen, auf die sie sonst gar nicht erst gestoßen wären. Das ist insbesondere für die Themenfindung interessant.

Ein kleiner Teil der auf Medium präsentierten Artikel sind „Members only“, nur für Mitglieder zugänglich. Die Medium Membership kostet 5,00 Dollar pro Monat, drei „Members only“-Artikel pro Monat kann man aber auch ohne Abo lesen.

Khan Academy

„Du kannst alles lernen“ ist der Slogan von Khan Academy. Die von dem US-Amerikaner Salman Khan gegründete, komplett kostenlose Lernplattform enthält Zehntausende Lernvideos aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft, Geschichte und Kunst. Das Themenspektrum reicht von „Was ist ein Algorithmus und warum sollte es dich interessieren?“ bis hin zu „Die Aufgabe der Phagocyten bei der angeborenen oder unspezifischen Immunantwort“ und erklärt Hochkomplexes in kurzen, knackigen Videos.

ild: Screenshot von Khan Academy, 29.11.2017

Bild: Screenshot von Khan Academy, 29.11.2017

Empfehlenswert ist die App für Android und iOS, die durch eine sehr übersichtliche Gestaltung überzeugt und die Möglichkeit bietet, sich für den Offline-Gebrauch Inhalte zu bookmarken. Außerdem darf man neu Gelerntes gleich mit In-App-Tests überprüfen. Außer Englisch sind in der App die Sprachen Französisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch und Norwegisch verfügbar, die Desktop-Version gibt es teilweise auch auf Deutsch.

Khan Academy ist werbefrei und wird unter anderem durch Google und die Bill & Melinda Gates Foundation finanziert. Wer sich in kurzer Zeit einen grundlegenden Überblick über bisher unbekannte Themen verschaffen möchte oder wer in seiner Freizeit seinen Horizont erweitern will, ist mit der Khan Academy gut beraten.

Instapaper

Eine App, die insbesondere für Reisende extrem sinnvoll sein kann: Instapaper speichert Inhalte ab, damit Sie sie später offline und auch auf anderen Geräten wie dem iPad oder dem Kindle lesen können. Sobald eine WLAN-Verbindung oder ausreichendes Datenvolumen vorhanden ist, lädt die App die Texte oder Videos Ihrer Wahl herunter und stellt sie Ihnen in einem klaren, übersichtlichen Format zur Verfügung.

Bild: Screenrecording der Instapaper-App, 29.11.2017

Bild: Screenrecording der Instapaper-App, 29.11.2017

Auch das Durchsuchen, Markieren und Vorlesenlassen einzelner Text(-Passagen) ist möglich. Letzteres klappt nur mit Artikeln in deutscher Sprache wirklich gut, ist aber besonders praktisch, wenn Sie auf dem Weg zur Arbeit nicht auf die News verzichten, aber trotzdem die Hände frei haben möchten. Wer Inspiration sucht, kann sich durch die Artikelvorschläge im „Suchen”-Feed durchscrollen und Interessantes für später abspeichern. Instapaper gibt es kostenlos und werbefrei für Android und iOS.

Snackable Content auch für Leseratten

Wer gerne einen prägnanten Rundumblick über das aktuelle Weltgeschehen haben möchte, für den sollte Medium alle Bedürfnisse erfüllen. Wer viel reist und nicht ständig Zugriff auf eine Internetverbindung hat, ist mit Instapaper gut beraten. Und wer offen für Neues ist und täglich frische Inspiration zu unterschiedlichen Themen sucht, wird mit Curiosity glücklich. Alle genannten Apps haben aber eines gemein: Sie schaffen es, das Lesen wieder in den Alltag zu integrieren und regen selbst Lesemuffel dazu an, mehr als 280 Zeichen zu konsumieren – das kann der Aufmerksamkeitsspanne nur gut tun.

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Ursprünglich veröffentlicht am 11. Dezember 2017, aktualisiert am Dezember 23 2017

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